Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 14 (15.7.1862)
- Date
- 1862-07-15
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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102 f und rechten Vollbringen!, das die Jugendbildung emporrichtrn soll und will-, ich erhebe, auf baß es in seinen Grnndvcsten nimmer nankc, und sich in seinen wohlgemaucrtcn Hallen furcht- und gefahrlos wohnen lasse. Ohne oder gar wideri sie tberd: nichts gelehrt u.nd gethan, aber von ihr getragen,». auf hr fußend, werde dem jugendlichen Geiste jr^ nach seinen in rcren Fähigkeiten und äußeren Verhällnisicn die möglichst reiche Fülle alles dessen einzepflanzt, waS seinen Gesichtskreis enveitern, feine Denkkraft erhöhen, seinen Sinn für Vollkommenheit und Schönheit veredeln kan«. So werde der Tempel des Wahren, Guten und Schönen von der sicheren Hand göttlicher Lehre fest begründet, dmch weltliche, jedoch nicht vcnvcltlichte, fremde, aber nicht entfrknwete Visicuschaft in seinen Räumen immer prächtiger auSgesi >mückt und reicher vollendet, eine weihevolle Stätte, zu der Gott spricht: Ich habe^Lust an ihr. (Jcs. 62, Das wird unzweifelhaft eine weit, mehr naturgemäße Erziehung bezwechen, denn die z. B. in Roufseau's Emil als die allein richtig« gepredigte; deim während diese vor lauter Folgsamkeit undlFügsamkeit gegen die (niedere) Natur in ihrem Zanbkrkr^se gebannt bleibt, und statt eines wirklichen Menschenwcsi nS ein kaum menschlichen Anstrich etwa eine verddelte Thirrgestalt erdie auf das Ideal der Menschheit rcthode entschieden und durchweg an die seine Hoheit Und seinen Adel ausmachendcn himmlischen Kräfte in ihm, lpßt ihm zwar die von der Nalur gebotene Zeit sich gemacht zu tntfalten, verabsäumt cs aber nicht (waS dort so oftj als vorzügliche pädagogische Weisheit angepricsen wird), auch die geeigneten.Hebel anzulegen, um sie rechtzeitig sich! rtgcit und zur Blüthe und Frucht heranreifen zu lassen/ Wird diese religii s-rationelle (wie wir.sic nennen möchten) ErziehungSwcise >is zum Beginne dcS Jünglingsalters etwa consequcnt fortgesetzt, dann dürfen. (um auch diese 'fulminantesten Gegner derselben zu beruhigen) selbst die vor Allem an praktische Tüchtigkeit fürs bürgerliche Leben denkenden Eltern und Lehrer Letrost einem. glücklichen Erfolge auch in diesen: Betracht entgegensetzen; denn bei einem ganzen, geistig organisch gegliederten Menschen, wie er hier herausgebildet, in dun alle Seiten seines Wesens harmonisch entwickelt werden, wird es wahrlich? weit geringere Mühe losten, chn für irgend einen äußeren Beruf zu schulen und darin zu orirntiren, und -(was der unberechenbar höhere Gewinn dabei ist)- er wird in Demselben nicht nur eine triviale Krämer- und Handwerker-Seele, sondern mit humanem und aufgerichtetem Sinn,. der zugleich Privatwie Bürger- und allgemeine Menschcn-Tugendea umfaßt, eintragcndes Natunbesen, künstelt, wendet! sich Hingerichtete Erzi<^ungs treten; er wird stet» wissen, was er, diesen höheren Gesichts-! punkten entsprechend, soll und will, und wie er selbst vonj seinem Sein und Thun innerlich befriedigt, so wird^»uch die Außenwelt von ihm Fülle-des Segens ernten, es wird der treffliche Wahlspruch Rabbi'S (Ab. 2, 1) an dem so Erzogenen bewährt! werden: „Welches ist der rechte Weg, den der Mensch sich wählen soll? der an sich zum Ruhme gereicht, den, der ihn wandelt, und ihm auch eine Zierde wird bei. den Mitmenschen." — O wenn wir doch ein ganzes Geschlecht diesem Musterbilde Entsprechender erwachsen lasten könnten! Die zahllosen Wehen der Menschheit würden in eben so viele Wonnen umgcwandelt werden. Berlin, im Februar 1862. Dr M. Stet n. Lesen und Lesebücher. T. (Schluß.) *•! In dem richtigen Leseton vereinigt sich die Anwendung j aller Momente des euphonischen Lesens. Während dalogische Lesen seine Anforderungen an den Verstand richtet, wendet sich das euphonische Lesen an da» Gefühl, wenigstens i zum größten Theil. (Wissen — Kunst; verständlich —toni und taktvoll.) j Die "einzelnen Momente des euphonischen Lesens haben > zum Gegenstände der Beachtung: a) Die Tonstärke und Tonschwäche, hierdurch bedingte Hebstng und Senkung des Ausdrucks; Hervorhebung drö Einzelnen durch die Stimme; b) Melodie des- Lesens durch Tonhebung und Toasc nkung, durch reine Aussprache der Laute, Silb:n - und Wörter. — (Sprachgrsang);! c) den Rhythmus beim Lesen, die Beobachtung der Zeitdauer in der Aussprache, — Dehnung und Schärfung, — Pause (Bewegung). I Das Erster« fällt thcilwcise unter die Regeln des logischen Lesens; die wichtigsten Bestandtheile^dcS Wortes, des Satzes und der Rede werden durch stärkere Betonung hervorgchoben. Hieraus entsteht gleichsam für jede Siloengattung, jede Wort- und Satzart, jeden Satzthcil die besondere Leseregcl. Im Allgemeinen wurden im Vorhergehenden hierüber Andeutungen gnuacht, und müssen wir von Speciellem, das in ein Lehrbuch gehört, Abstand nehmen. Hebungen zu den: angedeutetcn Zwecke fallen zumeist in die unteren Lesestufen, sollen in das Lesebuch für die Mittclklastcn hinübergehcn. Gleichartiges zum Wort- und Satzlrsen zusammengestellt, soll dem Schüler die Regel ergeben, ohne zum trocknen Regelwesen, für daS wir in kei-