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Der israelitische Lehrer · 1862-08-01 · 15 (1.8.1862) · p. Seite 113

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
15 (1.8.1862)
Date
1862-08-01
Page
Seite 113 (sequence 5)
Language
German
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- 113 - füllt sind, welcher Nwhl selbst bei aiigeftelltcn Lehrern nicht immer mag zu finden sein. In Städten, wo rS nicht j möglich ist, pädagogisch gebildete junge Leute als Stunden- , kehrer zu erhalten, möchte ich den Eltern rathcn, wo mög-! lich den Schullehrer! auch für den Privatunterricht zu ge- > Winnen zu suchen. Besonders den jüdischen Familien, welche, wie oben erwähnt, im Hause Religionsunterricht ertheilen lassen, ist hier große Vorsicht anzuratheu. Ein leichtsinniges Wort des Lehrers kann hier unendlich viel schaden. ' Vergleichen wir noch, welche Stellung die einzelnen. Klassen von Lehrern im Leben, besonders den Eltern ihrer j Zöglinge gegenüber einnehmcn. Der Schullehrer braucht 1 eigentlich mit denselben gar nicht in genauere Verbindung ) zu treten. Thut er eS doch, jo geschieht eS meistentheils j weniger in seiner Eigenschaft als Lehrer, als vielmehr .in der Eigenschaft eines Mitbürgers. Dieses Vcrhältniß hat! hier für uns nur in so weit Interesse, als überhaupt die außeramtliche Stellung deS Lehrers für uns hier Interesse haben kann. Dieselbe, muß man zugeben, ist rille sehr geachtete.*). Denn man mag, so viel man will, vom Unrecht sprechen, welches den Lehrern in Bezug auf ihre ganze Stellung geschieht, so ist doch sicher, daß dieses Unrecht nicht sowohl aus Nichtachtung gegen den Lehrerstand, als vielmehr aus Vernachlässiznng deS ganzen Schulwesens entspringt. Man kann daher hierbei auch weniger einzelnen > Familien oder Personen, als vielmehr der Gesammthcit, so zu sagen, dem Zcitgeisie Schuld geben. Daß diese Achtung, welche die Lehrerwelt allgemein genießt, in der Thal aus Achtung vor dem Stande erwachst, kann man daraus sehen, daß ein Lehrer, auch wenn er eben als Fremder in eine Stadt gekommen ist, sich sofort der allgemeinen Achtung zn erfreuen hat, während er sich eine Nichtachtung gleichsam erwerben muß. Beim Hauslehrer hängt die Achtung, welche er iin Leben genießt, fast gar nicht von seiner Stellung ab, nnd gehört daher auch nicht hierher. Wie sich sein Verhältnis zu den Eltern seiner Zöglinge gestalten soll, hängt von Umständen ab, nnd ist daher an verschiedenen Stellen verschieden; denn da sie fortwährend mit denselben in Berührung sind, und fast wie zur Familie gehörig betrachtet werden, so gestaltet sich ihr Verhältniß zur Familie weniger nach ihren Befähigungen und Leistungen als L hrer. Wie steht eS nun um die Stundculehrcr? Auch ihr Verhältniß -zum Publikum wird hier nicht in Betracht kommen, da! sic demselben reicht als Lehrer gegenüber treten. Wie sich aber ihr Vcrhältniß den einzelnen Familien gegenüber gestalten soll, hangt größtcntheils von ihnen ab. Es ist daher, wie beim Hauslehrer, an verschiedenen Stellen verschieden, ist -*) Nicht immer, mein li.ber jui'ger Herr College! denn daß §le lexter-s sind, enlnebmi ich £<ytecer ziwrrilchtiichen Aeußrunz. Ä. laber hier mehr d«S Lehrers Schuld, wenn es ein ungün- - stigeS wird. Ein mit der nöthigen Energie und Entschiedenheit auftretcrider Stundenlehrer, > der in seinem ganzen Wesen zeigt, daß er sciner'Strllung gewachsen ist, wird sich gewiß überall, sowohl bei Kindernwie bei Eltern der Achtung zu erfreuen haben, welche ihm, ohne seinem ganzen Erfolge bei den Kindern zu schaden,! nie fehlen darf. Fehlt sie ihm aber doch, so ist es feine Pflicht, wenn er gcwiffenhaft siin will, feine Stellnug aufzugcben. Denn nur zu leicht merken Kinder, wie viel sie si!ch gegen den Stundenlehrcr hcrausnehmen können, wenn pt nicht bei den Eltern das nöthige Ansehen genießt. Jedoch wäre auch hier zu wünschen, daß die Ellern dem Stupdengeben überhaupt mehr Aufmerksamkeit schenkten. Aus demselben Grunde nämlich, auS welchem die bereits erwähnte Nachlässigkeit bei der Wahl der Stundeulehxrr entspringt, rühren noch so manche andere Nachlässigkeiten her, welche meiner Meinung nach , nicht sowohl aus Nichtachtung gegen den betreffenden Lehrer als vielmehr, wie berfitö erwähnt, aus Vernachlässigung deS StundeuwesenS entspringen. Hierher gehört z. B., daß eS vielen Eltern gar nicht darauf anlommt, einen Stundcnlehrer ein oder gar -mehrere Male umsonst kommen zu lasten. Sie glauben hierbei weiter kein Unrecht begangen zu haben, da sie ihm ja das Honorar für diöse Stunde nicht ahziehen. Aber sie bedenken nicht, daß sie ihren Kindern dadurch zeigen, daß es beim Stundenlehrer nichl sogenaudataus änkvmmc. Und hier liegt der Fehler nicht an der Gesammihcit, sondern jede einzelne Familie kann hier das ihrige beitragen, diesem Uebcl abzuhelscn. Fragen wir nun aber ob Stundcnlehrer denn überhaupt für Kinder nützlich sind, so müssen wir dies bejahen, wenn wir auch zugcben, daß sie dem Schul- und! Hauslehrer den Vorrang lasten müssen. Besonders für die-! jenigen Schüler, welche ir der Schule zurück sind, und da- > her zn Hause einiger Nc chhülse bedürfen, können^ sic sehr.; nützlich werden. Es wäe daher sehr' zu wünschen, daß von Seiten der Eltern denselben, besonders bei ihrer Wahl, mehr Aufmerksamkeit geschenkt würde, was gewiß bewirken würde, daß der Vergleich für sie günstiger ausfalle. Denn sie haben vor dem Schult hrer voraus, daß sie immer weniger Kinder, oft nur eüS zu unterrichten haben und vor dem Hauslehrer, daß sic mit ihren Zöglingen nicht so viel zusammen sind, und da »er, wenn sic.cs anders verstehen, bei denselben zn weit grö serem Ansehen stehen können. Breslau. ' Eorieespondenz Aus der Pfalz, 6. tzuli. In der letzten Cvmitösitzuüg : vom 22. Juni zn Ludwigshasen ward beschlossen: eine Ein-

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