Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 20 (15.10.1862)
- Date
- 1862-10-15
- Page
- Seite 150 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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150 itt'ä Meer bcr Vergangenheit hinabgcrolli, und wir ftchrn nun an der Schwelle eines nxuen Zaires!" Also, wo befänden wir uns da? das alte Jahr wäre ja fort, und in's neue wären wir doch noch nicht getreten? — Sie gestehen hier zu, daß S i e wenigstens den Boden unter Ihren Füßen verloren! — Hier bekamen wir auch einen Begriff von des rabbinischcn RcsigiMrslehrcrS hebräischer Sprachsünde, indem Sie Jhr-Terteswort weder “JOl, wie cs in Pause heißt, noch 7|Sp1. was es sonst heißen müßte, sondern unzählige'Male und schülerhaft-' stets Tjxül ausgesprochen haben. Ihr dritter Text war derselbe, welchen Herr Rabbiner Stein seiner Predigt: „Vorbereitung zum Abschied" zu Grunde gelegt hat . Wir glauben, daß sowohl dieser, wie Vater Jakob 'sich gegen Ihre Anwendung jenes erhabenen Wortes feierlich verwahren werden. Daß Sie s-iyjn rx in -’-y; rx verwandelt und dieses mit „Deine Kinder" übersetzt haben-, isteine ebenso kühne ConjunctNr wie Uebersetzung. . .' Endlich,.-oder vielmehr unendlich, war Ihr vierter Tcrt, der Ihrem geistlichen Berufe entnommene Segen: „Heborechsseho etc/1 Dieser bildete die Nachrede, aber wahrlich'für Ihre.Predigt keine gute. Effecthascbcrci bei totaler eigener Unerzrifsenheit — und „die Brust macht ja den Redner!" — sowie Citircn des großen Moralprofessors Tod bis -zur. Widerwärtigkeit bildeten den vorherrschenden-Oharakfer. Wirklich war Das, was wir horten, öde und tobt, wie der Friedhof;.nur mit dem Unterschiede, daß wir hier im Geiste unsere Heimgegangenen wieder finden/ während wir aus Ihrer Predigt heimgegangen sind,,ohne irgend welchen Geist gefunden zu haben. Wir kommen zu Ihrer Morgenpredigt. Hier wählten Sie wieder,, die Vergleichung auf unkluge Weise herausfordernd r einen der Gemeinde noch wohlvcrtrauten Text, welchen nämlich Herr Rabbiner Stein seiner Abschiedspredigt. zu Grunde gelegt hatte. Auch hier lag in dem »ipx .->2 „waS soll ich predigem?" die Anwendung aus eine, unS Mitleid cinfiößende Situation nahe ge nug! i— Von einer Ausführung des großen Textes haben wir auch keine Sptir gefunden. Dagegen haben Sie den Rosch-hasch'ono als „Jömtof“ dadurch charakterisirt, daß Sie ihn zum Tage der Sünd.enver-gcbung gestempelt haben, was doch'allein der Jöinkippur ift; geradeso wie Sie in unserem-deutschen Schlußgebete diesen Tag „Ruhetag" genannt haben,' wahrend doch allein der „Sabbath" in unseren Gebeten also bezeichnet wird. Ja, Sie nannten den n"' die „köstliche Gabe des Ruhetages,-welchen uns Gott aus seinem himmlischen Schatze mitgetheilt," was doch im Talmud nur rem Sabbath gesagt ist mit: n;ns) ns» raen ’uj rP33 'p »'). — Want« haben Sie sich hier so strickte an die Worte unseres Sabbathgcbctcs gehalten, während Sie sich doch sonst wiederholte nnd eigenmächtige Eingriffe in unsere Gottesdienstordnung und die Uebersetzung unserer Gebete :rlaubt haben? — Mit wahrer Entrüstung aber mußte es unS erfüllen, ^zu hören, wie Sie, während Sie uns den „Gerichtstag" tn dürrer, orthodoxeft anthropomorphistischcr Weise vorgesührt, in unverdaute Rationalismus einem der t ef eingreifendsten Lehren des JudcnthumS, nämlich söchus oböss“ geradezu geläugnct haben, indem Sie sagten, das Verdienst der Väter, sowie die Aufopferung Isaaks könne uns nichts nützen. Es würde zu weit führen, Die hier über diesen wichtigen Gcgrnftaud zu belehren; aber wahrhaft unbegreiflich ist uns die. Kühnheit oder vielmehr der theologische Leichtsinn — von diesem, so weit wir vom Ihnen gehört haben, sollen Sie eine gute Portion besitzen — auf einer fremden Kanzel, in einer fremden Gemeinde, uftter dem entgegentretcndcn Zcugniß aller, und namentlich der Neujahrszebcte, einen so wichtigen Punkt mit solcher Nonchalance vorübergehend abzufertigcn! — Hiev nun, wo von Ihrer theologischen Gesinnung, oder vielmehr Nichtgesinnung die Rcve ist, gestatten Sic uns noch auf zwei Punkte Ihrer famosen Ncujahrsreden zu. nickzukommen. Am Vorabend verkündigten Sie uns, daß Sie auf die religiöse Form sehr wenig hielten, and dann, beim Aufwühlcn der Gräber am „Jomtof“ — was beiläufig gesagt ein sehr unjüdisches Zugpflaster ist, dessen Anwendung, namentlich in einer starken Gemeinde, wo man die Verhältnisse nicht kennt, takt- und herzlos erscheint — haben Sie uns gelehrt, wie Eltern und, Lehrer aus den Gräbern heraus mahnend zu uns :edcn! — Da ist vor uns mahnend der Geist eines trefflichen Lehrers auszestiegen, welchen die Vernachlässigung einer äußeren Form um Amt untf Brvd gebracht hat. — In Oppenheim am Rhein lebte nämlich ein ausgezeichneter jüd. Lehrer, Namens Schön Hof, welchen die dortige Gemeinde, von sehr orthodoxer Richtune, einer gewissen Sabbathverletzung angeklagt hatte. Die Negierung legte den Fall einem benachbarten, aufgeklärters Theologen vor, der -wohl, freilich bei verschlossenere Thürenj, jene Sabbathverlctzung selbst schon oft mochte begangen haben. —_ Große Verlegenheit für den Mann! — Aber klug zog er sich aus der Schlinge. Die brennende Frage möglichst umgehend i sprach er sich dahin aus, daß nach dem Urtheile der grrßen Majorität der jetzt lebenden Israeliten jene .1