Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 3 (15.1.1863)
- Date
- 1863-01-15
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
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10 aber mit dem Auswendiglernen nur sehr mäßig, und lasse die Kinder, wie unser Klingenstein sagt: „nicht eher consumirett, als sie auch produeiren. können." Weinländer ven Esstngm: Ich glaube, daß wir heute in diesem Gegenstände 'etwas definitives nicht festsetzen können, da wir über bas eiuzuführeude Religionsbuch noch nicht entscheiden ■ , _ Cohn von Deidesheim: Eine Sammlung von Kern- —sprächen aus der Bibel wäre sehr «ünschenswerth. Der Vorsitzende: Erlauben Sie mir, Ihnen mitzutheilen, daß bei dem Religionsunterrichte in meiner Anstalt gar kein Katechismus auswendig -gelernt, der Schüler aber doch mit dem Inhalt , der Religionslehre so bekannt " gemacht wird, daß er in der Regel bei den Religionsprüfungeu keine Antwort schuldig bleibt. Doch beeile ich mich hinzuzusetzen, daß wir meistens ältere Knaben haben, die wohl schon früher das dahin Gehörige memorirt haben Schloß in Speyer: Unsere Schüler würven in den Prüfungen meist in Verlegenheit kommen und nicht antworten können, wenn wir nicht aus einem bestimmten Religionsbuchc auswendig lernen ließen. ' Rabb.Merz. Ein Religionsbuch ist jedenfalls nothwendig. Allerdings wird von dem auswendig Gelernten wieder viel vergeffen, allein vergessen die Mediciner, die Architecten u. s. w. in der Regel nicht auch 'das Latein, das sie in den Schulenmit so vieler Rühe erlernen?. Dies Erlernen hat darum doch seinen großen Werth. Allein man lasie mit Maß auswenhiglernen: Wohlverstandenes und nicht zu viel. Man unterrichte die Glaubens- und Sittenlehre — drei Glaubensartikel: Gott, Offenbarung, Unsterblichkeit und die dreierlei Pflichten in den Hauptzügen und berücksichttge dabei vorzüglich die Zehngebote und die Festtage. K l i n gd n st e i n: Erlauben Sie schließlich mir nur eine Bitte! Vermeiden Sie womöglich d»S Wort K a t e ch i S in u S! Ich möchte dies Wort, so unschuldig eS an und für sich ist, im Judmthum nicht eingebürgert wissen ES erinnert mich, daß einem christlichen Collegen einst »Religion'', vom Schulplan gestrichen, nnd dafür „Katechismus" gesetzt wurde,, erinnett an die Katechismusstreitigkeiten, und an alles Penible, da« mit diesem Worte zusammenhängt. Setzen Sie dafür das "zutreffende Wort — Religionslehre. Die Versammlung.evklärt sich imAllgemeinen mit der Ansicht deS Herrn Rabbiners einverstanden, sich vorbehaltend, bei Besprechung der Lehrbücher in nähere Erörterung.einzugehen. (Schluß folgt.) Xeceufioutn. Israelitische Erzählungen von Simou Sri«er. (Fürth. Gusdvrfer.) AngeMgt dnrch Alexander Llsiiffer. Unser geschätzter College und Freund hat wieder eini mal aus dem Borne feiner reichen Phantasie geschöpft und j das jüdische Bolksschriftenthum mit einer Gabe bereichert.; Der Verfasser ist einer der ersten, die für die isracl Jugend l in deutscher Sprache und schöner Form geschrieben habe»! und gerade dieses Gebiet der jüdische» Literatur ist noch wenig betreten. Niemand ist befähigter als Freund Krämer, den Volkston und das KindeSgmüth;u treffen; so sehr das Gebiet der jüdischen Belletristik sich erweitert hat, VolkS- und Jugendschristen sind eigentlich nur die Krämers. E« ist aber auch sehr schwierig hier dev rechten Stoff zu finden, und den paffenden Ton für die Jugend und das Volk zu tteffen. Krämer hat es sich zur Aufgabe gemacht, vermittelst der Literatur Akte ails dem jüdischen Volksleben in ihrem ethischen Wrrthe und nach der poetisch-nationalen Seite hin, in Erzählungen darzustell-n, daß sie einerseits im rechten Geiste und mit der rechten Weihe ausgeführt, andrerseits aber, wenn sie auch, im Leben nicht mehr geübt werden, doch im Gedächtniffe des Volkes in Erinnerung bleiben. Der Zweck, den sich der Verfasser gestellt, ist gewiß ein rühmenswerther, und daß er seiner Aufgabe gewachsen ist, hat er in seinen früheren, vielgelesenen Schriften bewiesen. Diese neue Gabe besteht au« drei Erzählungen: I. der Hofjude, oder: „Auch dies zum Guten."' II. Die Wimpel, eine Doppelgeschichte. III. Jahrzeit und! Pasuk — LebenSverS. — Die erste Erzählung ist Dichtung und Wahrheit; doch hätten wir auf dem Gebiete derDich- : tung den Mefchumet gerne weggelaffen gesehen, da der- | artiges Renegatenthum unserer Zeit fernab liegt und solche ReminiScenzen aus trüber Vergangenheit unserer Jugend weder zur Belehrung, noch zum Ergötzen gereichen. Schön! ist die Rettung des Hofjuden aus drohender Gefahr, durch Uebernahme deS heiligen Akts einer Beschneiduvg bei einer armen Familie, wodurch die alte Sentenz sich bewahrheitet: „Bei der Ausü ung der Werke rettender Menschenliebe leidet man keinen Schaden." — Die zweite Erzählung: „d i e Wimpel" ist schön mottvirt, die Charaktere darin wahr gezeichnet, die Entwicklung ist natürlich, nicht gesucht; die Lösung ethisch und ästhetisch. Die Erzählung handelt in; den Kriegsjahren der napoleonische Zeit und eine Wimpel! ist das Erkennungszeichen für einm verlorenen Knaben. — „Jahrzeit und LebenSverS" würfelt verschieoene Lebensverhältniff«, Land und Leute zusammen und ist nach gewisser Seite hin etwas polemisch gehalten. Uebrigens lag eS dem Verfasser nicht in dem Sinne, irgend eine bestimmt änSge-