Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 24 (15.12.1862)
- Date
- 1862-12-15
- Page
- Seite 185 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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185 Vorrufe zur Thora hat jeder einige Verse auS dem Sepher laut vorzulrfcn und so erspare ich es, in den oberen Klassen eigene Lescübungcn anzustellcn. St rauh von Obermoschel: Das Lesen in der Ober- Nasse auch unserer Shulen braucht nicht rigends betrieben zu werden und läßt sich mit dem Uebersetzen der Gebete und des Pentateuchs verbinden. Strauß von Grünstadt: Ich setze die eigentlichen Leseübungcn au 4 in den Oberklassen fort, bis sie die Haupt» stellen der Tefillah fast ganz auswendig können. Salomon von Rülzheim: Ich habe nur eine Ober- Nasse zu unterrichten, finde aber, daß auch in dieser Klafic eigentliche Lcseübungcn sehr nothwcntig sind. Die Versammlung spricht sich dahin ans: „DaSHcbr.- „Lesen hat so früh als möglich und thunlich, nach „den ersten Denk- und Sprechübungen, zu beginnen „und ist bis zu Ende der Schulpflichtigkeit zu üben." 2) Daö jüdisch-deutsch Lesen, t Es wirs ohne DiScufsion ausgesprochen: „Dasselbe ist so leicht, daß eS besonderer Unterrichtsstunden nicht bedarf; keinesfalls ist dasselbe ans der untersten Stufe schon zu beginnen." 3) Uebersctzung der Gebete. W c i n l ä n d c r von Eßlingen: Wir sind hier bei cmcni sehr wichtigen Gegenstände anzclangt, der unsere gdnze Aufmerksamkeit und Thätigkeit in Anspruch nimmt. Er kann nach meiner Ansicht als Vorübung schon früh begonnen werden, indem man tum Schüler die „Stgcnssprüchc," die er schon von Hause aus kennt oder leicht lernt, verstehen lehrt. Erst wenn die Schwierigkeit des Lesens überwunden ist, schreiten nnr zur Uebersctzung der täglichen Gebete. Ueberblicken wir aber die so bedeutende Masse derselben, so drängt sich ganz von selbst die Ncthwendigkcit einer Auswahl und Stufenfolge auf, denn das Ganze zu bewältigen, dazu reichen Zeit und Kräfte des Lehrers und Schülers sicher nicht ans. Also wie weit suchen wir cS zu bringen? welche Gebete.und in welcher Stufenfolge übersetzen wir? Nun, meine Freunde, ich glaube wir thun hin-, 'länglich das Unserige, wenn wir mit öorehu, womit bekanntlich in uralten Zeiten das Gebet eigentlich erst anfing, beginnen und bis nach Schemona esreh im WochcnzottcSdienstc fortfahrcn. Unterzgünstigen Umständen sollen dann auch sämmtliche „Schemona esreh“ — von Sabbath und Feiertagen — vor.,enommen werden. Rabb. Merz: Damit bin ich einverstanden, wünsche aber, daß man — aber nnr eventuell und fakultativ — die kirhe ahoth zufügc. Wcinländer ausEsstngen: Nein! Dagegen muß i mich verwahren, denn nach meiner Erfahrung werden gera hierin große Mißgriffe begangen. Einen so herrlichen Schatz von "ethischen Wahrheiten und Grundsätzen wir darin haben, so enthalten sie doch auch wieder Vieles, über dessen llebersetzung und Erklärung die gewichtigsirn Autoritäten nicht einig werden können und dessen Hrrcinziehen in die Schule, wenn cs dem Schüler zum Verständiß gebracht werden soll, viel zu viel Z it in Anspruch nehmen würde. Der Schriftführer: Auch ich bin sür eine gehörige Beschränkung und gegen alles Uebermaß, allein ich bin doch der Meinung, daß das Verständniß aller Gebete erzielt werden kann, wenn die Schüler die Schule ganz absolviren, biö z»m 13. Jahre darin verbleiben. Salomon von Rülzheim: Wenigstens wäre ich dafür, daß das Tiscl'gebet und das Rachtgcbct noch in den 'Kreis gezogen werde (Fragen: Das Ganze?) — oder doch einzelne Theile, die Anfänge derselben. Rabb. Merz: Vorzüglich wünschte ich, deö wichtigen und bcherzigcnSwcrthen Inhalts wegen daS Lehen,nua esreh von ReujaHrStag und das Abendgebet vom Sabbath. Stern von LudwigShafcn: Jeder von uns wird ein ' anderes Stück im Gebetduche haben, auf, das er besonderen Werth legt und wenn wir jeden solchen Wunsch berücksichtigen wollen, so bekommen wir wieder die ganze Tcfilla. G rü ne w a l d von Edesheim: Und bedenken Sie, rstcine Freunde, wie schnell da§f Gelernte nach einiger Zeit wieder vergeffen wird, wie oft wir darauf zurückkommcn müssen, wenn es zum unverlierbarem geistigen Eigcnthum des Schülers werden soll. Auch ich glaube daher, daß das von Herrn Weinländcr Geforderte vollkommen genug ist Hecht von Haßloch: Wie schön ist Aschre imb Hal- | leluja — aber cS ist ja Lanz unmöglich, alles Schöne ' durchzunchmcn. Cohn von Deidesheim: Ich finde das Wochen-Lctheinonu-esreh für Mädchen nicht nothwendig; sie komnen an den Wochentagen g r nicht zur Synagoge. K l i n g c n st c i n von Odcrnhcim: Hazzur tanim, das Gebet bei Begräbnissen dünkt mir vor allen unumgänglich. Der Vorsitzende: Die Äfussaph-Schemona-e3reh enthalt!» großen TheilS Abhandlungen über Opfer und sind also nach unseren heutigen Begriffen nichts weniger als Gebete. Vom Vorsitzenden befragt, erklärt die Versammlung: „Das Uebersetzen der Gebete ist mit dem Larbhu „zu beginnen und bis nach Lehemoua-esreh fvrt- „zusetzcn; ist dieses woül geübt, so sind die Sahe- „mona-esreh der Feiertage zu berücksichtigen." Bemerkung der Redaktion. E« war nickt vorauozusepen, daß dieser Bericht nickt ganz melir in diese Nummer ausgenommen ioerden könnte, und sind wir dcol-alb zu unserem Bedauern genöthigt, den Rest im neuen Jahre fortzusetzen; werden aber ein kurzes Resume d^s Hisht^igen der Fortsetzung vvrangeben lassen. Die Redaktion des isrark. Lehrer. f