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Der israelitische Lehrer · 1862-10-15 · 20 (15.10.1862) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
20 (15.10.1862)
Date
1862-10-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jährlich 42 92ummmt am 1. und 15. jeden Monats. Preis j Tblr. oder 54 kr. balbjäbrig. Der IsmelMrlw Än,eigen zu 3 kr. oder 1 Lgr. di« Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Buebdandlungen und Postämter an. Lin Organ für die Schule, die Familie und das Gemeindeleb Herausgegeben von des Jndenthums. I. Klingcnstein, Ignaz Lehmann und 2t. Treu. IV°. 2« Main;, Frankfurt a. M.,/zwischen Neujahr- und Versöhnungstag '>623. Offenes Sendschreiben an den Neujahrsredner in der Hauptsynagoge dahier- Wir haben, als Mitglieder einer Gemeinde, welche Sie in Ihren Reden zu hoch gestellt haben, als daß man ohne ernstliche Rüge ihr einen solchen Neujahrspreoiger bieten durfte, ein ernstes Wort mit Ihnen zu reden. ES thut uns l.iD, daß cS sein muß; denn wir haben Sie immer für einen guten, harmlosen Menschen gehalten. Allein wenn die Unbedeutendheit sich selbst überschätzend auf einen so hohen Posten wagt, wo sic ihre Nichtigkeit selbst aller Welt bloSstcllt, dann fordert sie die Kritik geradezu heraus; und wenn sie nun gar in ihrer Kühnheit oder Unwissenheit Ungeeignetes vorbringt, dann wird cs unerläßliche Pflicht, sie vor einen strengeren Richterstuhl zu ziehen und die mit ihr sehr oft — was auch im vorliegenden Falle — verbundene Ignoranz und Haltungslosigkeit öffentlich zu gcißclen. Sie zwingen uns also, mit Ihnen in'S Gericht zu gehen, da Sie cs versäumt haben, was weit klüger gewesen wäre, selbst mit sich in'S Gericht zu gehen, bevor Sic den bedenklichen Platz betraten, auf welchem wir Sie in so unglücklicher Weise debütiren sahen. Sie sind ein geborener Mainzer. Warum müssen wir Ihnen erst die so nahe liegende Frage nahe bringen: „wie werde ich den Frankfurtern genügen, da ich meinen eigenen Landsleuten nicht genügt habe? " — Und Sie haben uns in ihren beiden Predigten die glänzendste Rechtfertigung Ihrer einsichtsvollen Landsleute selbst geliefert. Sie mästen uns schon eine Kritik dieser Predigten gestatten. — Bride Predigten waren, nach dem Urtheile unfcebingt aller Synagogenbesucher, gehaltlos, ließen den Zuhörer den 15. Oktober ohne alle Anregung und zerstörten so die Weihe des Tages auf eine sehr'bedauerliche Weise. — Ihre Vorabendprcdigt war von vier Texten getragen; cö war dieses eine Denn diese Predigt war -ein hätte nicht ans Einem Fuße können. Sie haben sie dghcr sehr gute Vorsichtsmaßregel! sehr schwaches Geschöpf und (irm?r) so lange stehen vicrfüßig gestaltet. — diesen Spruch bei jeder „neue Ihr erster Tcrt war „! Jchehechejonu“. Sic machten sogar irmi:' über unser, Kanzel. UnS fiel -aber dabei jener Besucher einer Speisen irthschast ein, wo cp schlechte Kost bekam, und daher als er Wirth froh zu ihn, sagte, ich freue mich, Sic zum erf en Male bei mir zu s.hcn, rasch erwiderte: „entschuldigcr Sie—zum letzt c u Mal!" — Wir haben da dicNcnigkiit gehört, der Zsracli.le spreche religiösen Handlung." Auch wurde das „boruch atto a djo n o i" so zahllos ofi wiederholt, daß alle religiös empfindsamen Seelen von diesem Mißbrauch in Nennung des göttlichen 'Namens (rivvsp m"v x’sis) tief verletzt wurden. Dam« hörten wir etwas von Beklommenheit des Redners sprechen, welche' dadurck) ausgeglichen wurde, daß man hier noch „Schma JisroGl“ sage — ein Kompliment-, wofür! unser Gemeinde-Vorstand Ihnen sehr zu Danke verpflichtet! sein wird. Hier bekamen wir zugleich einen Begrist von Ihrer Kcnntniß des jüd. Rituales, indem Sic regelmäßig -dass Wort uy'n vergessen haben. Ihr zweiter Text!war aus Ps. 121: ,,Gott bewahre deinen AuSgang und deinen Eingang!" — Die Anwendung dieses Ter tes aus die traurige Rolle, welche Sie auf unserer Kanzel schelten, lag nahe genug! — Hier bekamen wir auch Prober von Ihrer deutschen Sprachcorrektheit und Logik. DaS wue Jahr wurde zu einem Hafen verglichen, und der Mensch zu einem Seemann (wir horten Sämann!), dcr sich lang, auf dem Sturme befindet.. In diesem neuen Bilde fortri dend, riesen Sie uns zu: „das alte Jahr ist nun bereits vollkommen zu semen Brüdern

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