Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 13 (1.7.1862)
- Date
- 1862-07-01
- Page
- Seite 94 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Stufengantz der Gedanken, Gesinnungm, Entschlüsse und Traten mit Math und Entschiedenheit ju wandeln. Auf «neu solchengöttlichen Jmpnlr denken zuvörderst die dunklen (in Sagen und Mythen ausgeprägten) Erinnerungen aller cultivirteu wie uncultiyirtcn Völkerstämme jeglicher Zeit und-Zone aus der Periode ihres KinderlebenS, die sämmtlich, so «eit sie. immer in einzelnen Ausmalungen von einander -abwcichen und in'S Ungeheuerliche auSarten mögen, b^ch darin Übereinkommen, daß sie nicht nur ihr, wie auch oder. entartetes Gottesbewußtsein, sondern auch ihre kleinen und großen Erfindungen und Entdeckungen .auf matersellem oder intellcctucllem Gebiete zumeist mittelbar oder unmittelbar göttlicher JttspirLtion zuschreiben; cS deuten daraus ferner, und spcciell in Bezug auf die Heiligung de- Menschenlebens durch wahren Gottesglauben und reine Gottesverehrung, die heiligen Urkunden unserer Nation, de nicht erst bet.Abraham und Mosch, sondern schon von kldam her den vertrauten Verkehr des Menschen mit der Grttheit bekunden; eS beweisen die Nothwendigkeit desselben endlich insbesondere die augenscheinlichen Erfahrungen an unglücklichen Menschcnnaturen, die, von erster Kindheit an auS allem Eonner mit Wesen ihrer Gattung gekommen oder absichtlich gebracht, zwar thicrische Fähigkeiten und Begierden in stärkstem Maße ausgebildrt, von eigenüich menschlichem Fühlen, Denken und Thun hingegen auch nicht die entfernteste Ahnung zeigten. (Hauser, das wilde Rädchen in Frankreich, u. A.) Es gewinnt darob der fromm« Ausspruch des königlichen Sängers: Don dir Laben-wir ja Alles, und nur von Deinen Gaben weihen wir Dir(1 Chron. 29,14 ), für uns ebenfalls (wieder am Anang von ^koheleH angeführte) den weitumfaßcndrn Sinn: daß wir incht nur alle Güter und Kräfte aus des Schöpfers Hand haben, sondern auch ohne Sein unmittelbares Znthun, C eine thätige Beihilfe und Aufrichtung zu irgend welchem ve künftigen Gebrauche derselben völlig untauglich gewesen wären, daß -Er darum nicht allein unser Vater und Versorger, sondernzugleich unser Lehrer und Erzieher sei, der uns ar f Händen trägt, wie der Erzieher dem Zögling es thut. (Nm. 11, 12 ) - So ist denn Gott (wie schon Lessing, wenngleich nicht entschieden genug, diesen Gedanken ausgesprochen) im strengsten und eigentlichsten Sinne des Wortes der Erzieher und Bildner der MeUschensöhne, sind sie nicht blos Seine Kinder und Pfleglinge, sondern Seine Schüler und Zöglinge, die ohne Seine, des' Meisters, Anleitung und Anweisung auch nicht das Alphas wirklich menschlicher Existenz entziffert haben würden, lind welch' liefere und erhebendere Bedeutung erhält von diesem Gesichtspunkte aus das, von Menschen vollbrachte, Geschäft der -Erziehung! Der Pädagoge ist danach nicht, wie man auch Heut noch, wennschon Gottlob nicht mehr so häufig wie ehedem, die Ansicht vertreten findet, ei« bloßer Gehilfe oder gar Diener und Miethling der Eltern, deren größere oder kleinere Lücken in dem ihnen obliegenden Erziehungswerke er mit seiner Kunst auszufüllen beauftragt; vielmehr wie jene in leiblicher, so ist er in geistiger Rücksicht der Stellvertteter und Bot, des himmlischen Erziehers selbst, dessen edelstes Schaffen er in seiner Sphäre fortzuführen berufen, dessen Thun darum vor, dem aller Anderen das schöne Motto an der StirUe trägt: all dein Werk geschehe im Namen des "Himmels (Ab. 2, 17) und dem deshalb, nach dem Grundsätze, daß der Bote dem Sender gleich zu achten, auch nicht mit Unrecht gleicher Respcct wie Gott selbst vindicirt wird (Jb. 4, 15.) Aber andererseits entsprechen (wie oben auch schon angedeutet) selbstverständlich großen Rechten und Würden auch nur gleich große Pflichten und Leistungen, und der Erzieher wird nur dann den Ehrennamen eines solch, n verdienen, wenn er sich der Erhabenheit seiner Ausgab« völlig klar bewußt und von dem feurigen Willen durchglüht ist, alle seine Kräfte an die möglichst vollendete Lösung dersclk en zu setzen. II. Welches'haben wir nun wohl als dies Hoibziel zu erachten, auf das der Erzieher, wie der Seefahrer nach den Divskuren und anderen HimmelSzeichen, unverwandt zu blicken und danach fein Steuer zu richten hat? Suchen wir, ehe wir eine bestimmte Antwort auf tiefe wichttge Frage ertheilcn, uns zuvor durch einen flüchtigen Rundblick im Bereiche der Erziehunzsgeschichte etwagenauer zu orientircn. Die verschiedenen Nationen sowohl als die PH losvphen, Thcologeu und Pädagogen alter und neuerer Zeit haben für das hier aufgeworfene Problnn die allerabweichendsten Lösungen producirt. Der Morgenländer erzog von Jahrhunden zu Jahrhundert zu nichts Anderem als zum Gehorsam gegen die uralte Sitte und diejenigen, welche mit deren Uebrrwachung und Bcschützung betraut waren: Patriarchen und Emire, Schcikhs und Paschahs, Priester und Könige, in welchen größten Kreis alle die kleineren LebenSsphären als untergeordnet und nebensächlich eingeschlosscn wurden. — Den elastischen Völkern (des Abendlandes) schwebte als Ideal ihrer Menschenbildung die Erziehung für den Staat vor, der in ihren Atigen als der allein Berechtigte galt, in dem die Individuen völlig auf gehen müßten, und demgemäß waren es hauptsächlich oder ausschließlich die Tugenden des freien Bürgers (so weit jene Schranke die freie Bewegung des Einzelnen ohne Schaden der Msammtheit zülicß) : ManneSmnth, Opferfreudigkeit für das Gemeinwesen rc ,> die dem Heranwachsenden Geschlecht in die Seele geprägt wurden. Bei Manchen unter ihnen ward das Prtncip so cvn-