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Der israelitische Lehrer · 1862-12-01 · 23 (1.12.1862) · p. Seite 174

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
23 (1.12.1862)
Date
1862-12-01
Page
Seite 174 (sequence 2)
Language
German
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174 jüdischen Schulen. die Ideen der rationellen Pädagogik ihren vollen und freiesten Ausdruck finden könne Wenn wir jedoch so manche von uns selbst gemachte Erfahrungen mit so' manchsm, was nnS Freunde und strebende Genossen geschrieben haben, zusammenhaktein dürsten wir trotz jener erfreulichen Erscheinung zweifeln/ ob die rechte Collegialität. allüberall Platz gegriffen Han Wir wollen stilleschweigen davon,, daß dix Lehrer inJ großen Städten und Gemeinden mit wenigen Ausnahmen sich besser dünken als ihre Collegen „vom Lande und in kleinen Gemeinden" und für das jüdische Schulwesen Sinn und Wille verloren haben; /können wir ja selbst die Wahrnehmung nicht zurückhaltcn, daß,, oft der Elementarlehrcr idcn Rcligionslchrer mit Verachtung anblickt, weil .ein/glückliches Ungefähr ihn bester gestellt hat v und daß knshesvnderc und merkwüreiger Weise in den Ländern, in welchen mrs jüdische Schulwesen als östcntliches dem christlichen gleichgestellt ist — die Pfalz natürlich ausgenommen —. sich die Lehrer von der Gcsamlnthcit der übrigen deutschen Lehrerwelt ferne halten. Welche Verkehrtheit! Bildung, Intelligenz, Hebung des Judenthums und seiner Schule sind keine Sachen, dlc sich durch Grenzen und Schlagbäume, absperren lasten, und wenn in Württemberg oder Baden, in Preußen oder in Mecklenburg dies« Verhältnisse im Allgemeinen sich heben oder zurückgchen, so haben an dieser'Förderung ocer an diesem Rückschritt nicht allein die unmittelbar Benachbarten, sondern auch die Entfernteren ihren Thcil, insbesondere, wenn ein vermittelndes Organ die sich räumlich entfernten Gegenden einigt hindern ja heutzutage auch Lehrer des einen der „deutscven Vaterländer? recht gerne in anderen Untcrkcmmen finden, wenn sie ihrer Ausgabe gewachsen sind. Nichts ist daher thörigtcr, als sich abjchließru-wollen von drn Mitgliedern des Berufes. Es ist ein herrlicher und erhebender Gedanke, sich angchörig zu wissen einem Ganzen, das in seinem eigenen Fortschritt den Fortschritt ' der erhabensten Ideen begrüßt, und zu diesem Zwecke sich nach Kräften einigt. Unbegreiflich" ist cs dagegen, wenn Männer, die täglich Umgang habdn mit dem wachsenden Geschlcchte, in sich nicht das Bedürfnis fühlen nach Anregung von außen, durch gleichdentenbe.,' gllichstrebende Genosseu. Unbegreiflich ist es, wenn solche Männer daS, was ihre Collegen von Nah und Fern erstreben, für unbedeutend und wirkungslos halten, wenn sie dagegen indifferent sind, während sie das, was andere, angeblich höherstehende Gesellschaftsklassen wirken und. schaffen, nicht genug beklatschen können. Wo nicht Selbstsucht und verletzte Eigenliebe, Stupidität und rcacttonäre (daß'man das Wort uns nicht mißdeute! wir verstehen eS hier nur im Lehrer sinne!) Gesinnung die Wurzel solcher Gleichgültigkeit gegen die zunächststehenden Acußcrungen eines kräftig si h entwickelnden LehrergcisteS ist, da ist es verachtenswert! e Servilität, die ein freies, selbstbewußtes segensreiches Werken in Schule und Leben zur Unmöglichkeit macht! Der 'charakterfeste Mann schaut weder in die Höhe, noch in hie Tiefe; er schaut-geradeaus! Geradheit, Offenheit gegen Alle und in Allem; unseren Collegen aber sinscrc Liebe, unsere Mitwirkung, unser Vertrauen. Das ka»n wohl ein tüchtiger, strebsamer Lehrer sein, der sich abschließt von seinen Collegen; wir aber, wir glauben eS so lange nicht, als wir eS nicht gesehen haben; uns ist noch kein solcher vorgekommcn. — Wo immer eine gemeinsame Veranstaltung zur Hebung des Ganzen unscre-Collcgcn vereint, müstcn wir dabei se n mit Herz und Seele, mit unserer ganzen Kraft, mit nuferem Sein und Leben. Es gibt keinen EntschuldigungSgrund hiergegen! „S'Nd wir ja eines Herzens, eines Sinnes!." Wo solche Veranstaltungen im Werden und Wachsen begriffen sind, da dürfen wir nicht cntgegenwirkcn, — wie cs auch schon vo: gekommen, — aus kleinlichen Rücksichten; sondern müssen mitbauen helfm! — Wenn wir eö kann das nicht zu oft widerholt werden — gemeinsam an der Hebung unseres Standes und Berufes arbeiten, so gibt eö keine größere Macht in der''Ankunft als die der Schule und der Lehrer, keinen würkigerü und geachtetcrcn Stand! — Darum, Couserenzeu, Vers immlurrgen, freie Ver inigunzcn, Leseverc ne herbei! Vielleicht gelingt eS uns doch noch, um alle diese ein ei nigendcs. Band zu schließen.*) Und auch außer diesen Vereinen: Schonung uiltb Liebe dem Collegen, Unterstützung desselben, soweit unsere Kräfte eS erlauben. Und aeradc, aus diesem Grunrc ats nothwendize Folge: Verachtung dem nichtswüroigcn, servilen, untreuen und charakterlosen Lehrer, deren es so Manche unter nnS gibt, V rachtung dem, der den Stand durch sein nichtswürdigcS Bcncbmcn schändet Darum auch, —7 und man wird uns schließlich diesen Stoßseufzer zu Gute halten, — Unterstützung und Förderung des Organs, das von Lehrern für dieselben und für das jüdische Volk geschaffen wurde, um eine stete Wechsel vir kung zwischen diesem und seinem ersten bedeutsamsten Faltor wach zu erhalten. Unterstützen und fördern Sw das Organ, das die Kraft und den Fortschritt unseres Standes bildet, Balten Sie' hoch das Panier, das ja dasjenige des Lchrerftandes ist. Wie wir verteten . Di/ »ereil etwas Derartiges gelegentlich der allg. rewschcil Lcbrrrrrammlung in Mannheim anruibeeb.n suchen. Nicht, daß wir einen , Ltant int Staate" bilden wallen; imser Beruf als jüdische Lcbrer ist nichts w.niger aes entgegen uaserem Beruf als ..deutsche L:brer"4—er^ebt irr neben de,..selben ber. — Das Nähere werden ' wir s. Z. durch einen Aufruf bekannt machen. (Die Red.)

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