Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 5 (29.1.1863)
- Date
- 1863-01-29
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Äff g; m e i n e s. Eorrespotiöttlz . Bayern, im Dez. 1862. AlcJbcr den Stand unseres Kirchen-, Schul und staatlichen Wesens ist wenig Erhebendes zu berichten. Zufolge des neuen Schulgesetzes sind die iörael. deutschen Schulstellen auch auf 350 fl. theils durch Staatsmittel, theils durch , mit vielfachem Widerstreben herangezozenc Gememdcmittel aufzebeffert worden. In nur sehr wenigen isracl Gemeinden, die. sich in einem Orte von über 2000 Einwohnern besinden,. mußten sie bis zu 450 fl. und rcs^. 500 fl. gesteigert werden. Mit diesem Gesetz ist wohl den christlichen Schulstellen, deren Dienstgründe nur zu der mittleren Dcrhältnißzahl fatirt werden durften, und welche allerlei niedrerfatirte Postem enthalten, finanziell erheblich geholfen. Nicht aber den israef. Stellen, deren Ertrag in bloßem Gelve besteht.' WaS sind heutigen Tags '350 fl. Baarzehalt für eine Familie? — Die Regierung von Oberfranken wollt« aber selbst diese Aufbesserung den isracl. stellen nicht zukommcn lasten, und auf sie den 8-33 des Edikts vom 10. Juni 1813, inhaltlich welchen 300 fl. die Kongrua einer israel. Schule bilden, anwenden, und flugs war auch eine mittekfränkische Gemeinde mit einem Advokaten zur Hand,, welche ans jene Rechtswohlthat (?) Anspruch machte.' Allein die allerhöchste Stelle entschied zu Gunsten der Israel- Lehrer. Besagt ja das neue Schulgesetz ausdrücklich, es seien durch dasselbe eie früheren entgegenstehenden Gesetze über b.aS. Schulwesen aufgebobcn! — Keinerlei Hilfe aber , will'unfern armen ReligiönSschul lehrcrn werden, und vergebens mühe« sich E inzelne ab von ihren Gemeinden eine Aufbesserung zu erhalten, und den -versuchten schritten verschiedener Kreise durch eine Collcktiv- Eingabe an die allcrh. stelle, ist.kein günstiges Prognostiken zu stellen. Hilf Dirsel.st! kann , ihnen nur zugerufen werden, und unterrichtet nicht fortwährend Stunden täglich, während ihr nur zu 2 verpflichtet seid. Unser bis jetzt geordnetes. Schulwesen ist bezüglich der Berufsbildung der Lehrer in zweifacher- Hinsicht starb gefährdet. Ein allerhöchstes. Rescript aus den 40:r Jahren bestimmt - in der wohlmeinenden Abncht, daß sie dirrch dort befindliche Rabbinen RelmionSunterrrcht.empfangen sollen, diesseits des Rheins die semurrrsen "zu Schwabach, Würzburg und Bamberg, für die -Israeliten,. Rach Bamberg gehen seit längerer Zeit mrr-höchst selten iörael Lehrlinge zur Aufnahmsprüfung; in Schwabach.erschwert ibnen ein mystisch christlich gesinnter Inspektor die Aufnahme Er soll sogar einmal erklärt haben, lieber sein Amt niederzulegen, als Israeliten aufzun'.hmen. Das teat er d»nn twch nicht, aber er nimmt nicht mehr als Einen jährlich auf und der bleibt immer der Letzte' und wird bei der Loration gar nicht miteinbegriffen. Dagegen gi"t er den zur Prüfung kommenden Lehrlingen an die Hand, lieber die Austrittsprüfung zu machen,'wobei er ibnen ne höckste Förderung in Aussichtfüllt- Bon dem Schreiber dieses deshalb einmal bei einer öffeütlichen.Gelcgeiihcit interpellirt, hat er sein Verfahren in chrisil-.chcö p-rv nso* bin.ingestcllt. Was Wunder, wenn die Zahl der in Seminarien gebildeten Lehrer immer weniger wird! Aber «S bleibt noch Würzburg? Freilich bleibt dies und dahin gehen auch die Lehrlinge meistens Von welchem Einfluste sie da aber beherrscht werden, das ist männiglich bekannt. Mit diesem und den eigenen VorbrreitungSschulen zu Höchberg rc., für welche namentlich die Schneider stark beschäftigt sind, um die Kleider und Mützen rc. der neuangekommen Schüler aufzutrennen und -lao zu nähen, noch nicht zufrieden, hat der Rabbiner Bamberger daselbst — besten Eifer man alle Gerechtigkeit widerfahren lasten und etwas Aehnliches den anderrr Rabbiuern wünschen muß. — cs bei der allerh. Stelle dahin gebracht, ein eigeues Seminar für Israeliten in Würzburg gründen zu dürfen, zu welchem Zweck er bereits 20,000 fl. beisammen haben soll, und für welches seitdem Land auf Land ab gedruckte Cirkulare, welche zu Gelvsamülunzen auffordern, versandt werden. Was wir dann für Lehrer zu erwarten haben, das weiß Jeder, welcher Personen und Sachen nur einigermaßen kennt. ...... 'in pj?B3D u» D’iffirn by Diesem und allem Andern gegenüber verhalten sich unsere meisten Rabbiner, besonders die einflußreichern, völlig passiv, ja die meisten kcketterien mit der Hyper-Orthodoxic und lassen überhaupt Alles gehen, wie es mag. In Fürth erzählte mau mir von glaubwürdiger Seite, Rabbiner Dr. Löivy habe den dortigen „Frommen" erklärt, so lange er lebe, würden in seiner Synagoge weder Orgel noch deutsches Gebet cingcführt werden Nebenbei will ich bemerken, daß die dortige große Synagoge baulich erweitert wird, uno daß die „Frommen" eine eigene Schule errichtet haben, welche in diesem Monat eröffnet worden ist. Von synagozalen Veränderungen oder gar Neuerungen in den Synagogen unseres Landes ist gar nichts zu erzählen. In büpzerlrcher unv gewerblicher Beziehung aber ist bei uns ein außerordentlicher Fortschritt.geschehen. Alle derartigen Beschränkungen 'sind gänzlich gefallen. Dir Aufnahme von Israeliten in den Staatsdienst, dem nach der öffentlichen Erklärung des Staa!SministerS ein Gesetz nicht entgegenstehl, ist aber noch nicht erfolgt, ja cs scheint dieS mit Konsequenz abgcwiesen zu wercen. Advokaten, Aerzte, ja Notare sind keine Staatsdicncr im strengen Sinne des Gesetzes. Diesem ist sogar die durch alle Blätter gehende Nachricht, es sei der Prospektor Dr. Herz in Erlangen zum kgl. Professor ernannt worden, nicht entgegen. Denn wie ich Ihnen bestimmt versichern kann, ist derselbe trotz des einstimmigen Vorschlags der ganzen Universität, einschließlich der theologischen Fakultät, nur znm Ehren- Profestor, was einen bedeutenden Unterschied involoirt, ernannt worden. Dem füge ich noch bei, daß Dr. Herz die Annahme dieses Titels entschieden verweigert, uno daß die Univclsität einen allgemeinen Protest bei der allerhöchsten Stelle cingcrcicht hat. ' — Unsere iörael. . tadtgcmcinden wachsen heran, und bei erleichterter Ansästigmachung und dem Aufhören der Auswanderung nach Amerika werden mit der Zeit auch die kleineren Gemeinden wieder zunchmcn. R. E. Märsi II Speyer, im Januar. Wenn Jemand meine Einsendung in-Nr. 22 dieses Blattes v. I. gelesen hat, so wird «r finden, daß eS sich dann nicht um Personen und Per- 1