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Der israelitische Lehrer · 1862-12-01 · 23 (1.12.1862) · p. Seite 177

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
23 (1.12.1862)
Date
1862-12-01
Page
Seite 177 (sequence 5)
Language
German
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177 Schloß von Speyer: Die Kinder, welche Lust dazu haben, erlernen die Quadratschrift ganz von selbst ohne Zuthun des Lehrers, und die sie nicht lernen, verlieren wohl nicht viel daran. Nabbinats-Caudidat Seligmann aus Landau: Ich bin dafür, daß Sie das jüdisch deutsche Schreiben aus Ihrem Lehrplan streichen; wer c? lernen will, mag eS; allein eS gehört nicht zum Religionsunterricht, wovon allein eS sich hier handeln kann.I Der Schriftführer: Allerdings ist das jüdischdeutsche Schreiben kein intcgrirenver Thcil des Religionsunterrichts; allein darauf kommt cs auch gar nicht an. Wir müssen eS in der jüdischen Schule treiben aus Pietät gegen die Alten;-denn in jeder iöracl. Familie findet sich zur Zeit noch ein alter Großvater oder eine Großmutter, die des deutschen Schreibens unkundig sind. Klinge »stein: Wenn wir die Pietät als maßgebend betrachten wollen, so müssen wir uns auch für das Malkorh-Schlagen und für mancherlei herkömmlichen Mißbrauch anüsprcchcn. Geben wir je-och bei Bcnrtheilnng der Sache vom pädagogischen Standpunkt aus: Sie treiben wohl Alle die Schrriblcfcmelhodc beim deutschen Unterricht; wenden wir di selbe auf daS Hebräische an, sc wird eS nothwendig, die ists.schülcr mit dem Nachmalen der Buchstaben zu bcsü'ästigcri und sie haben dann in cinfach.r, leichter, nicht zcilranbendcr, sondern Zeit au<füllender Weise den Slt'rcibunterricl't auch für die Quadratschrist. N a b. - C a n d. Seligmann: Ich bin nur aus Gründen der Logik dafür, das hebräisch deutsch Schreiben hier wegznlass.n; principicll bin ick mit Ihnen einverstanden und wünsche dies schon deshalb, weil sich der hebr. Sprachunterricht ohne dasselbe nicht gut betreiben ließe. Wernländer! von Esstngcn: Gerade aus diesem Grunde halte ich die Quadratschrift für nöthig. Rehmen wir nur ei neu wichtigen Punkt heraus: Wir müssen doch z. B. die Snffixi vorzeichnen, der Schüler muß lernen, sic den Hanpt- und Zeitwörtern selbst anzuhängen; schon dazu ist einige Ucbnng in dieser Schrift nothwendig. ' Rabbiner Merz von Türthenn: Stellen wir uns auf den «.tandpnnkt der Erfahrung. Mit aller unserer Mühe bringen wir keine großen Sprachkenner im Hebräischen hervor; lehren wir nnsirc Knaben die Verba, daran haben sic gcung und dazu können wir auch ohne Quadratjchrift gelangen; ich halte sic nicht für nöt.ig. Der Borsrtzendc: Lassen Sic mich vor Allem, bevor wir zur Abstimmung schreiten, Eins coirstatiren, meine Herren! Wir wissen cs Alle, was wir hier fcstsetzen, worüber wir unS hier cinigai oder auch nicht einigen, wir haben keine Macht, eS als allgemein gültig hinzust.llen, es einzuführen oder abzuschasien. Und doch werden unsere1 Berathungcn und Beschlüsse eine gewisse Geltung und Wichtigkeit nicht entbehren. Vorerst klären wir uns durch die Debatten selbst auf und dann werden unsere Aussprüche^ von den besten Absichten und von gemachten Erfahrungen I dictirt, gewiß nicht ohne geeignete Berücksichtigung von Seiten der Rabbiner und Schulbehörden bleiben. Ich möchte damit die Versammlung vor etwaigen Mißverständnissen wahren, so wie andererseits vor dem geäußerten Zweifeln die Beschlüsse seien doch ohne praktischen Werth. — Zur - Sache selbst erlauben Sie niir die einfache Frage: Warum . bilden unsere ieracl. Gemeinden unter so großen Opfern eigene iSrael. Schulen? Doch wohl, weil die allgemeinen Schulen nicht allein ihren Bedürfnissen im Zugcnduntcrj richt entsprechen. Run, sehen Sie, ist ebenfalls das jüdisch^ Schreiben eines dieser Bedürfnisse und verdient unsere Berücksichtigung; ein Gleiches wird sich aber von der Quadratschrift nicht sagen lassen. Frank von Landau: Mir scheint das Resultat unserer Bcrathnng in Folgendem zu bestehen: Das hebräisch-deutsche Schreiben ist, obgleich eö nicht znm Religionsunterricht gehört, heutzutage noch ein wüuschenSwcrthcr Gegenstand der isracl. Schule, und zwar aus Pietät*), die Quadratschrift kann in der Schule nicht verlangt werden und bleibt dem Ermessen des einzelnen Lehrers überlassen. > Der Vorsitzende: Ich frage ,die Versammlung: j 1) Erklärt sic daö jüdisch-deutsche Schreiben für einen noth- ' wendigen Gegenstand der eSracl. Schulender nicht? Wird int starker Ääjorikät bejaht.! 2)- Ist die Quadratschrift als obligatorischer Lchrgegen- | stand in den Schulplan aufzunchmen? i Wird mit überwiegender Mehrheit verneint. > . (Fortsetzung folgt.) . j Reeenfionen. I 1) Dr. M. A. Lcvv, die biblische Geschichte nach dem! Worte der heiligen Schrift. BrcSlau, Verlag der! Schlettcr'jchcn Buchhandlung (H. Skutsch) 1862. Preis 10 Sgr. ' Diese sehr reichhaltige und billige biblische Geschichte! (240 Seiten 8") empfiehlt sich sehr denjenigen Lehrern, welche , die biblische Geschichte, „nach dem Worte der heil. Schrijt" , erzählen. Sic schließt sich diesem Worte fast zu ängstlich ») Wir könnten also das sogen, jüdisch-deutsch« Schreiben mit! »inen, in der parlamentarischen Praxis bei Budgetberatbungen oft gej brauchten Ausdruck als „künftig wegfallend" bezeichnen. Die Besprechung! über die Gegenstände, welche in der Schule betrieben w.rden sollen, sind, bildlich ginommen, auch Budgetberathungen der Schule, bei welchen drei Faktoren — Zeit, Bctürfniß und jkrastbildungsfäbigkcit (formales I Prinzip) vorzüglich Berücksichtigung verdienen. (!) leb.

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