Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 13 (1.7.1862)
- Date
- 1862-07-01
- Page
- Seite 96 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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96 das Werk geistiger Impotenz; eine Freude, die einzige, welche mau der Kritikastern getrost überlasten darf.- Für das ctfle Schulbuch unseres Fachemögen die gemachten Anddutnngrn und Bemerkungen genügen; über das Lesebuch für dir Mittel- und Oberklaffe in Folgendem unser« Anlicht zur Prüfung ausgesprochen fein. Das Lesebuch in den drei Abtteilungen, für die untere, mittlere und obesr Kläffe, ist durchaus nach dem Stufengange und der Einrichtung der meisten Elementarschulen geboten, und bedarf dieseEinthieilung wohl keiner weiteren Auseinandersetzung noch Rechtfertigung. Ein Lesebuch nach Fachern, der Schule so verabreicht, daß jetzt ein Bändchen Biographien, dann eins aus der Naturgeschichte, dann aus der Länder- und Lölkerkundc rc rc. dargtboten wird, mag in seinem ganzen Umfange ein gutes Auch zum Lesen sein, aber nimmer ist eS ein gutes (Schul-) Lesebuch, und wenn es das Beste und Schönste aus der Literaturzusammengestellt hätte. WaS oben in Betreff des logischen Prinzips und in Rücksicht der verfchiedcnen Stylgattungen^ die das Lesebuch nach dem Fortschritte vom Lüchten zum. Schweren, dem Einfachen zum Zusammengesetzten bieten muß, gesagt ist, reicht allein zur Begründung dieser Ansicht hin. Jffdeß ist auch das Lesebuch in den eben angegebenen drei Thülen nur als ein engvcrbundencö Ganze "zu betrachten; der folgende Thcll muß fick naturgemäß und lückenlos an Idem Vorhergehenden anschlicßcn und gleichsam die Fortsetzung bilden. Das logische Lesen bezweckt die richtige Auffaffung des Einzelnen im Leseftückc, — das Zusammcnfaffen deS Einzelnen zu einem Ganzen, — das Vcrständniß der Beziehung deS Einzelnen zum Gnmdtone, dem Texte oder der Uc-" berschrift des Stückes, ferner die Zusammenstellung dcö Gleichartigen, Trennung des Ungleichartigen und deS Letzteren logische Beziehunze« zu einander. Hierbei ist deS Schülers Aufmerksamkeit besonders citf "die Ucbcrgänze in den Lesjestück.nzu lenken. — Jeder Lehrer wird die Erfahrung gewacht haben, wie sckwer.es gewöhnlich dem. Schülcp wird, in den' Aufsätzen die richtigen nnd paffenden Ucbergäingc zu finden. — Das Lesebuch muß so angelegt sein, daß der Lehrer, der beim Leseunterrichte eben gedachte Zwecke verfolgt, unterstützt wird; daß das Lesebuch auch in keinem Stücke den Gesetzent der Logik widerspricht. Di^e Zwecke bedingen aber auch zu ihrer praktischen Lösung den Fortschritt des Lesestoffes 1. in Beziehung der Faßlichkeit nach dem Alter und dem Standpunkte . des Schülers, 2. ihres Umfange«, — der llcberschaulichkeit und 3. die Rücksicht' der' Stylgattung. Eine Stylgattung bietet der Auffaffung dxS Schülers weniger Schwierigkeit, als eine andere. Fündie untere Stufe eignen sich vorzugsweise Erzählungen, Mährchen und Beschreibungen, letztere aus dem Anschauungsweise de« Schüler«; didakttfche Aufsätze sind mehr für die gerciftseren Schüler (für die Oberkläse) zurückzuhalten. Ucbcrhaupt richte sich der zu verarbeitende, bildende Stof nach der AuffaffungS- und Arbeitskraft des Schülers stetig fortschreitend und zwar?, (wenn hier ein Ausdruck au l der Geschäftswelt gebraucht Werder darf) nach des Stof es Qualität und Quantität. Daß dem Schüler von acht Jahrcy nicht so viel bildliche und abstrakte Ausdrücke im Lesestoffe begegnen dürfen, als dem 12 — 14 jährigen, vird jeidcr Pädagoge cinschen. - In Anw mdung des poetischen Lesestoffes scheinen die meisten Mißgriffe gemacht zu werden. Diese Darstellungen müffen, sclbstv:rständlich durch das ganze Lesebuch vertheilt, am angemcsscr en Platze, ihre Stelle finden. — Das kleinere Gedicht ist dämm nicht das dem Inhalte nach faßlichere, und viele Produkte ans diesem Bereiche werden für Kinder ausgcgeben unt sind nichts weniger als kindlich — verständlich, — weil das Ungereimteste zusammen gereimt und geleimt ist. Dii Dichtkunst ist eine hohe Gabe, die Blüthe eines stets jugendlichen GemüthS; den wenigsten Züchtern aber wird sie zum Orakel, zur Naturoffenbarung für die Jugend, der nur das Schönste und Beste gereicht werden darf. Was hierin Hoffmann von Fallersleben^ Lückert, Ustcri, Uhlanh, auch Krummachcr, Güll, Pfeffel je. geleistet haben, ist leicht zu erkennen, wenn man dagegen vergleicht z. B „die Reis: um die Welt: Und als er so auf der Wiehe saß und im weichen Grase hatte auS^eruht, da ward ihm luftig und wohl zu Muth" — oder: „Bon dem Hahn. D<r Hahn in seiner Tonnen thnt herzhaft einen Schrei, da kommen alle Hennen, geschwind, geschwind herbei" rc. Bor Allem darf hier das Volkslied und das Sprüchwort nicht vergeffen werden. i Auch die Gedichte fallen ihrem Objekte nach in oben angegebene Gattungen des Lesestoffes: es gibt erzählende, beschreibende, didaktische Gedichte u. s. w. Die Eintheilung deS Le'ebuchS in einen prosaischen und poetischen Theil, wie bei Masius, Bone, Wackernagcl und Anderen formen wir auS mehrfachen Pädagogischen Gründen nicht autheißen, am wenigsten für die Elementarschule gelten laffsen. Jede Altersstufe hat ihr poetisches Element, jede Lisestnfe ihren poetischen Lesestoff. Das Lesen poetischer Darstellung muß ja auch vom Leichten zum Schweren, voms Einfachen zum Zusammengesetzten geübt werden. — Das Lesebuch muß Abwechselung bieten, wie im Leben Prosa mit Poesie abwechselt; wie in den Tagen des Jahres die Sabbath- und Feiertage nicht zurückgehalten erst später auf einander folgen, sondern zur Abwechselung, I