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Der israelitische Lehrer · 1862-07-15 · 14 (15.7.1862) · p. Seite 104

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
14 (15.7.1862)
Date
1862-07-15
Page
Seite 104 (sequence 4)
Language
German
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104 Die geMüthlichc Erzählung spricht sich in ruhig.'r Stimmung und gelassenem- Tone aus; der Befehl ist kurz und bündigheftig und ungestüm ist die Sprache der Leidenschaft , während Erklärung und Belehrung höchst gemessen und mit Nachdruck ertheilt wird, stets darauf bedacht, daß der Zuhörer folgen könne, Alles begreifen möge. Immer und überall 'habt das richtige Maß. Der Stundeulrtzrer im Gegensätze zum 2chul- und Hauslehrer. Vergleichen wir das neugeborene Kind mit dem Erwachsenen, zeitgemäß entwickelten Menschen,' ss finden wir die große Sorgfalt, welche auf die Ausbildung desselben gewendet wird, nicht nur gerechtfertigt, sondern sogar durch die Ncthwcndigkcit geboten. Das Kind, wenn cs kaum geboren ist, ist fchwach.au Seist und am Körper. Sich selbst über' lassen, müßte cs nach einer kurzen Späüne Zeit wieder dem Tode verfallen. Es muß gehegt und gcpftegl werden, bis sein Körper so rueit erstarkt ist, daß er nicht mehr allen äußeren Eindrücke i^nackgiebt, sondern sich selbstständig, naturgemäß entwickeln kann. Zedoch haben wir cs hier weniger mit der Entwickelung des Körpers als des Geistes zu thun. Früher, öt8die Lebensweise- und -die Bedürfnisse der Menschen, sowohl in materieller als. in geistiger Hinsicht, einfacher waren als jetzt, übernähmen die Eltern die Ausbildung ihrer Kinder. * Bald aber mußte bei der fortschreitenden Kultur! und Bildung -dies zu wenig werden, weil den Eltern, zstni Theil die Zeit mangelte, welche sie ihren Kindern hälpeü »innen müssen, üm sie zeitgemäß zu bilden,;«m Thejl aber dieselben wohl auch selbst der Lilcnng ermangelten, welches:-die Kinder lheikhaftig werden sollten. So war es ganz naturgemäß, daß schon früh Bildungöanstalten für Kinder cprichlet wurden, in welchen eigens dazu angestellte. Mäiurer dir. Entwickelung und Ausbildung der Kinder übcrwachlsiff nNv leiteten. Aus diesen Anstalten entwickelte sich nach ^unv Zach unser Schulwesen in der Ausdehnung,- wie^ cs smscrc Zeit kennt. Der Hauptfaktor, welcher in der Schuko -auf die Entwickelung der Kinder eirnvirlt, ist der Lcbrcr, hier. Sck'UllehLer genannt. Aber nicht alle Eltern sckstcken ihre Kinder in die Schule. Sie wollen sie sthclls dem verderblichen Einflüsse, welchen, wie sie meinen, der UmscniZinst der Schuljugend auf sie übt, entziehen, theils woljcn sic sie auch in Kenntnissen unterrichten lassen, welche! in der Schule (wir meinen mit diesem allgemeinen Ausdrucks Hauptsächlich die Volksschule, wie wir unter Schullehrer hi Elementarschule verst dm können, - Erstere dern eigene Lcbrcr, L auslehrer. Andere glauben den letztr auch vorzüglich den Lehrer an der chm) in der Thal nickst gepflegt werwie Letztere Hallen dann ihrm Kinangezebenen Zweck auch zu erreichen, wenn sie ihren Kindern außer dem Unterrichte, welchen dieselben geiüeßeu, nebenher Privatunterricht ertheilen lassen, — durch Slstndenlehrcr. Aus Gesagtem ersieht man, daß wir drei Klaffe» von Lehrern unterscheiden können. Eine Vergleichung derselben miteinander, mit besonderer Berücksichtigung des Stffndcnlehrcrs, soll in Folgendem versucht werden.! Was die Thätigkeit des Schullehrers betrifft, so ist cs vorzüglich seine Pflicht die ihm. anvertrauten Kinetr zu unterrichten. Die erziehliche Thätigkeit,. welche er zu entwickeln hat, ist zwar auch sehr wesentlich, tritt abcrj doch im Bcrhältniß zur unterrichtenden mehr in den Hintergrund. Nicht so ist cS beim Hauslehrer. Dieser muß dcr Erziihung das volle Maß der Aufmerksamkeit schenken, welches ihr gebührt. Der HanSl-hrcr übernimmt die Pflicht, das ihm anvcrtraute Kind zu bilden, d. h. zu erziehen und zu nute 'richten. Wie steht cs aber um die dritte Klasse von Lehrer:;, die Stundcnlehrcr? Was ist deren Pflicht? Sehen wir genau nach, so finden wir, daß sich dieselbe gar nicht so bestimmt ans den ersten Blick nennen lasse. Das Stundengeben ist eigentlich nur in größeren Städten, besonders in Gymnasial - und. Universitätsstädten zu Hanse. Die Aufgabe der Stnudenlchrer im engeren Sinne ist verschieden, und wird ihnen gewöhnlich von den betreffenden Eltern bestimmt, weder wird ihnen die .Pflicht zu Theil, Kinder in Anfängen desi Schulwissens, im Lesen, Schreiben Rccbncn zu unterrichten, oder, was vielleicht noch öftei! der Fall ist, sollen sie ihren Zöglingen nur für die Schule nack'helfen, wir man sich auszndrücken pflegt. Zn vielen jüdischen Familien pflegt man die Kinder auch in Religion und den dazu gehörigen Kenntnissen im Hanse unterrichten zu lasten. WaS ihre Thätigkeit im Allgemeinen^ betrifft, so wird sie eine mehr unterrichtende sein. Erziehlich einznwirkcn fehlt es ihnen schon . an Zeit, denn sie sind mit ihren Zöglingen im günstigsten Falle eine Stunde täglich, oft auch nur drei, ja sogar nur zwei Stunden wöchentlich zusammen. Fehlt cs mm auch in dieser kurzen Zeit nickst an Gelegenheit, erziehlich zu wirken, so kommen doch meistentheils Umstände hinzu, welche diese Einwirkung verhindern, wie Anwesenheit der Eltern, vorgerücktes Alter der Zöglinge u. dgl. mehrere, welche alle gerade nicht geeignet sind einen jungen Menschen (und Stundciilebrer sind fast, immer solche) aufziununtern, sein pädagogisches Talent gellend zu machen. Was die Persönlichkeit der Lehrer betrifft, so sorgt bei Schullehrern di« Regierung dafür, daß es an geeigneten Persönlichkeiten nicht fehle. Dieses Amt darf bekannt Ich nur ein vor der betreffenden Behörde geprüfter Lehrer übernehmen. Auch wird er von derselben bei der Ausübung Entden und

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