Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 5 (29.1.1863)
- Date
- 1863-01-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4896751-5428748-5431174--0434-4897113- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jährlich S2 Nummern. Preis de« Jahrgang« 1 Lhlr. — 1 fl. «5 kr. Bei frankirter Zusendung unter Lreuzband 2 fi. 12 kr. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Der IsrMlitiKilKe Lelirer. Anzeigen zu 1 Sgr'. die Petitzeile. Aufnahme in di« Lehrervacanjenlist« S Sgr. Einsenkungen entweder direkt an den verantwonlicken Redakteur oder an die Derlagshandlung. Organ für die Schule, die Familie und daß Gemeindeleben des Jndenthums.! i HerauSgegebein von I. Klinge«fiem, Ignaz Lehman« und A. Treu. No. 5. " . Mainz, den 29. Janyar 1863. (Dritter ^aLrxaux.) Ueber Lehrerbildung. (Fortsetzung auS Rr. 1.) Wenn wir uns so mit den meisten der bestehenden christlichen Eeminarien nicht befreunden können, so gestehen wir übrigens auch von den jüdischen Schullehrerscminaricn, soweit uns deren Organisation bekannt ist, im Ganzen wenig erbaut zu sein. Leiden so manche schon bei der besten Anlage und Führung an der schlechte« Vorbildung der Seminaristen, an den schlechten Verhältnissen der Lehrer überhaupt, oie eben nur weuig tüchtige Kräfte diesem Stande zusühren, oder überhaupt an Ungunst und Kleinheit der äußeren Verhältnisft, die eben nur sehr schwer adzuändrrn sind; an Beengung des Wirkungskreises, so müssen tvir andrerseits energisch pro testiren gegen einige andere Seminaricn, di« schon ihrer Grundlage nach den woh begründeten Ansorderuy^cn an eine Lehrerbildungsanstalt für die Jetztzeit durchaus nicht und in keinerWeise entsprechen. ES ist beispielweise arge Verkennung der Zeit und deS Lehrerberufes, wenn wir eine einseitige sachliche Ausbildung zum RcligionSlehramte für ausreichend halten; wenn, wie eS wohl auch vorkömmt, ein einzelner Mann den gefammten religionSwissenfchastlichen (und pädagogischen) Unterricht leitet, während für daS sogenannte profane Wissen an — einer Realschule oder dgl. hinreichend t gesorgt sein soll Die Bildung des Lehrers — auch wenn er vordersamst bloS znm Religionslehramte berufen sein sollte, muß eine durchgreifend harmonische, eine allseitig pädagogischbildende sein; auch und gerade insbesondere der Religionslehrer muß Pädagog und Methodiker sein im vollen Sinne des Wortes. Jeder Lehrer, welcher Kinder in den Elementarschuljahren unterrichten will, muß ein allseitig gebildeter Elementarlehrer sein, weil die einheitliche Entwicklung der Kräfte und der natürlichen Anlagen des Kindes nur durch Erkenntniß seiner Grsammtentwicklung begriffen werde« kann. An jedem Seminare muß eine Elementar-Musterschule sein, zur praktischen Ausbildung der Lehrer, zu welcher Theorie und Unterricht in steter Beziehung bleiben müffen. In den oberen Kursen tritt diese praktische Beziehung mehr und mehr in den Vordergrund, und bildet gleicbsam das Ziel des Gesammtunterrichts. Pabei ist ferner aber auch zu beachten, daß, wenn dem sogenannten Religionslehrer nur eben zu diesem Fache die Befähigung gegeben wird, dies eine Einschränkung deS Lebensberufs ist, did wohl noch weniger junge Leute als bisher diesem äußerlich undankbaren Stande zusühren würde. Unsere wohlbercchtigte Forderung an den Staat ist und bleibt für immer entweder entsprechende Stellung für den Religionslehrer und theilweise ronfesiionelle Elementarschule, oder als letztes und höchstes-Ziel: Communalfchulen im vollen Sinne des Wortes und Anstellung jüdischer Lehrer an solchen. Darum: allseilige — religiöse undwissenschaftliche, pädagogisch-entsprechende Berufsbildung für den Elemcntar- Lehrer. In unserem Nächsten werden wir also in diesem Betreffe und im Hinblick auf Vorstehendes zu zeigen haben: 1) Wohin muß sich die berufliche Vorbildung der Lehrer (Elementarwie Religionslehrer) erstrecken? 2) Was soll geschehen, um dieselbe zweckentsprechend zu machen? oder, wie müssen die betreffenden Anstalten zweckentsprechend eingerichtet werden? Während in unsere» nächsten Nummern unser geschätzter Freund und Mitrcdakteur Treu begingen wird, eine eben Heimgegangene bedeutsame Persönlichkeit — Df. Alexander Haindorf — zu zeichnen, und dabei die Geschichte deS soviel uns bekannt ältesten jüdischen Seminars (in Münster) und seine Wirksamkeit in Betracht ziehen wird, werden wir später in unserer Arbeit fortfahren und solcherweise uns bemühen, die wichtige Frage der Lehrerbildung in der Theorie in Anregung -und zu einem gewissen vorläufigen Abschluß zu bringen. (Fortsetzung folgt.)