Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 16 (15.8.1862)
- Date
- 1862-08-15
- Page
- Seite 123 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 128 — hehlen, daß mindestens der Ansdruck „weil sich kein geeigneter jüdischer Schulmann fand" öffentlich in einer so weitverbreiteten Zeitschrift, wie es die Allg. Z. d. I. ist, ausgesprochen, eine grenzenlose freche Anmaßung genannt zu werden verdient, die wir. da unser Blatt das Organ der jüdischen Schule und Lehrer ist, derbe zurückwcisen mußten, weil sich so etwas vom jüdischen Lchrcrstand in ganz Deutschland wohl nicht sagen läßt. Wir wollen schließlich der einen Frage fest, und ungeschrut ins Auge schauen: Soll in einem jüdischen Seminare zur Zeit ein christlicher Lehrer angcstcllt werden? Unser Herz füllt sich mit Trauer darob, daß wir diese Frage mit entschiedenem „Nein!" beantwortcn müssen! | Unser Hauptgrund ist freilich eine wenig gut machende Repressalie, das Recht oder gewissermaßen die Pflicht der Reciprocität. Den Herrn Eorr.spondcnten haben gewiß die neuerlichen Verhandlungen in der preußischer: Kammer, wie ' nns, mit tiefem Schmerze erfüllt, weil, auch jenr noch, 1 wo die rcaftionärc Regierung sich mit dem Mantel des I SchcinliberalismuS umhängt, diese dennoch in der Juden frage allein offen und ungcschcut sich reaktionär zeigte, und principiell die Inden von der Anstellung an öffentlichen Lchranstaltcu ausschloß. Es wird wohl in Deutschland allüberall so sein, auch in Hannover. Wir haben aber jüdische öffentliche höhere Lehranstalten nur äußerst wenige. Wohl girr „Unrecht leiden" nicht das Recht „Unrecht zu thnn"; aber ist cS ein Unrecht, wenn man een vielen Streb-! famen unter den jüdischen Lehrern in Deutschland, (—und mau wild sich doch bei Gott, in jüdischen Dingen nicht auf eines der 34. Störchen beschränken wollen —) das Recht; reservier auf ein Amt, nach w.lchcm sich gewiß viele sehnen, nicht weil cs ihnen etwa eine bcffere sorgenfreie Eristenz zu buten vermag, sondern^ weil cs ihnen ein erweitertes gcscaner.reö Wirren verheißt!? — und daß cs jüdische Lbrer in Deutschland gibt, die in allen Fächern christlichen Lehrern gleicbfttheii, wir wiederholen, wer wagt cs, dies zu bestreiten? — Der chtustliche Lehrer findet Avancement, lind, ist er dazu befähigt, auch Anstellung in einem der zahlreichen Senunare. Tüchtige jüdische Lehrer müssen oft in kleinen unbedeutenden Stellungen verkommen I.Jüdische Seminare gibt cs unseres.Wissens ui ganz Deutschland nur ü oder 0! und darum behaupten wir wiederholt und entschieden: es gibt eine Toleranz, ric zu weil geht, die Un recht ist gegen die nächsten Angehörigen, die' ansartclui Kriecherei, die der gerechte Christ.uns nicht znmuthct. Diese Toleranz finden wir leider nur zu oft bei Jliden jeder Glaubcnörichtung. Die Anstellung, ja Bevorzugung (Siehe Wcinhcim!) christlicher Lehrer an jüdischen höheren Lehranstalten, gehört zu diesen übertriebenen Tolcranzakrcn.! Unsere Bemerkung, daß in einem der bestehenden jü^ bischen Schulseminare das nicht gelehrt wird, was dock das Seminar erst zur Lehrerbildungsanstalt macht — die Pä ldagozik, gründet sich ans den Lehrplan der Lehrerbildungsanstalt in BreSlan, die, wie cs scheint, nur als ein Appendir des übrigens in feinen Leistungen hochgeschätzten Rab vinerscminars betrachtet wird. Dieser Lehrplan ist! zu finden in den Monatsschr. für Geschichte und Wissenschaft d. Judenth. von Di-. Z. Fräntel (I8i)8, Januarheft.) Wir vindiciren aber gerade den wenigen jüdischen Lchrcrseminrrirn der Gegenwart den hochwichtigen Beruf, in der Pädagogik den Anforderungen der Zeit gti genügen, die Mchodik für die jüdische Schule zu schaffen. Man zeihe nns, Gottbewahre, nicht der pädagogischen Blasphemie! wir wollen nicht etwa eine „jüdische Pädagogik,' darum und obgleich es katholische nnv protestantische Pädagogiken gibt; aber die Ideen der neuen Seclenichrc mit den Ideen des JudcnthumS zu vergleichen, die Nur der jüdischen Schule angchörenden Facher an den Errungenschaften der neueren Pädagogik Theit nehmen zu lassen, ja selbst den lichtvollen Joecn des JildenthumS Einflußj auf die Entwicklung der pädagogischen DiSciplinen zu gönnen, — das ist eine würdige Ausgabe für die jüdische Pädagogen^ jüdische Schulmänner, jüdische Seminare, und Seminarlehrer. Hier ein Beispiel aus der Praris. ' Die Frage über den Unterricht in! der ^nachbiblischen jüdischen Geschichte ist wohl eine vies venlilirte, doch aber noch nicht gehörig und klar besprochene. Wir meinen nnn, cs müsse einem, tüchtigen Kenner ddr allgemeinen und jüdischen Geschichte möglich werden, ein Werk für den Unterricht in der Gesammtgeschichte der Menschheit, — der Civiliiation, eine Entwicklungsgeschichte derselben zu schaffen, in welchem, wie in christlichen Lehrbüchern der Geschichte fast.durchweg das Christenthnm der rolhe Faden ist, der sich durch das Ganze hinzieht, dcni Jukcnthnm sein Thcil an der gcsammtcn mcnsehheitlichen Enlwrcklizng gewahrt werde. In einem solchen nnparteiischen unk koch jüdischen Geschichkrwcrke müßte auch der jüdischen Geschichte iyr Recnl werken; am gehörigen Plane würden die großen Männer des JndenthnmS zu bcrnckficktigen sein; eie Bbanclnng der Inden würde eine Rdrm sein für den Bildungsstanv der Zeit und des. Volkes oder dessen Leiter und Führer; der Einfluß der. Zeit ans das Juden«,um und der noch nicht genug berücksichtigte Einfluß des Judeutnums auf d:e Zeit, würde einc^. nicht uninteressant.m Gesa nmtno.ublick bieten. . Wir .wissen nicht, ob die Idee ausführbar ij:. Wir haben noch nie so recht eingehend uns mit dersilbcu beschäftigt. Un: gebricht cs hierzu an Zeit und Mittel Wer