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Der israelitische Lehrer · 1862-07-01 · 13 (1.7.1862) · p. Seite 99

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
13 (1.7.1862)
Date
1862-07-01
Page
Seite 99 (sequence 7)
Language
German
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99 ft Rücksicht auf die vorhandenen Umstande, darauf ausgeht, diese Zurückziehung von den Angelegenheiten, de- Staates und der Nation, als wahre religiöse Gesinnung zu empfehlen ... . In der regelmäßigen Ordnung soll das irdische Leben selber wahrhaftige- Leben sein, dessen man sich erfreuen, und daö man, freilich in Erwartung einehöheren, dankbar genießen könne; und obgleich eö wahr ist, daß die Religion auch der Trost ist dewiderrechtlich unterdrückten Sclaven, so ist dennoch vor allen Dingen Diereligiöser Sinn, daß man sich gegen die Sklaverei stemme, und, so man everhindern kan», die Religion nicht bis zum bloßen Trostedcr Gefangenen herabsinken lasse. — Dem Tyrannen steht rS wohl an, religiöse Ergebung zu predigen, und die, denen er auf Erden kein Plätzchen vcrstatten will, an den Himmel zu verweisen; wir Andren müssen weniger eilen, diese von ihm empfohlene Ansicht d.r Religion uns änzucignen, und, falls wir können, es verhindern, daß man die Erde zur Hölle mache, um eine desto größere Sehnsucht nach dem Himmel zu erregen." „Der natürliche, nur im wahren Falle der Noth anfzugebende Trieb des Menschen ist der, den Himmel schon auf dieser Erde zu finden und ewig Dauerndes zu verflechten in fein irdisches Tagewerk; das Unvergängliche im Zeitlichen selbst zu pflanzen und zu erziehen — nicht bloß auf eine unbegreifliche Weise, und allein durch die, sterblichen Augen nndurchdrmgbare Kluft mit dem Ewigen zusammenhängend, sondern auf eine dem sterblichen Auge sichtbare Weise." — Wir Juden mögen unü freuen, daß diese philosophische Lebcnöanschauung die unserer Propheten war und stets in Israel die herrschende blieb; und daß unsere Lätcr selbst im Mittelalter, bei dem tiesgewnrzellen Glauben an die geistige Scclcnfortdauer, dennoch in ihren Gebeten immer weit mehr die Hoffnung auf Widcrcrlangung eines dicffcitigen Vaterlands ausjprachen, ist ein erhebender Beweis, daß auch von dem schrecklichsten Drucke eine gesunde Anschauung von diesem Leben unv seiner Bedeutung unter uns nie vertilgt werden konnte. Umschau. Sicherem Vernehmen nach hat sich der israelitische Ausschuß der Pfalz, die eben stattfindcnde Sitzung des LandSrathS benutzend, an die König!. Regierung gewandt mit der Bitte: - das neue Schul^ fetz vom 10. November 1861 auch auf die iörael. Lehrer anwendbar zu machen und nach Art. 1 desselben die politischen Gemeinden zur Uebernahme auch der Israel. Lehrcrgehalte zu veranlaffen eventuell aber, und wenn dies zur Zeit, noch unthunlich wäre: den Israelitischen- Gemeinden und Lehrern die durch -Art. 3 deffclben Gesetzenöthig werdenden Zuschüffe zur Lehrerbesoldung au- KreiSmitteln jtf gewähren. Nach Art. 4 hat der Lehrer in Gemeinden über 10,000 Einwohner fl. 500 von 2500 -10,000 Einwohner fl. 450, von 2000—2500 Einwohner fl. 400, bei geringerer Scelcnzahl — fl. 350 zu beanspruchen. Bei hcn wohlwollenden Gesinnungen, welche die Pfälzische Regierung, der Landrath *) und die politischen Gemeinden gegen die iSrael. Schulen und Lehrer bereits bethätigt haben, dürfte auf einigen Erfolg zu hoffen sein." — Authentischen Mittheilungen zufolge hat der Kaiser von Rußland -die Projekte depolnischen. Staatsraths über Schulreform und Verbeffcrung der Verhältnisse der Israeliten in Pole» genehmigt. 1 — In der Sitzung vom 3. Juni hat die erste Kammer in Bade» den Gesetzentwurf, die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten betreffend, berathen. Der Minori- ' tätSantrag wurde mit allen gegen 4 Stimmen verworfm,! das Gesetz mit allen gegen 3 Stimmen angenommen. — Der Bankier, Bischofshcim in Paris hatte in sei-; nein und seiner Frau Namen der Leioiäts du Prince Imiverial ein Geschenk von 50,000 Frcö. gemacht, mit Beifügung des Wunsches, daß in dem Obcrrathe dieser Gefcllschgft, wie dessen jetziges Personal andcute, das katholische Element nicht ausschließlich vertreten werden möge. - Die Kaiserin hatte an ihn hierauf ein sehn huldvolle» Schreiben ergehen lassen, das die Versicherung^ ausspricht: „daß rer Oberratb, wie sie, — die Kaiserin selbst^— von dem Geists der Toleranz und der religiösen Freiheit, auf die Sic Mt Recht einen so großen Werth legen, beseelt ist; Sie kßnnen also versichert sein, daß Ihr grvßmüthigr- Geschenk Ihren Absichten gemäß seine Verwendung finden wird." -i- Laren Rothschild ließ unlängst seinen Micthleuten in seinen Häusern in einer Straße zu Paris unvorbereitet . ein Schreiben zugcbcn, daß der Mietpreis von da 'ab um die Hälfte herabgesetzt sei. Keiner det Miether hatte um Ennäßigung Ungehalten. Man erfuhr, daß in einer Gesellschaft kurz vorher die Rede davon war, daß die Mj^ zu th:uer und für einen groß«, Thcil der unvermögenden , Bewo )ncr drückend und fast unerschwinglich wäre, daß eine Htralsctzung im Interesse der öffentlichen Wohlfarlh höchst «rivmscht wäre. „Da werde ich den Anfang machen müssen," sagte der Herr Baron ,„da ich einer der größte Gutsbesitzer vrjn lZaris bin;" und die Folge war obiger Schritt. Die geschätzten Leser wissen vielleicht, daß derselbe ein eigene» *] D. s. Vertreter der Interessen des Sreijes, aus dem Volke grj wählt, die der Sgl. Negierung berathcnd und di« Gelder bewilligend zur Seite leben. i

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