Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1862-11-15 · 22 (15.11.1862) · p. Seite 166

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
22 (15.11.1862)
Date
1862-11-15
Page
Seite 166 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4896751-5428752-5431160--0377-4897065
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

166 hinreichendes" Wissen erlangt wird, ob es der finstere, dogmatifirende, einbannende Geist' vieler, ja der meisten Lehranstalten für die Lehrer der Jetztzeit ist, der unS unsere Lehrer „fertig" ins Amt bringt? Was es auch sein mag, es ist der Urgrund -es Verderbens. Gibt es eine erhabenere Lebensaufgabe, -ie sich der Mensch zu stellen vermag, als die, nie stille zu stehen? Wie, Ihr wollt unterrichten und erziehen, Ihr wollt mit der sich entwickelnden, .bildungsbedürftigen, nie stillcftehenden Jugend Umgehen, und fühlt nicht in Euch >as Bedürfniß, Euch fortzubildcn, zu entwickeln, stets zu lervollkommnen? — '! .Raftlos vorwärts mußt du streben, Rir crwüoet. stille stehen^ > Willst du die Vollendung feh'ir!" Wie den Alken das. „fernen" eine Lebensaufgabe war, io behaupten wir, müßte es auch die Lebensaufgabe unserer pehrer sein , denn, wer lehren will, muß jeden Lag Neueslernen. Die Leit schreitet fort in ihrem ewigen Laufe, und schreitet hinweg über die Fertigen und Stillestehenden, so, daß sie nach wenig Jahren wie Mumien einer abgestorbenen Zeit'sich dem. lebensprühenden Kinde gegenüber fühlen. „Stillstand ist Rückgang." Nichts ist Erbärmlicher'und eckelhafter, als ein junger Mann, der Andere — und seien es auch kleine Kinder — rum Fleiß, zur treuen Erfüllung des i Lebensberufeö, zur sorgsamen Benützung der Zeit anspornen foll, und der seine eigene Leit vergcutet mit leerem, nichtigem Tand, sie mit Rauchen, Spielen, Scblafcn und Müßiggehen verpraßt! Nichts zeigt juicfcr den beschrankten Kopf, den zum Lehramte Unwürdigen, als das Wort: ich weiß, was ich zu wissen uothwendig habe, was ich lehren muß;, ich weiß genug für meinen Gehalt. ^Der Mann, der nicht so viel-zu erübrigen vermag, daß er mindestens ein gutes, Geist und Her; erregendes, tür Lehrer geschriebenes Buch, eine Zeitschrift jährlich!zu lesen vermag, der verlasse das Lehramt und greife zur Elle oder zum Sparen. Und'doch,, und doch! cs gibt leider eine Unmasse solchen Gelichters, auch unter jüdischen Lehrern, die von der ganzen zeitgemäßen Kultur, von all dem vielseitigen Kämpfen und Ringen der Jetztzeit nur vom.Hörensagen oder >gar keine Kunde haben, für die alles was geschrieben wird für die Schule und Lehrer nicht vorhanden ist; ist cs da ein! Wunder, wenn ein halbgebildeter Commis-voyagcur, der! irgendwo einen WissenSbrocken in einer Realschule aufgclescn, den Lehrer als tief unter sich stehend, betrachtet; ist es ein Wunder, wenn-wahrhaftet Gebildete ihn-verachten? . Wissen, Kultur und -Bildung sind Schätze, die sich der strebende Mann und Lehrer selbst zu erringen vermag! Es gibt Wissensgebiete,, die keinem Bildungsuchenden der Jetztzeit verschlossen sind, und wer sich solche Erkenntnifie, die allein. das Forschen und Streben erreichbar macht, erringt, steht den Höchsten gleich, steht über dem Hochstudierten, der auf seine»Lorbeeren ruht. Wahre» Wissen kann nur im stete» Luchen errangen werden. Es gibt kein höheres Wissen, als das Lehrerwiffen, als die Erkenntniß der menschlichen Seele. Solches Lehrerwiffen wird aber nicht über Nacht gewonnen, es ist die Arbeit des Lebens^- „Strebe nach Bildung, auch dann, wenn du an der Bildung Anderer arbeitest, außerhalb und innerhalb dieses Wirkens; die Schule sei für dich selbst eine Schule;, das ganze Leben, jedes Berhältniß, jede Lage, sei eine Veranlassung zu deiner eigenen Erziehung und Bildung." (Diesterweg; Wegweiser. Kenne» den die Lehrer? Es ist ein erhabenes Buch! Es darf von keinem Lehrer der Jetztzeit ungelesen bleiben.) „Nimmer laß zu-forschen, nimmer laß zu prüfen, nimmer laß zu üben, was du forschest." (Kosegarten.) „Den Geist nähren, ist Religion." (Bettina.) (Schluß folgt.) t Die jüdische Schule m Württemberg. *) (Fortsetzung aus Nr. 17.) (Fortsetzung zur Anmerkung des Einsenders.) Ein späterer höherer Erlaß, diesen Gegenstand betreffend, lautet folgender Maßen: - „Das K. Ministerium des Kirchen - und Schulwesen« hat ühcr den Lehrplan für den israelitischen Religionsunterricht unterm 26. v. M. Nachstehendes verfügt: I. Der israelitische Religionsunterricht erstreckt sich: 1) aus biblische Geschichte und Memorirübungen, 2) auf mosaische Glaubens- und Sittenlchre in Verbindung mit dem Lesen und Erklären der deutschen Bibel, 3) auf hebräische Sprache. II. Dieser Unterricht wird in folgender Abstufung nach'Altersklassen unv in der hiernach bemerkten Stundenzahl ertheilt: 1) Der Unterricht beginnt mit dem Eintritt in die Schule. In der ersten Klasse ist er mehr nur ein vorbereircnder in der Art, daß den Kindern einzelne für sie anziehende Erzählungen aus dem alten Testament mitgetheilt und ebenso die Sprüche, welche zu diesem Zwecke im iSrael. Spruchbuche besonders bezeichnet sind, und leichte Liederverse nach dem isracl. Gesangbuch eingeprägt werden. Mil dem neunten Jahre beginnt der Unterricht tu chronologischer Ordnung und wird in wöchentlichen zwei Stunden bis zum zwölften Jahre der Schüler fortgesetzt; um dieselben prit der biblischen Geschichte vom Anfang der *) Aus Mangel an Raum zurückgeh alten. (Die Red.) I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.