Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1862-12-15 · 24 (15.12.1862) · p. Seite 187

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
24 (15.12.1862)
Date
1862-12-15
Page
Seite 187 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4896751-5428752-5431164--0402-4897088
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

I — 187 — Bürger der Pfalz Namens ihrer Glaubensgenossen beantragte Abänderung der Art. 4 und 5 der Allcrh. Vcrord. vom 27. Januar 1854, die iSra'el. CultuSgemcinden in oer Pfalz betreffend, zur Zeit nicht eingegangen werden könne." Für den Fall, daß in Folge längeren unveränderten Bestehens der Synagogcn-AuSschüffe oder in Folge der Ergänzung derselben durch die eingeführte Cooptation in einzelnen iSracl. CultuSgemcinden Mißständc sich zeigen sollten, habe die K. Regierung, Kammer des Innern denselben auf dem im Art. 6 *) der Verordnung vorgezeichnetcn Wege cntgcgcnzutrclrn. Vornehmlich sei von Aufsichts wegen darüber zu wachen, daß die Thätigkeit der Synagogen-Ausschüsse auf den ihnen in der Allerhöchsten Verordnung vom 27. Jaguar 1851 angewiesenen Wirkungskreis beschränkt bleibt und bei wichtigen Anordnungen, welche gottesdienstliche und rituelle Fragen berühren, die zuständige BethciliguNz der Bezirks- Rabbiner nicht ausgeschlossen werde. Hiernach haben eie k. Bezirksämter sich zu achten und das Geeignete zu verfügen. Hievon ist dm Vorstanv des Synagogen-Ausjchusses in Landau in Kenytniß zu sehen. Kgl. Regier, der Pfalz (gcz.) Hohe, Schmitt. Erstaunt fragen sich manche Pfälzer Israeliten: Wie ist es möglich, daß in einer so ciujacheu und klaren Sache, ein in bescheidenster Weise vorgctragcncS Pctilium, bei einer wohlwollenden^ KrciSrcgierung, bei der, wie cS hstßt, allscitigen Begutachtung Seitens der BezirkSrahbincr nud BczirtSämtcr von einem anerkannt fre.stnuigcn Ministerium also bejchicoen werden konnte? — Uns scheint die Sache so zu liegen: Sie und Ihre Leser kennen wohl den soll ich sagen, berühmten oder berüchtigten Pfälzer Gesangbuchsstrcit? die Pfälzer Protestanten cnvehrtcn sich mit aller Energie eines kirchlichen Buches, das die ungeheuere Mehrzahl als nach Sprache und Inhalt veraltet erklärt. Nach langem Kampfe gab man nach. Jetzt strebt die protestantische Kirche der Pfalz mit aller Macht dahin, sich eine freiere Verfassung zu geben. Denn siche da! gerade was den Israeliten der Pfalz drückend erscheint: sich die freie Wahl ihrer kirchlichen Vorstände entzogen zu sehen, genau dasselbe drückt auch die Protestanten. Die Gemeinten haben das Recht der freien Wahl nicht und die Presbyterien ergänzen sich fortzeugcnd aus sich selbst, genau wie die Synagogen Ausschüsse. Dem Andringen,dcr Pfälzer widersteht bis jetzt noch — nicht eben die Staatsregicrung, wohl aber eine mächtige Partei, die von einer freien Bewegung *) Art. 6 lautet: „'Die KrnZregierung kann den Snnagogen-Ausschuß ganz auflösen und dessen vollständige Ernennung in der durch Art. 6 bestimmten oben bezstchneten Weise anorbncn." der Kirchenglicder, ich weiß nicht welch' große« Unheil fürchtet. So lange eS nun een Protestanten verweigert ist, ihre KircheUoorstände frei selbst zu wählen, so lange darf wohl der Israelit nicht hoffen, daß man ihn bevorzuge und ihm einMecht zugestehc, daö der Christ nicht hat. — Hierin scheint der Grund des abschläglichen Bescheides zu liegen und an eine Abhülfc nicht zu denken, so lange dic^e Zustände fortdaucru Werden wir nicht von kirchlicher und politischer Reaction überrascht, so siegen die Pfälzer Pro--, teltanten ganz sicher in dem begonnenen Kampfe. Und hat man ihnen die freie Wahl ihrer Kirchenvorstänvc einmal zugcstandc», so dürfen wir nicht zweifeln, daß man sodann auch den billigen Wünschen der Israeliten gerecht werden wiro! Also — Geduld! Ans der Pfalz. DaS Eine unserer Pfälzischen politischen Blätter, der „Pfälzische Kurier," der in der Lache dcS Fortschritt« recht wacker zu uns steht, bringt in dem nachfolgenden Cocrespondenzartikel einen für das Pfälzer Jubcuthum sehr wichtigen ^Gegenstand zur Sprache. Der Artikel lautet: „Aus der Ebene, 17. Rov. Durch den Umzug de» Herrn Rabbiners Scliginarn von ^kaiserslantern nach Kirchheimbolanden ist im Religionsunterrichte der iSraclit. Zöglinge am kgl. Schullchrerscminarc zu Kaiserslautern eine unangenehme -Unterbrechung ciugctrrlen. Diesem Uebelstandc'wäre vorderhand abgcholfcn gewesen, wenn der iSr. Lehrer, Herr Walz, de» Unterricht provisorisch übernommen hätte; allein dies wurde abgclchnt. — Daß nunmehr aber die iSracl Zöglinge, ohne jede Vorbereitung für ihren künftigen iSracl. Lchrerbcruf sind, ist sehr zu bedauern und Hilfe ist schnell nöthig. Der kgl. Scminarinspcctor, mit welchem Schreiber dieses sprach, wünscht sehr, daß diese Lücke in Bälde ausgcsüllt werde, und Ich versprach, mein Möglichstes zu thun. Meine Ansicht wäre: Das von den Israeliten der Pfalz gewählte vcrchrliche Comit« trete in möglichster Bälde zusammen und suche seinen früher in dieser wichtigen Angelegenheit ausgestellten Plan zu rcalisiren. Ob auch nur Einer in der Pfalz wäre, der gegen einen RabbinatSbcischlag von einigen Procentcn für einen eigens aufgcstclltcn Lehrer spräche, ist zu bezweifeln. Auch wird die Cnltuögcmcinde Kaiserslautern unter Bedingungen ihren Beitrag ganz sicher leisten. Wie viel für.Kräftigung und Hebung dcS iSracl. Schulwesens gewonnen würde, wenn diese wichtige Angelegenheit gehörig geordnet werden könnte, weiß iyvhl Jeder. Auf denn, geehrte Herren! Zeigt Euch Eures geschenkten Vertrauens würdig und beweiset cS durch die That, daß Erich heilig die Lehrcrfraze, daß Euch lieb der pfälzische israelitische Lehrcmland." Die Herren vom Ausschüsse müssen sich wohl sehr ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.