Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 24 (15.12.1862)
- Date
- 1862-12-15
- Page
- Seite 184 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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184 fcaö Maß, das Ziel bei jedem derselben. Wir beginnen mit dem 1) Hebräisch-Lesen. Der Schriftführer: DaS Maß und Ziel in diesem Gegenstände ist leicht festzustellen: vollkommene Fertigkeit, schwieriger gestaltet sich hier die Frage: wann soll damit begonnen werden? Manche Lehrer beginnen damit schon im irrsten, manche erst im zweiten Schuljahre, ich wäre her ersteren Ansicht! Rabbiner Merz: Ich habe in manchen Gemeinden einen Kampf zu entscheiden, wo die Lehrer mit dem Unterincht im Dcutschlesen beginnen; ich halte cs dcßhalb. ifür wünschenswerth, beides zusammen anzufangen; eS kommt Nachher nicht aber auf die sehr raschen Fortschritte an, es ist für die meisten Eltern eine Beruhigung, wenn nur der Anfang darin gemacht ist. Salomon aus Rülzheim:. Eine 1846 im Bezirk Landau abgehaltene Lehrer-Eonferenz hat sich dafür ansgesprochen, das Hcbräisch-Lcseu erst dann zu beginnen, wenn das Kind die Schwierigkeiten des Deutschlesens überwunden hat. Cohn aus Deidesheim: Ich bin dafür, daß beides gleichz-iug begonnen werde. Knaben wie Mädchen verkästen jetzt oft sehr frühzeitig die Volksschule, um in Institute über- , zutreten, wo dann der bebr. Unterricht nur noch als Nebeu- ■ sachr betrieben wird.- Fangen wir nun nicht sehr frühzeitig an, so lehrt die Erfahrung, daß die Kinder nie fertig lesen lernen. Frank aus Landau-: Ich.glaube, daß man cö dem einzelnen Lehrer, je nach obivaltenden'Verhältnissen, überlasten kann, mit welchem Lesen früher oder später begonnen werde. Weiuländer von Estingen: Bei dem heutigen Standpunkte der Methodik ist dieser Gegenstand so leicht. In etwa sechs Wochen lehrk ein methodisch verfahrender Lehrer das Derrtschlesen — gewiß, meine Herren! — und kann der Scbülcr dies, sa lernt er in . 10 bis 12 Tagen das Hebräisch-Lesen. halte, beides zusammen zu beginnen; die technischen Schwierigkeiten müsten früh uud schnell überwunden werden. Sternberger aus Reulciiingrn: Ich habe früher mit Hebräisch-Lesen den Unterricht angefangen; jetzt fange ich weder mit dem Dentschnoch Hebräisch-Lesen an; das Kind muß erst sprechen und denken lernen: Sprech- und Denkübungen sind das erste was voraenommen werden muß. Der Vorsitzende will die Discussion schließen und hält sie zur Fragestellung' reif. Klingenstein von Odernheim: Der Gegenstand ist noch nicht erschöpft; er wurde bisher bloS von der praktischen Seite aus betrachtet; Sie müsten ihn auch vom Gesichtspunkte einer fortgeschrittene Pädagogik betrachten und diese fordert, daß der Schüler nur lese, wann und was er versteht. So müsten unsere Zöglinge erst denken, hierauf deutsch lesen lernen und daS Hebräische muß warten, bis der Lehrer ihnen das Dcrständniß des zu Lesenden erschließen kann. Der Vorsitzende: Der Vorredner hat sich als tüchtiger Pädagog bewährt, und hat namentlich auch diesen Gegenstand gründlich durchdacht, wie sein darüber geschriebenes Werkchen beweist-, Aber abgesehen davon, daß der vorliegende Gegenstand noch einen anderen Gesichtspunkt zuläßt, muß ich die Redner darauf aufm.rksam machen, daß . es sich in unseren heutigen Discussionen nur davon handeln kann: was und wieviel gelehrt werden soll. Wollen wir auch das Wie, die Methode heranzichcn, sokommen wir sicher heute zu gar keinem Abschluß. Lassen Sic unö den letzten Punkt auf die nächste Coufcrenz verschieben und halten Sie sich für heute sehr streng an Elfterem. Rab.-Can'd. Scligmann: DaS Lesen ist so lange zu üben, bis das Liturgische, daS zum täglichen Gebete gehörende ganz auswendig behandeln werde; bei den wichtigeren Thcilen, den Segenssprüchcn und dem Schema, ist die Uebersetzung damit zu verbinden; darum muß schon in der Mitte oder am Ende dcS e rst e n Schuljahrs damit begonnen werden. Rabbiner Merz: Was in früher Jugend gelernt Der Schriftführer: Meine Herren, ich muß dem; College» Weiuländer das Zeugniß geben, daß ich, der diese I Erfolge auch Anfangs beztveifelte, mich durch eigene Erfahrung überzeugte, daß man nach feiner Methode und durch die praktische Anwendung des Setzkastens, wie er ihn i handhabt, einen Schüler in der angegebenen Zeit das Lesen 1 lehren kann Grünewald^von Edesheim: 'Auch ich stimme mit! Weinländer überein, erst deutsch, dann hebräisch lesen zu!' lchren, dann aber, so lange die Schulzeit dauert, beides zuj gleich fort und fort wieder zu übeil.! Stern von Luvwigshafcn: ES ist dieser Gegenstand so einfach, daß ich nach meiner Erfahrung, fS für das Beste wird, das b.'eibt: darum soll die Tefillah (das Gebetbuch) auch deS Kindes erstes Buch sein. Schloß in Speyer: WaS würden auch die meisten israel. Eltern dazu sagen, wenn ein Kind ein ganzes Jahr in die Schule geht uud nicht „0reu" (hebräisch leseil und beten) lernt. Singer in Frankcnthal: Das ist auch meine Erfahrung , und ich halte cS daher für ein nothwendigrS Uebel mit dem Hebr.-Lesen sehr frühe anznfangen. Der Vorsitzende: Und wie länge damit fortzufahren? Ist es auch in den Oberttasten noch nöthig? Ich halte einen israel. Gottesdienst in meiner Anstalt ab, jeder der Zöglinge betet; nach der Reihe ein Stück laut vor, reim