Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 24 (15.12.1862)
- Date
- 1862-12-15
- Page
- Seite 188 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4896751-5428752-5431164--0403-4897089- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 188 ehrt fühlen, wenn man in so «richtiger Sache an sie rceurirt und von ihnen Abhilfe erwartet. Wir möchten auch dafür einftehen, daß wenn guter Wille die Stelle helfender That vertreten könnte, auch schon geholfen wäre. Es scheint sicher, daß kgl. Regierung »ine Verpflichtung zur Erlhcilung dieses^Unterrichts vorerst nicht anerkennt. So müssen allerdings die Israeliten der Pfalz dafür sorgen, sofern sie sich nicht der Gefahr aussetzen wollen, in staher Zukunft Lehrer zu erhalten, die in der hebr. Sprache und in der jüdischen Relegionslehre gar nichts oder nur Ungenügendes zu leisten vermögen. Wir zweifeln auch mit dem wohlmeinenden Einsender leinen Augenblick daran, daß die Pfälzer Israeliten, welche den stützen und die Wichtigkeit ihrer Schulen auö der Erfahrung .fcnneu gelernt haben, vollkommen geneigt sind,, sich zu diesem Behuse zu besteuern und für einen tüchtigen Religionsunterricht (nebst dem was damit zufammcnhängt) sogar namhafte Opfer zu bringen. Aber, meint der-geehrte (uns übrigens völlig unbekannte) Correspondent des „Kuriers," daSCoMitö sollte seinen Plan realisircn, d. h-zier Lösung der, „Lchrerbilbungsfraze" gewisse Beischläge zu den Räbbinals-BudgetS genehmigen und erheben lafsiu? Aber weiß denn der Einsender nicht, daß dieser Plan kgl. Regierung vorlicgt.und bis zum Augenblicke noch der. Derbrschcidung entgrgcnharrt? Ist hier in Wirklichkeit etwas zu thun möglich, bevor ein Bescheid ergangen? Und wenn, wie eswahrscheinlich ist, die Eingabe des Ausschusics von kgl. Regierung dem Ministerium vorgclegt-wurde, und von Höchster Stelle, wie bei den bescheidenen Wünschen in Bezug auf die Synagogcn-Ausschuß-Wahl, eine abschlägliche Antwort herabgclanzt — wie dann?!... Der Herr Einsender wird zugrstehen, daß sich die Sache nicht so brevi manu, wie er es sich zu denken scheint, abmachen läßt, und daß namentlich den Ausschuß ein Vorwurf der Saumseligkeit ooer tlijchlbcachtung der allgemeinen Interessen bis jetzt nicht""treffen kann. — Dankbar aber müssen wir demselben dafür sein, daß er einen so wichtigen Gegenstand öffentlich zur Sprache bringt und hoffen wollen wir, daß in einer Zeit, wo man die Religiösität so betont, wo selbst S. Maj. der König von Ppcußen sich über Abnahme derselben so sehr beklagt, man allseits gerne.bereit srin wird, für den Religionsunterricht der Lehrer des Volkes die Mittel beschaffen zu helfen!-- Umschau. I>r. Gotthold Saloniorrin Hamburg, der Nestor und das Vorbild der neueren israelitischen Kauzelredncr Deutsch lands, ist im Aiter von 73 Jahren gestorben. — Die „Opinion nationale" hatte gemeldet, der Vetter de» Papstes Pins IX., Cardinal Mattei, Bischof von Belle tri e, habe aus seinem Sprengel alle Juden auSgetriebcn; da kam das clericale Blatt „Le Monde" und leugnete die Sache mit dem Zusatze, „es gebe in VcUctrie gar keine Juden." Tie „Opinion natinnalc" kommt jetzt auf den Vorfall zurück. Danach stellt sieb derselbe so heraus: In Velletrie wie in Civita-wodnt allerdings nur eine jüdische Famlie, welche, durch ein altes Dekret die Erlaubniß hat, dort zu wohnen; diese blub in Velletric verschont. Aber seit 1849 hatten sich unter den Äugen der Franzosen mehrere jüdische Familien in der Diöc.sc Velletrie niedergelassen, und eine noch ansehnlichere Anzahl jüdischer Kleinhändler aus Rom fand sich dort ein, um die Märkte zu beziehen. Dle „Opinion nationale" „erklärt nun bestimmter als je," daß sämmtliche Juden, mit Ausnahme der in Folge eines alten Dekretes in Vcllctri geduldeten, durch rrn Dekret des Cardinal» Mattei aus Lern Z prengel auSgcwicfen und allen israelirischcn Händlern das Beziehen von Jahrmärkten in der Diöccsc verboten ward. Die „Opinion" setzt hinzu, man habe lange gezögert, Berufung an die öffentliche Meinung einzulegen, weil man gehofft habe, der Papst werde daö Dekret rückgängig machen, wenn die Sache ohne Aussehen betrieben werde; „durch ein authentisches und officiclles Schreiben vom 18. November, das ihr, der Rcoaction der „Opinion" mitgetheilt worden, werde jedoch erhärtet, daß alle Versuche zur Ausgleichung gescheitert seien, daS Dekret in aller Strenge aufrecht erhalten werde und die Lage der unglücklichen Vertriebenen Beistand erheische." Lehrervacanzenliste. Einmalige Ausnahme 18 kr. — 5 Sgr. An der hiesigen israelitischen Schule ist eine mit gutem Jahrcsg halte verbundene Lehrer stelle offen. Bewerber um dieselbe, welche ihre Lehrbefähigung im Hebräischen und Deutschen Nachweisen können, wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse in frankirten Zuschriften wenden an A TKotfsde,uier, Vorstand der isracliiischcn. Schule in München. Erledigt ist: ' Die Rctigionelchrcr- 'und Vorbeterstelle zu Nieber-Olm bei Mainz. Gestalt LUU fl., nebst freier Wohnung, Heizung und Nebenverdiensten. 2r n unsere vj« itarbeiter! Wir halten (der Raumersparniß wegen) Titel und Jnbaltsverjeickniß für unnötbiz. — Wir bittin unsere säinmtlichen Freunde und Korrespondenten dringend um Nachficht, wenn wir ibnen bisher weder schreiben , noch ihre Arbeiten so schnell als erwünscht, ausnehmen konnten. Bei dem großen Andrang kleiner unabweisbarer Artikel in den letzten Wochen war rin Durchtringen für mich fast unmöglich. Es wird jetzt mehr Raum geben, da verschiedenes kleiner gedruckt wird, und soll Alles an die Reibe kommen. Auch bitten wir darum in der Einsendung nicht nachzulassen. Erwünscht find besonders tüchtige pädagogische Leitartikel, — Allen freundlichen Gruß, und' l offen wir, daß das neue Jabr dem Israel. Lehrerrecht viel Abonnencen bringt, und ihn „im Fahrwasser" erhallen wird. ' n2*0 sN' Vll Klingenstein. Peranlwcitlilier Redakteur: I. Klingenstein in Ldcrnheim in Rbeinbeffen; Selbstverlag der Ridaktion. Für den Buchbandelr in Eommisfion bei E. L. Fritz sch e in Leipzig. — Druck von I. Gotts leben in Mainz.