Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 13 (1.7.1862)
- Date
- 1862-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jährlich 42 Rum« er» <ua 1. und 15. jede« Monats. Preis i Thlr. oder S4 kr. halbjährig. Der srselülscke Anzeigen zu 3 kr. »de» 1 Lgr. die Petit,eile. vestellungeu nehme» alle Buchhandlungen und Postämter an. Ein Organ für die Schule, die Familie und das Gemeiudelcben des Ludcuihums. Herausgegeben t V VN I. Klingenstein, Ignaz Lehman« und A. Streik. N°. 13. Mainz, den 1. Juli 1862. Grdaulea über Würde und Gnmdprmcip der Erziehung. „Ein Geschlecht geht, ein anderes kommt, so besteht die Erde (Menschenwclt) für immer fort." Ob wohl der alte Prediger.beim Ausspruch dieses Satzes geahnt haben mag, 1 daß er darin ein wcitgreifendeS pädagogisches Axiom erschlossen? Und doch ist ein solche» in seiner Tiefe sicher verborgen. „Geschlechter gehen und Geschlechter kommen:" Sind jene durch ihren Heimgang aus dem Erdcnthale auch auf ewig aus dessen Bereiche geschieden? Läßt doch die, alles Existireude mit Weisheit nutzende GottcSnatur selbst den Staub ihrer abgeschiedenen Leiber nicht spurlos dem Verderben anheimfallen, sondern auL ihren Gräbern herauf noch Gräser und Blümlein Nahrung ziehen; wie viel wcniger^könnte es dem, die-Menschheit leitenden, Gottes- Geiste gefallen, daß der Strom menschlicher Cultur» Gesittung, Rechtsbildung, Religiosität rc, den das vorangegangene Geschlecht angeschwrmmt, mit dessen Abtreten von der Weltbühne versiege, und stets ein neuer Quell nöthig werde, um _ durch gewaltige Kraftanspannung wiederum zu einem mächtigen Gewässer anzuwachsen? Nein, daS leiblich verschollene Geschlecht lebt geistig in dem nächst- und allen weiter nachfolgenden fort, eS bildet eine Staffel auf der (hohen und steilen) Leiter, mittelst deren daü Menschengeschlecht die Höhm der ihm vorgesteckten unermeßlichen Aufgabe immer kühner und rüstiger erklimmen, sich in stets erhöhetem Grade der an des WeltenmeisterS Stelle geübten Herrschaft auf der Erde fähig und würdig machen, und zu einer Saat heranwachsrn soll, die, ob des an Gütern des Geistes und Herzens gesammelten ReichthumS, eine wahrhaft Gottgesegnete genannt werden, könne. (Jes. 61, 9.) Dieser Staffeln sind unzählige, bald von größerem bald von minderem Abstande, je nachdem das Zeitalter stärkere oder schwächere Kraft und Ausdauer in seinem Aufschwünge entfaltet ha; wer ist cs aber, der den ersten, nachhaltigsten Anstrß zu diesem unaufhörlich sich fortwälzcnden SiegcSgange der Mensch selber wahrlich der Menschheit gegebne? Denn I er ist (so selten auch hieran gedacht, und wenn darauf hingcwiescn, daran geglaubt werdiescn einmal begonnenen Weg, unsäglichen Kreuz- und Quergängen, immer weiter fortzusetzen, ihnaber aus eigener den mag) wohl befähigt, und auch da» nur unter Kraft anzutretcn ist er so venig angethan, als ein neuge- oder besser von Oben her sich aus der Thierheit, in borncS Kind auf eigenen Füßen zu stehen und für seinen Lebensunterhalt zu sorgen vermag. Keim und Anlage zu Verstand, Vernunft, Phanta sie und einem denselben gemäßen materiellen und geistigen Streben sind allerdings ursprünglich in ihm vorhanden, jcdl ch so wenig er mit dem schärfsten Ohr und Auge daS Mindeste vernehmen und erblicken kann, so lange nicht die Wellen der Luft schwingend an jenes schlagen und die Strahlen des Licht« in dieses dringen, so wenig vermag er auch ohu! eine trcibcnve Kraft von Archen, .feine Schwingen zu heben und der ihn fein erstes Auftreten in der Welt findet, zu einem irgend menschlichen Dasein emporzuheben. So langen wir denn mit unserem Forschen über die Entwicklung menschlicher Cultur an derselben Stelle an, zu der auch die Betrachtung der Natur uns hinführt ( bei der Frage nämlich: Wo in der Quell und Urheber all' der Begebnisse und Gestaltungen, die sich vor unseren Augen enthüllen? Und wir das Räthsel ein gleiches, so kann auch die Lösung nur eine utu> dieselbe sein: ES ist der Geist aller Geister und alles FlencheS, der Schöpfer des Hioimclö und der Erde, der in das geistige Auge des Menschen den Strahl Seines ewigen Lichtes fallen ließ, daß daS Bewußtsein seiner höheren Würde ihm! aufzing, nnd er nun, so erwacht aus seinem GeisteSischlummer, den Drang und auch da« Vermögen in sich rege fühlte, den auswärts strebenden