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Der israelitische Lehrer · 1862-07-15 · 14 (15.7.1862) · p. Seite 103

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
14 (15.7.1862)
Date
1862-07-15
Page
Seite 103 (sequence 3)
Language
German
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103 rinn Fache anrathen, zir führen. Da Niemand leugnen wird, daß diese Hebungen in daeigentliche Gebiet des Leseunterrichtes gehören, das Lesen lernen bezwecken, so sollte man dem geeigneten Stoff dazu viel eher den verdienten und berechtigten Platz im Lesebuchc anweisen, als den seitenlangen Aufzählungen von Dingen, die im Garten oder Felde sind, oder all der Städtenamcn, die den zehnzeiligen. betreffenden Lcsrstückcn vor- oder nachgcschickt werden. — Beiläufig gesagt, kann das Rcal-Lcse-Lehrbnch jungen, unerfahrenen und übereifrigen Lehrern sehr gefährlich werden; vor lauter Sternen wird ihnen der Himmel verfinstert und sie betrachten es als ein pädagogisches Meisterstück, wenn jeder Zweig des nicnschlichen Wissen« in die armen, dürre Lesestnnde gefüllt werden kann. DaS Lesen ist ihneir ja auch leicht gemacht worden. Wie bei der/ Wortthcilen und Satzgliedern die Tonstärke (der Accent) zu beachten, so sind auch einzelne Par- Ihren in den ganzen Lescstückcn besonders zu' acccntuiren, damit der Ton seinen Unterschied zwischen Haupt - und Nebensache hervor treten laste, und den Geist auö den schwarzen Zeichen vernehmbar herauSbeschwörr. Gleich- und Eintöniges ist j das Geistlose; stillstchendcS Wasser birgt Moder und Fänlniß; ein rauschender Bach ist ein treues Bild deö geistesfrischen Lebens. Dieses Bilv läßt sich aber ebensowohl auf den Lesestoff alS auf den Leser anwendcn. Ein flau, faul und geistlos geschriebenes Lefcstück bietet der Lesckuust wenig Kraftanstrengufig, noch weniger Nahrung und daher gewiß nicht viel Interessantes und Anziehendes. Mau sagt daher mit Recht: in diesem oder jenem Lrseftücke liegt viel oderwenig Lescton, und daran erkennt man den mehr oder minder befähigten Schriftsteller, zumal für die Jugend. Im „Tobias Witt" von Gugel - (dem teilt- und tonvollcu Stilistiken) ist viel Lescton, desgleichen in den Lescstückcn: „Die Rache des Redlichen," „die Posaune deü Gerichts," „die NcujahrSnacht 'eines Unglücklichen," in den Fabeln von Lesting, in den Gedichten von Bürger n. s. w. u. s. w.; das hieraus sich ein Gradmcstcr für den Werth eines Lesebuchs ergibt, ist klar. Richtet sich in dem Vorigen unsere Ausmerlsamkeit vorzugsweise auf die Tonstärke in der Aussprache, so bezeichuct die Melodik die Tonhöhe und Tiefe, wie den Klang der Stimme überhaupt. (Man kann von einer Tonart beim Lesen sprechen). Zn der untern Stufe war die Rede von der reinen Aussprache der Laute und Wörter. — Auch hier hat wiederum jedes Wort, jede Satzart, wie jede Stilgattung i eine eigene Tonart. Von tiefer Seite ans bietet unser Fach die meiste Schwierigkeit: Verstand und Geschmack wetteifern um den Vorzug und in ihren Dienst treten , Beobachtung, sowie Nach' nelodische Lesen darzustcllen. im Dienste der Kunst ihr Jndeß, mag das auch für nntruSgesetzte Prüfung, Uebung ahmung guter Muster. Man hat versucht durch sinnliche Zeichen, als Noten, Zählen, Wellenlinien re., das ES läßt sich solchen Versuchen .Verdienstliches nicht absprechen, daö Sahlescn dem Lernenden wie dem Lehrenden eine Erlcichtcrnng deö Verständnisses bieten, im Ganzen bleibt derartige sichtbare Darstellung höchst niangrlhaft, da, wo Ohr und Geschmack unterscheiden und sich -bitten sollen. WaS nützen, um ein ähnliches Beisp cl anznführen, dem Schüler der englischen Sprache all die Abbildungen und Regeln über Mundstellung bchuiS der Aussprache des Gnzlischcn. Jeder Lehrer strebe immer Besseres zu leistest; in der Schule mach« crS, wie die alten Vöäcl, die unverdrossen eS im Fliegen und Singen den Jnnzen vorthun; so oft und so lange werde; wiederholt, bis gut geht; für den Lehrer tritt aber noch die zu empfehlende Erleichterung ein, daß er die fähigeren Schüler es den schwächeren zuweilen kann vormachcn lassen DaS dritte Glernent des euphonischen Lesens hat die Bewegung, nämlich das Zütr iaß oder den Rhythmus zum Gegenstände. Bei der VcrSlihrc haben - die verschiedenen Elemente, als Tonstärke- und Schwäche, Tiefe und Höhe, und Zeitmaß vielfache Verwechselung und mannigfache Verwirrung der Begriffe hervorstcrufen, (worüber ausführlich und klar in KleinpanlS Poetik). Zum AuSsprcchcn der Silben und Wörter bedaif n verschiedener Zcitlängcn. — In dem Worte .Krankheit" vird die letzte Silbe znm .AnSsprechcn unstreitig an und für. sich so viel und noch mehr Zeit ersorecrst, als die Erstl re, diese hat aber dennoch die Tonstärke. Bei d.n Leseanfängen sichen die Sebüler gewöhnlich alle Selbstlaute, mitbin all Silben gleich lang, wogegen der Lehrer von vornherein b harrlich cinznschrciten hat, indstm er beständig darauf hin vcise, wie man richtig spricht.! Das rhythmische Lesen hat auf die Pausen, die Satzzeichen, Schcidezcichcn der Gedanken — Gcdankenordncr — zp achten. — Manche Lehier haben ans den ersten Lese-, shlfen das Zählen cingeführt, bei Komma nämlich l, bei Strichpunkt 2, Punkt, Fräste- und Ausrufezeichen 'S. ÄieS Verfahren ist nicht ohne gstten Erfolg geblieben; indest darf der Schüler sich der Knickst nickt langt bedienen. Den Inhalt der Lesstftücke bedingt zudem noch eine rschiedene rhythmische Bewegung im Vorträgen. Auch erbei läßt sich da« Bist» eines Flusses oder BacheS, der ld mit schäumenden Willen Felsen laut und rasch durck)-. rstuscht', bald durck ebstne Fluren und «Wiesen zwischen stachen Ufern ruhig fließt, anwenden.

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