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Der israelitische Lehrer · 1862-12-15 · 24 (15.12.1862) · p. Seite 183

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
24 (15.12.1862)
Date
1862-12-15
Page
Seite 183 (sequence 3)
Language
German
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183 selben durch Aufnahme unter die Zahl der Lchrgegenstände immer mehr Eingang zu verschaffen. Strauß von Obermoschel: Es darf für uns keinen Grund der Ausschließung geben, daß manche Gemeinden eS nicht > wünschen Wir müssen bedenken, wie notl,wendig der Gesang für einen geregelten Gottesdienst ist, und da wir diesen als eines unserer schönsten Ziele im Auge behalten müssen, so bleibt auch der Unterricht im gottesdienstlichen Gesang eine Nothwendigkcit. Schloß in Spevcr: Damit kann ich nicht cinstimmcn; mit einem solchen Untcrncht bürden wir uns eine Last auf, der wir' nur ausnahmsweise gewachsen wären. Trauen Sie meiner Erfahrung, der Chorgcsang in der Synagoge ist für die Schule außerortentlrch schwierig; im Anfang macht sich die Sache leicht, findet als etwas Neues auch Anklang; aber die Unannehmlichkeiten für den Lehrer bleiben nicht aus sind häufen sich mehr und mehr. In kleinen Gemeinden fchlt'S an der'durchaus nöthigcn Besetzung, und größere haben die Mittel, eigene Vorsänger und Chorführer anzuftcllcn. Stern von Ludwigsl afen: Aber was hindert uns, Unisono singen zu lassen? Ist daS nicht hübsch und erhebend — namentlich da, wo eine Orgel bereits eingesührt ist? Ealomon von Rülzheim: Wo dir Gemeinden den Chorgcsang nicht wünschen, muß er wcgbleiben und wo er gewünscht wird, da sollen die Gemeinden die große Mühe, die damit verknüpft ist, besonders houoriren. Der Schriftführer: Ich bleibe dabei, diesen Gegenstand alö obligatorisch in den Schulplan aufzunehmen; wir müssen dahin streben und cs wird uns bei einiger Klugheit und Energie auch fast überall gelingen, das Unisono, den Choral, in Schule und Synagoge einzuführen. Frank von Landau: Wir würden uns ein ArmuthSzeugniß auSstcllcn, wollten wir dieses mächtige Bildungsmittel für Gemüth und Herz unserer Schüler auS der Schule verbannen. Rabbinats-Candidat Seligmann aus Landau: Ich frage mich immer wieder: was gehört zum jüdischen Religionsunterrichte? Und da finde ich, daß der Gesang viel nothwcndiger dahin gehört, als selbst hebr. Lesen *) ober Schreiben. Ein schöner religiöser Gesang ist eine unumgängliche Nothwcndigkeit für den Goltcödienft der Zukunft, den wir im Auge haben müssen. Und gerade je mehr die Gemeinden dagegen wären, desto mehr müßten wir im Bewußtsein unserer Pflicht dafür sein. Gedenken Sie des Mannes, dem wir den Grundstein zur heutigen Bildung im Zudenthum verdanken, des edlen MendeSfvhn. Je mehr er in seinen hohen Bestrebungen von den Juden ')e»n wobl heißen jüd.-deuisch Lesen? Kl. angefcindct wurde, desto uiehr erkannte er gerade darin (?) die Nothwcndigkeit darauf zu scher syrtznfahrcn. Die Der Vorsitzende: daß der Gesangunlerricht beharren und nur um so energi- Last wird für den Lehrer keine große sein; er schreibt d!en Choral an die Tafel und übt ihn recht ein; es'kommt ja nicht auf das Diele an. Vergessen wir nicht, meine Herren, zu den obligatorischen Lchrgcgcnftanden der Elementarschule, gehört. Unterricht im Singen i müssen Sie crtheilcn und so sehe ich gar nicht ein, warum ' Sic bei der AuSwabl der Gesäuge nicht auch auf religiöse Lieder oder Verse Rücksicht nehmen wollen; ich halte dies! für sehr wünschenswerth und der Choral — unisono ge-I suirgen — ist in seiner E nfachheit nicht schwielig und hat/ nach meiner Ansicht , auh großen Werth für die religiöse und GcmüthSbildung der Schüler. Die Einführung in der Synagoge ist ein Anderes, worüber wir uns hier nicht schlüssig zu machen Haber . Stcrnberg von iieulciniugcn: Ich stelle mich au^ den Standpunkt der Erahrstng. Die Gemeinden findest Anfangs vielen Geschmcck an dem Gesang, und widi men demselben ihre Thcilnahmc; allmälig vermindert sich dies, dem Einen fehlt die Zeit, dem Andern der Wille, und am Ende muß der Lehrer die Sache fallen lassen; da.ist eS gewiß bester, .mindestens in kleinen Gemeinden, damit gar nicht 'anzufangen. Strauß von Grünstadt: Und Lrößcrc Gemeinden haben die Mittel, einen e igenen Chorführer anzustcllen, dm ist es also gewiß nicht S »che des Lehrers. Und eine Menge Gemeinden gibt es, die 'o furchtbar orthodox sind, daß sie schon darum gegen den Chorge^ang sind.! Rabbiner Merz^ Der Cborgesang ist eine recht schöne Sache, meine Herrn, allein er gehört in die Synagoge und nicht in unsere Schulen; er ist hier wünschenfwerth, allein wir haben ocS Nothwendigen so viel, daß wjr nnS möglichst beschränken müsten. j Die Versammlung spricht, auf die Frage deS Vorsitzenden, ihre Ansicht dahin «ns: I „Der gottesdienstliche Gesang ist kein obligatorischer Lchrgegenstaild der israel. Schule, aber „eS ist wünschend verth, daß derselbe beim Gesaim- „unterricht möglichst berücksichtigt werde.^ Walz auS Kaiserslautern: Und dabei möchte ich dm Herren Collezen die im Hause und in der Synagoge altherkömmlichen Melodien recht an'S Herz legen; es wäre sehr zu bedauern, wenn sie ganz in Vergessenheit kämen. *) Der Vorsitzende: Somit hätten wir die Zahl ter Lehrgegenstände festgestellt und ich gebe nun das Wort über •) Unser Freund Westieim will, sie sammeln. Das Nähere müsen wir leider auch auf später verschieben. K.!

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