Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 20 (15.10.1862)
- Date
- 1862-10-15
- Page
- Seite 151 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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t 151 Handlung eine schwere Sünde und Sabbatschändungj sei. Ter betreffende Theologe war nämlich damals Verweser des Rabbinatö in seinem Geburisorte; er war der Wortführer der Orthodoxen, trotz seiner eigenen, Aufgeklärtheit, und nach seinem MajoritätS-Grnndsatze hätte er sich wohl auch gegen die Orgel erklärt, - die jenen ein Gräuel war. Statt also seine eigene Eristen; zu opfern, opferte er die Existenz des armen Lehrers. Dieser starb Kalo aus Roth und Kummer. — Allein sein rächender Geist blüb nicht aus. Eben jenes Gutachten war eS, welches den betreffenden Theologen, die' Haltlosigkeit und Sebwäche seims Wesens kennzeichnend, um das Räbbinal feiner Vaterstadt brachte! —; Wis glauben, ehrwürdiger Herr, daß auch Sie s. Z. von dieser afsreusen Geschichte gehört haben^ Wir glaubten nur, in Folge Ihrer Todleneitalion, Ihr Gedächtnis etsvas anffrischen zu dürfen. — j Schließlich wollen wir nur noch einmal auf die unzarte Weise zurüetkommen, womit Sie in Ihren beiden Predigten die Terte zu den beiden Predigten gebraucht haben, womit unser bisheriger Rabbiner von uns geschieden ist. Sie mußten glauben, daß dieser, Mann, welchem selbst seine Feinde ihre Achtung nicht versagen, hier keinerlei Freundschaft und Theilnahme mehr besäße, so daß Ihre große Unschicklichkeit von 'Riemanden empfunden würde.: — Man hat uns gesagt, die Texte seien Ihnpn vom Vorstande anfgegeben worden; wir haben dieses aber sofort als eine grobe Verläumdung erklärt. — Ein anderes Gerücht sagt. Sie hätten Ihre Predigten zur Censur vorlegen müssen. Wäre dieses wahr/ so tjättcj der Eensurpnnkt großes FiSco gemacht. Denn von Ihrer Vorlage müsse man dann sagen.: „Gott bewahre uns vox Deinem Eingang und Deinem Ausgang." —! Biele Svnagogenbesucher im fttamen Aller. seiner Seele zuerst zn Vorsätzen unv dafin schließlich zu Grundsätzen gestalten. Was wir damit in Bezug auf unser, Thema andenten wollen? Daß ein großer Theil der heutigen Gesellschaft sehr oft von Prineipicn spricht, ohne einen ttyeen Begriff damit zu verbinden; daß selbst Uhr oft nicht die klare, zum Begriff gewordene, ewige, dfcher nur edle!Idee, sondern da« eigentlich Eharatterlose als Priueip voll Einzelnen ausgestellt wurde. Im eigentlichen Sinne, ich möchte sagen, im Sinne einer wahrhaft mit dem Iudeflthnm übereinstimmenden Psychologie, kann es eigentlich Grundsätze geben, weit' dfie Grundsätze gar keine schlechten im „Grunde" der Seele haften, und nach unseren jüdischen Anschauungen ist die Seele des Menschen von Ratur gick, nichl döse. —*) aber ist auch ein Hauptübel der Gegenwart. Reden wir heute von Beziehungen zu den ' b ft s ch a u. Eine S e (Fortsetzung.) , ES ist ein eigenthümliches psychologjsches Räthsel, daß oft die schwächsten Eharaktere die unbarmherzigsten Consequenzen ziehen, und daß wir bei Lcilten, welchen Grundsätze ganz und gar fehlen, oft eine unlisidliche Consequenzmacherei und Principienreiterei finden Sie vergessen, daß das Herz eines Mannes von Charakterebenso reich sein muß, als „der Körper hart und der Kopf gerade," und daß, vom Lehrerstandpunkte aus betrachtet, die C h a r a k t e rerziehung „die ewigen Ideen als Zweck und Ziel deS Strebens und Wollenö setzt." Diese Ideen werden dem jungen Menschen als Pflichtgebote hingestellt, di^ sich in - > Solche Principienreiterei jüdischen Gesellschaft der der Stellung der Rabbinefr, und ihren Lehrern ES ist Princip einbs großen Äheils der :>iabbinen, ihre-Anschauung übec tic ihnen zuköwmliche äußere Stellung ans den durchaus nicht analogen Berhältnisscu christlicher Kirchen in die jüdischen Gemeinden übertragen zu wollen. Princip? Solltfn sie nicht bi greisen, daß Princip im Juoeuthum nur das Iwerden kann, was ans Religion und Geschichte sich entwickelte? .Wir gönnen den Rabbinen eine geachtete und sicher« Stellung; wir sore.ru für >ie im Starncn der öieligion, im Rainen dis im« allen heiligen Judenthumö einen wiuksamen Berufskreis innerhalb der Gemeinde, die Möglichkeit gesegneter Einwirkung auf Synagoge und Schiile; wir fordern für sie dieselbe Freiheit innerhalb . der Grenzen ihres BerusskxeiseS, die wir einem - Ieden gönnen, „dem Gott ein Amt gegeben;" aber wir fordern, daß in jenen Ländern insbesondere, wo die Behörde ihnen größere sltcchte in Schyle und Synagoge eingcräuml hat, sie nichl in starrer Ceusegüenz in Kraft ihrer Stellung — nicht ihre, göttlichen Amtes und Berufes — die Freiheit der Gemeirde und dex anderen Religionsbeamten mißachten, wir ordern, daß sie wahrhaft , und aus Ueberzengung im Inter esse des Fortschritts im Judenthum wirken und leben. Tie Kirche ertheilt Weihen und diese Weihen __ involvixen den Begriff!>eö geistlichen Amtes^ dessen Inhaber , eine von der Gesammthei t getrennten,Körperschaft bilden; das Judenthum erkennt ein: solche Ausscheidung eines Einzelnen rri *) xi o~.' Ausspruch (d'Cittbar cnrgegi» Wort der Schrift meint &tc: wickelnde Sinnlichkeit, die Blutkammer, nicht in knüpfen, — ihr Quelle hat. 2!? lä’ ist dem wohl als einzelner doch nicht in der Wirklichkeit. — Das vielmehr blos die in ,der Jugcnv fick entin den Herzen — als Körpertheil, der seelischen ^Begriff, den wir damit vcr-! ein