Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 13 (1.7.1862)
- Date
- 1862-07-01
- Page
- Seite 98 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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98 Jndenthum», unterscheidet fich schon darum von jenm Lehranstalten, die wir al» Wächter der Fiusterniß vorzugsweise bezeichnen können, daß sie Wissenschaft und Fortschritt in der pädagogischen Lehrweise, in der methodischen Behandl»»g nicht auSschließt, oder als „ Teufe lSwerk" bezeichnet. Zn der jüdischen Schule finden wir überall Anregung zum' . Denken, Freiheit in der Behandlung. Der Verfasser vorliegender Schrift hat in seinen Programmen theilweise dtn fortgeschrittrnsteu pädagogischen Grundsätzen gehuldigt; sagt in der Vorrede zu dieser Schrift: Dir Schule der Gegenwart hat kein geringeres Ziel, als Erstrebung derVolkskultür. — Fortschritt, wie auch immer ausgrfaßt, ficht auf ihrer hoch, empor gehaltenen Fahne, Wissenschaft heißt ihre Parole. Das vorliegende Büchlein gibt 105 Aufgaben zum Uebersetzen aus dem Deutschen in's Hebräische und umgekehrt. In diesen Aufgaben werden die Fürwörter, EigenschaftS-, Haupt- und Zeitwörter mit ihrer Formveränderung geübt. Die Worte sind meistens dem i. Buche Moses entnommen; angehangt sind Paradigmcntafeln und ein Vocabularium desielben Buches. Da» Ganze wird für diejenigen Lehrer, welche ein UebungSbuch für die hebräische Sprache zwischen dem Lesen und Uebersetzen einschicben, oder neben der B belübersetzur.g hergehen lassen, rin vorzügliches Hilfsmittel für die Hand der Schüler sein. — Ueber einige unbedeutende Einzrlnheitezi, die wir noch auszusctzen hätten, «ollen wir schon darum nicht sprechen, weil über subjektive Ansichten sich uicht fttcitrn läßt. Correspon-enz. ** Frankfurt a M.' Johann Gottlieb Fichte, der unsterbliche Berfasier der „Reden an die deutsche Nation," ist jetzt in Aller, Munde, und bei der im hiesigen, „freien deutschen Hvchftifte" (für Wissenschaften, Künste und allgemeine Bildung) am jüngsten Sonntag zur Feier von Fichte'« hundertjährigem Geburtstage stattgehabten Festsitzung hat sich auch Rabbiner Stein mit einer Rede bctheiügt, worin Sr die Verdienste des Verewigten als deutschen Mannes, als des Demosthenes seiner Zeit, würdigte, und, wie Ihnen die öffentlichen Blätter bereit» gemeldet haben, die Begcistrrilng der 'zahlreich' versammelten Zuhörer im hohen Grade hervorricf.' — Die patriotische Rede befindet sich bereit« unter der Presse und wird gewiß auch Ihnen mitzetheilt werden. — Fich tr verdient übrigens insbesondere auch in jüdischen Blättern gefeiert zu werden, da sein rrligionöphilojophischer Standpunkt, sich weit mehr der mosaischen, al« der christlichen Anschauungsweise nähert*).) Seine Lehre von dcp Hervorgehen und Sein aller Dinge aus und in dem Geiste und dessen Unveränderlicher „Ichheit" ist ein *J Getj übrigrr.e auch rin gat Tprili-n^^->gkpfl«g t und tclbst geäußert baten? I treuer Spiegel de» mosaischen „Anochi“ und „Ehjfe ascher Ehje“; seine Lehre vom „Leben" — daß dieser nur als ein seliges, al» ein — Sein und Weben im Ewigen und Unvergänglichen, Leben zu nennen sei, indem es sich sonst al» Scheinleben, als ein Sein und Hangen am Endlichen und Vergänglichen, nur als ein fortwährendes Sterben kundgebe, ist vollständig das mosaische „Chajim,“ mit dem trefflichen Commcntare^deS Talmuds: „Die Gerechten heißen im Tode noch lebend, die Frevler heißen im Leben schon todt." — Am Meisten tritt dieses aber dort hervor, und steht Fichte ganz auf dem altbiblischen Boden, wo er gegen die Bcrjcnseitigung dcS ErdenlcbcnS und für die Bedeutung desselben, als eines intcgrirenden TheileS der Ewigkeit, auftritt. ES möchte daher für die Leser dieser Blätter nicht ohne Interesse sein, über diesen wichtigen Gegenstand folgende Stellen älls der achten Rede Fichtcs an die deutsche Nation zu vernehmen: „Die Religion," sagt er, „wie wir dies schon in unserer drittcn Rede angemerkt haben, vermag durchaus hinweg zu versetzen über alle Zeit und über das ganze gegenwärtige und sinnliche Leben, ohne darum der Rechtlichkeit, Stttlichkcit und Heiligkeit des von diesem Glauben crzriffcucn Lebens den mindestens Abbruch zu thun. Man kann, auch bei der sicheren Ueberzeugung, daß all unser Wirken auf dieser Erde nicht die mindesie Spur hinter sich lasse und nicht die mindeste Frucht bringen werde, ja, daß das Göttliche sogar verkehrt, und zu. einem Werkzeuge des Bösen und noch tieferer sittlicher Verderbniß werde gebraucht werden, dennoch sortfahrcn in diesem Wirken, lediglich, um das in uns ausgrbrochcne göttliche Leben aufrecht zu erhalten, und in Beziehung auf eine höhere Ordnung der Tinge in einer künftigen Welt, in welcher nichts in Gott Geschehenes zu Grunde geht. So waren z. B. die Apostel, und überhaupt die ersten Christen, durch ihren Glauben an den Himmel schon im Leben gänzlich über die Erde hinweggesctzt, und die Angelegenheiten derselben, der Staat, irdische» Vaterland und Nation, waren von ihnen so gänzlich aufgegcben, daß sie dieselben sogar ihrer Beachtung nicht mehr würdigten. So möglich dieses nun auch ist, und so leicht auch dem Glauben, und so freudig man auch sich darein ergebm muß, wenn es einmal unabänderlich der Wille Gottes ist, daß wir HEcitt irdisches Vaterland mehr haben und hicnieden AuSgesteßene und Knechte seien" (— Wer denkt hier nicht an unsere unglücklichen Väter im Mittelalter? —) „so ist die» dennoch nicht der natürliche Zustand, und fcir Regel dcS Weltganges, sondernde« ist eine seltene Ausnahme Auch ist cS ein sehr verkehrter i-Grbrauch der Religion, der unter andern auch sehr häufig! vom Christcnthume gemacht worden, wenn dieselbe gleich W vorn herein, und ohne.