Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 4 (22.1.1863)
- Date
- 1863-01-22
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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15 auch ein Horn, Heilprin rc. in die Verbannung zogen, und daß ein Horn noch heute fern vom Vaterlande leben muß. Herr Trcfort geht hierauf in seiner Rede auf den Charakter der ungarischen Juden über, spricht von ihrem Talente zum Handel, rühmt ihre Gutherzigkeit, ihren Sinn ' für das Familienleben, null hingegen nur ein schwache« Ehrgefühl bei ihnen gefunden haben, nennt sie eitel, unfähig zu schweren physischen Arbeiten, will auch wenig Sinn für Reinlichkeit bei ihnen wahrgenommcn haben. Die vornehmen gebadeten Juden sollen, so ist der Wunsch des Redners, auf die Raffe cinwirkcn und er verspricht ihnen für diese Mission die Em a n c i p a t i o n Der geistreiche Redakteur des „Raplo" nennt uns Juden allzugefühlvoll und glaubt, daß wir cs nicht nöthig gehabt, Herrn L j voc das Forum der Oeffcntlichkcit zu ziehen, nachdem der Herr Reoner die Juden nicht habe beleidigen wollen, und einer der wärmsten Vertheidigcr ihrer Emancipation sei. Da» ist eine theuere Freiheit. Die nur dann zu kommen verspricht, wenn wir daS Heiligste, den Glauben amgeben, oder auch nur einen Buchstaben des Gesetzes dicserhald fallen lassen. Herr T vertan;t/wir mögj-n unsere S.tien aufgeben und die der Christen, unter denen wir leben, annehmen. Es ist dieses Ansinnen ebenso räthselhaft, als un begreiflich. Hat denn die Christenheit dcS Magyarenlandes ein anderes Siltengcsetz, als das im alten Testamente gcoffenbarte, hat sie andere 10 Gebote, als die, welche den Kindern Israel auf Sinai vor Jahrtausende erschallten? Herr T. sollte wissen, daß der KLroly'jche Antrag der theilweisen Emancipation der Juden unter den ungarischen Israeliten eine Entrüstung hcrvorgcrufen hal, und daß die damals an der Spitze gestandenen Männer cs seit damals nicht gewagt haben, abermals auf diese Frage zurück zu kommen. Ehrlichkeit bet den 450,000 Juden Ungarns nicht, finden wollen, heißt das Licht, das täglich die Tonne der Erde sendet, nicht sehen wollen, und wie bei den magyarischen, slovakischcn und deutschen Bewohnern Ungarns eine Abstufung in dieser Frage sich zu erkennen gibt, so ist cs auch bei den Inden, in deren Mitte wir wenigstens dieselbe Ehrlichkeit finden wie bei den übrigen Stämmen unseres Vaterlandes, wenn nicht anders unser Urtheil befangen ist Herr Trcfort will den JSraeliren,eine jede Liebe zur Landwirthschaft absprcchcn, und erklärt sie für unfähig zu jeder Beschäftigung, zu der schwere körperliche Arbeit nothwcndiz ist. Hätte Herr T. sich unbefangen in jenen G.geadeu Ungarns umgesehcn, in denen die Israeliten dichter beisammen wohnen, — und deren Zahl ist doch nicht unbedeutender hätte nimmer diese Behauptung aufsteUen können, hätte er doch hier sattsam Gelegenheit" Wahrzunehmen, wie sich die Israeliten einem jedem Berufe uns selbst den härtesten widmen, er hätte jüdische F hrleute, Taglöhner, Schuster Schneider, Schlosser, s.ldst Schmiede unter unserem Volke genug scheu können. Aber auch Die schwersten landwirthschaftllchen Arbeiten verrichten die Israeliten Un garns, und mehr als einmal hätten wir Gelegenheit jüdische Tagelöhner singend das Korn schneiden zu sehen, und den jüdischen Gutsbesitzer oder Pächter in der Ryir den Erntekranz von den Taglöhncrn seines Gutes zu übernchimn Waö die Reinlichkeit unseres Volkes betrifft, die der Herr Akaoemiker bei den Israeliten Ungarns nicht gefunden haben will, so begreifen w.v wirtlich nicht, wo der geistreiche Herr T in dieser Frage seine Studien gemacht hat. Hier heißt eS so recht: „Wie c« sich christelt, so jüsclt eS sich;" und fjhn der Grunrsah als feststehend angesehen werden, daß in!slavischen Gegenden Ungarns die Bevölkerung weniger auf pedantische Reinlichkeit sieht, als in magyarischen, obwohl wir nirgends 'Ranges au Reinlichkeit weder bei Inden noch Christen wahrgenommen haben So viel steht fest. Die A-mnenmäbrchen, die selbst die geistreichsten Menschen ist ibrer Jugend cingesogen haben, verlassen dieselben so bald n>cht, und so lauge wir bei den gebildeten Magyaren Redensarten, wie folgende hören: Inden-Betrüger, Juvcncanaille der Jude wird Pch holen rc, darf eS uns nicht wundern, wenn hie und da einzelne sich vergessen und die Fehler des einen oder anderen Israeliten der Maffe zur Last legen. Zllm Glücke hat die magyarische Akademie der Wissenschaften eie seltensten Männer in ihecr Mitte und nachdem wir überzeugt sind, daß selbst Herr T. heute sein Wort zurücknehm:n möchte, halten wir die ganze Angelegenheit ilicht vö i jener Bedeutung, wie sichte und da aufgesaßt wird. X... Äei'm Schluffe unse-cs Artikels kömmt uns ein offenes Sendschreiben deö geistreichen Redakteurs des „©eit chananja" des Obcrrabbinen Lö.v in Szegcdin an den Akademiker Herrn Trcfort zu, in ivelch m mit seltenem Geschicke die Rechte der Juden im Magyarenlande vcrthcidigt werden und weist der feiten gebildete Rabbi geschichtlich nach, wie einzelne Comitate Ungarns auf dem Reichstage 1807 um die Erlanbniß n acht uwten, Juden zu gestatten in ihren Städten und Dörfern wohnen zu dürfen, nachdem die christlichen Kaufleute den Preis der Artik l unter Strafe unter einander fest setzten und so die Bewohner drücken und zwingen wollten zu hohen Preisen zu kaufen. Sr. Hcchwürdcn schließen den offenen Brief mit folgenden Worten: „Und nun muß ich meine Epistel schließen, um in die Synagoge zu eilen, wo heute die Gedächtnißfeier der unsterblichen Makkabäischen Fecihcitshclden ihren Anfang nimmt." | X... Allgemeines. Ämschau. Wie die berichtet, ist der in Gollub (R'gierun-sbeznk Marienwerder) zum Bürgermeister gewählte Rentier Rat Han Cobn von per Regierung nickt bestätigt worden. — Das P ovinzialschnleolleunm in Posen bat kürzlich sämmtliche Directpre» der hob.wen Lehranstalten der Provinz Posen angewiesen. in den Prograu,men „auch das Berhälkniß der Religionen und Conf ssioiien zu einander ersichtlich" zu macken und binzugesügt, „daß. da der Ausdruck ..Confessio»" nur zur Bezeichnung der verschiedenen christlichen Religionsgemeinschaften üblich ist, der Ausdruck „mosaische, Confessio»" als unstatthaft erscheint und daher da, wo er bisher zur Anwendung gekommen ist, in „jüdische Religion" n - znwandeln ist." •j- Der Spr-ickioricker Dr. Stcinthal, ein'Israelit, ist zum Außerordentlichen Professor an der hiesigen Universität er-