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Der israelitische Lehrer · 1862-06-15 · 11/12 (15.6.1862) · p. Seite 91

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
11/12 (15.6.1862)
Date
1862-06-15
Page
Seite 91 (sequence 11)
Language
German
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in christlichen, seien sie Protestanten in katholischen, seien sie Teutschkatholiken in protestantischen Ländern— allen hat er gedient und wird er dienen — und nicht weil er zunächst einen ausgezeichneten Huden verherrlicht, sondern obgleich er diese« thut und demzufolge manches Vorurtheil zu überwinden hatte, ist er ein Kernbuch deS deutschen Volkes geworden indem durch ihn die Freiheit des Einzelnen — durch di« Freiheit Aller, und die Freiheit Aller durch die Frciwerdung deS Geistes, zum innigsten, unveräußerlichen Bewußtsein aller Deutschen gebracht wurde. — Demgemäß glauben wir, daß gerade bei der Verherrlichung eines so universellen Geistes, wie LesiingS, jede Besonderheit zurücktreten, und nur die Gesammtnation (oder, die Nation vertretend, eine besonders dazu berufene Stadt), das Werk vollführcn sollte, wobei es den Einzelnen unbenommen bleibt, sich nach dem inneren, besonderen Antriebe reichlicher zu betheiligen. —. AlL eine, den deutschen Israeliten — oder vielmehr den letzteren überhaupt — näher liegende Angelegenheit hat uns die, in dem betreffenden Aufrufe von Berlin enthaltene Idee zur Gründung einer Lessing- Mendelsohn'schen Stiftung, als eines lebendig fortwirkenden Zeugnisses der geistigen Verbrüderung jenes erhabenen DoppclgestirnS, lebhaft angesprochen. Um so mehr aber, meinen wir, sollte dieses von dem eigentlichen Leffing-Denkmal streng geschieden sein und bleiben. u m f eh a u. — Dr; PH. Iasfe ist zum anßerordcntlichxn Profeffor der Geschichte an der Berliner Universität ernannt worden. Ueder die Bedenken gegen seine jüdische Abkunst, die ihm bisher im Wege stank, ist man also doch jetzt hinweggekommcn. — Das Gesetz über das „RiedcrlassungSrecht* in Baden ist nun auch von der ersten Kammer angenommen worden; — es wurde jedoch dessen Faffung — nicht al« principielle Bescbränkung, sondern als Ermächtigung an die Regierung zur Wahrung der Interessen deS eigenen Landes — durch Einführung der Reciprccität gegen Nichtbadcner -reinigermaßen verändert. ' — Rabbiner Rosenfeld in Bamberg, der geachtete Nestor unter den aufgeklärten Rabbinen Bayerns, ein Mann von freiem Sinn und edlem Charakter starb im Alter von mehr als 80 Jahren. Er war der Verfaffer mehrerer vorzüglichen ' wiffenschastlichen und ErbauungSschristen. ^— Da« Bezirksgericht zu Landau hat mittelst Uriheil vom 14 April den Eid more judaico nach pfalzbayrischen Gesehen für unstatthaft, und nach der jüdischen Religion für unnöthig erklärt^ — In Frankfurt a. M. liegen Listen zur Einzeichnung für daS Leffingdenkmal bei hervorragenden Mitgliedern der jüdischen Gemeinde auf, hervorgernfen durch de« Aufruf des in Nr. 8 genannten jüdischen ComitöS in Berlin. — Ein deutscher Jude, Salomon, ist! jetzt, da der frühere Gouverneur in Folge de« Durchstechens der Misfisippidämme verunglückte, Gouverneur eines nordtmerikanifchen Staates, Wisconsin. Es wird wohl feit länge der erste und einzige Jude sein, dem die höchste Staatsgewalt irgendwo übertragen worden. r — Es ist von Interesse, insbesondere für unsere.preußischen Collegen, zu wissen, daß der hochgeehrte Lrhrerfreund, der die Petitton deS weftphälisch-rheinländischen Lehrerverein« zu vertreten versprach, Herr H a r k o r t, Vorstand in der Unterrichtscommiffion der gegenwärtigen preußischen Abgeordnetenkammer ist Auch Diestern,eg ist Mitglied dieser Commission , «ährend hie vorige Kammer so unentschieden war, diesen hervorragendsten Pädagogen der Gegenwart nicht einmal in die Unterrichtscommiffion zu wählet!, was man damals allgemein rügte, v. Mühler und Diesterwcg —welche Gegensätze! — Der jüdische Abgeordnete Dij. Kosch ist Vorsitzender in der GeschäftsordnungScommisschu, Commerzienrath Reichenheim Mitglied der Commissipn für Handel und Gewerbe; beide gehören der Fortschrittspartei an. — Folgende zwei Zeitungsnotizen möchten besonder» einander gegenüber gestellt von einigem Interesse sein: Marburg. Bei einem lutherischen Missionsfeste auf dem benachbarten Christenberge fand als Beigabe auch eine kleine Judenverfolgung statt, indem, ein mit dem vollgültigsten Hausirscheine versehener Stzrosse von dem Samen Abraham« durch die GenSdarmeries mit seinem Bandkram. auS dem Schatten der BonifaciuSeichen verjagt wurde. Freiburg. AIS dieser Tage ein armer Mann 35 Franc« nach Langenthal bringen sollte, und auf dem dortigen Bahnhof gewahrte, daß ihm da« Gelb a »Händen gekommen, war er der Verzweiflung nahe. 5 Jud n, die zufällig auf der Stätte waren, wurden von den .klagen des Mannes gerührt; sie griffen in die Tasche uad gaben ihm ein Jeder 7 FrS.; womit der Schaden ersetzt war. Von den vielen christlichen Paffagieren, meldet der B:richterstatter der „BaSler VolkS-ZeitungS" hat sich keiner be oegt. ' (N. Fr. Z.) Darmstadt. Bei der Beerdigung der Großherzogin von Hcffen fehlte unter der gefammten Geistlichkeit der Residenz — der Rabbiner, er war nicht eingeladen. Al« am letzten Mittwoch noch die iSrael. Gemeinde einen feierlichen Gottesdienst für Genesung der ealen Landesfürstin abhtelt, freute sich jedermann, darüber; bei ihrer Beerdigung darf aber der Vertreter deS Judenthum« — — nicht Theil nehmen '.! E» kann die« wohl auch nicht einfaches Vergeffen sein. Denn bei der Einweihung! de» hiesigen „Landkranken-

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