Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 1 (1.1.1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4896751-5428748-5431166--0415-4897098- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2 soll. *) — Wir glauben, daß dir jüdische Lchrr von der sittlichen Freiheit des Menschen und seiner E.öenbildlichkeit mit Gott wenig jene depravirende Lehre anfkommen laßt von der allgemeinen Sündhaftigkeit der Menschen, von der Verderbniß, die dem. Glauben an die gottgezeben« Vernunft entspringt; und daß. deßhalk das so oft gesungene Lied einer gewissen theologischen Fraktion „von dem Teufel-des Schullehrerhochmnths gegenüber der so dringlichen Schullehrerdemuth" bei uns niemals gehört werden wiro. Nichtsdestoweniger find die Veranstaltungen für eine entfprechenoe Lehrerbiloung in Israel .fast überall nur mangelhaft; und sollten doch gerade sie de« Streben nach einer angemessenen Juzendbildung und einem gefesteten, in sich gegliederten Lchrerstande zur Grundlage dienen. Der bei weitem größte Theil der christlichen Lehrerbildungsanstalten entspricht unseren Anforderungen durchaus nicht, auch nicht im allgemeinen, humanen, rein menschlichen und pädagogischen Lehrcrwissen, ebenso venig over gerade wegen der Richtung in dem gesammteu Bildungsgänge. Denn, wenn wir schon oben gesagt haben, daß wir den Schwerpunkt einer gesunden und tüchtigen Lehrerbildung in der Durch- und Ausbildung/ nicht in äußerlicher Anbildung erkennen, so dürfte es dagegen allbekannt sein, daß, Gott sei's geklagt, die-meisten Seminarien jetzt mehr dem fälschlich aufzefaßten materialen als dem formalen Principe huldigen, ^daß sie mehr die Wortals die Sachkenntniß, mehr unnützes Gevächtnißwerk eintrichtern als gesunde Erkenntniß fördern, daß sie, statt den Seminaristen und angehenden Schullchrer in die Physiologie und Psychologie (Srelenlehre und Menschenkande)- als den vorzüglichsten Hülsswissenschaften der Erziehungskunst einzuführen, demselben blos eine unfruchtbare Schablone, ein dürres, entkräftigendes, nichtfortbildunzsfahiges Wortwissen mitzeben, daß er ewig ablcicrn soll in seiner Schule nächc feststehenden unbegrifscnen und unklaren Vorbildern; — statt sich und seine Schüler immerdar fortzuentwickeln und zu vervollkommcncn, und sein Thun nach klar begriffenen, selbstthätig erfaßten Gedanken und Grundsätzen zu regeln. Die meisten Lehrerbildungsanstalten huldigen mit einem Worte den dem Judenthume durchaus entgegenftehenden reaktionären, stillestehenden, mystisch-pietistischen Grundsätzen einer gegenwärtig vielbeliebten Glanbcnsrichtung, auch in pädagogischen Dingen, statt der fortschreitenden Richtung, welche das Judenthum aller Parteien, in Schulsachen und besonders in der Methode übereinstimmend ringeschlagen hat. CS ist uns somit nicht damit gevimt, wenn an einem christlichen Seminare etwa ein jüdischer Religionslehrer für die specififch jüdischen Facher, angestellt ist; es müßte dieser *) Der württemb. Märzminifter Römer 1813 in einer Rammerrede. denn einen durchgehenden Einfluß auf die jüdischen Seminaristen auch in anderen Schulfächern und auf die gesammte GeisteSrtchtung und Charakterbildung zu äußern im Stande sein, und für diese insbesondere auch womöglich das verderbliche Internat mit dem Externst vertauscht werden. (Fortsetzung folgt.)! ’ Correspondeirz. Aus Baden. Sie haben in diesen Blättern s. Z. von der zu errichtenden Stiftung für bedrängte Lehr;r ohne Unterschied der Confession als ein Denkmal an di^ bürgerl. Gleichstellung der Israeliten in Baden Mtttheilnng gemacht. ES wird gegenwärttg die Collekte dafür im Laude erhoben, und nach den bis jetzt uns gewordenen Mtttheilungen dürfte dieselbe ein günstiges Ergebniß liefern. Indem wir Ihnen angeschlossm den bettest. Aufruf des Comitö's senven •), fügen wir unseren persönlichen Wunsch bei, daß aller Orten seine schönen und herzlichen Worte Würdigung finden und die verehrlichen Urheber dieser schönen Jvee, dieselben nach Wunsch entsprechen sehen möchten. Dem Lehrerstande ist eS nicht nur wohlthuend, vbn Männern der Intelligenz Theilnahme zu erfahren; es wird auf ihn auch ermunternd in,seinem mühevollen Berufe wirken, zu erkennen, daß man opferbereit ist und seinem Verdienste Gerechttgkeit widerfahren läßt. Mit Jntereste erwartet man bei uns das Erscheinen des von den Synagogenräthen zu Karlsruhe und Mannheim zu verfastenden Entwurfes einer jüdischen Kirchenversassung. Wir erwarten, daß der Lehrerstand in Anbetracht feiner Stellung und des wichtigen Zweckes der Sache sich bei den Vorberathungen ernst becheilige, und setzen voraus, daß dies Seitens der Gemeinden gerne gesehen werde. »Denn diese werdendes schon oft erfahren haben, daß wohl der Lehrer in ihrer Mitte auf diesem Gebiete die meiste Erfahrung und das wärmste Jntereste besitzen. Wer kennt die Schul- und CultuSverhältuifse der meisten Landgemeinden und weiß nicht, daß der Lehrer und Vorsänger der Träger und die Seele derselben ist? wie der Gottesdienst fast ausschließlich von denselben geleitet und Anordnungen der Kirchenbehörde größtenthcilS nur durch ihre Mitwirkung Ausführung finden? Es ist dies unsere Erfahrung seit einem Vierteljahrhundert, und wir wünschen nur im Jntereste der Sache und zum Wohle der Gemeinden eine bereitwillige Bctheiligung und allseittge Beiziehung der Lehrer zu den bevorstehenden Versammlungen. Endlich möchten wir hier diejenigen Gemeinden, welche öffentliche Schulen besitzen, die nach dem Erscheinen des Schulgesetzes (1835) constituirt wurden, auf den beschrankenden §. 82 *) Folgt einem der nächsten Blätter.