Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 11/12 (15.6.1862)
- Date
- 1862-06-15
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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88 mit Nicht» recht zu Stande. Ihr Ausschuß hat Arbeit genug, ersparen Sie ihm-die Ueberlegüng mit einer Sache von zweifelhaftem Werth, bei der das Schlimme vielleicht da» Gute überwiegt. .. Tie Bersamrnluug beschließt — fast eiustimmig — den Llsschlnß aller rituellen und coltuelleu Fragen. Der Vorsitzende eröffnet die Dehatte über die Lehrrrfrage, rüdem er Herrn Lehmann bittet, die im Ausschuffr vereinbarte,Bitte an die Kgl. Regierung vorzulesen. Wie schon aus der Bericherstattung hervorgeht, beschränkt sich dieselbe auf die Consratirung zweier Punkte: Mangel an israel. Lehrern und ungenügende Vorbildung der jüngeren jLchrer in Bezug auf das Hebräische und Religiöse, und bittet, einen „Pfälzisch-iSraelitiskyen Lehrerbildungs-Fond" aus den Mitteln der Israeliten mittelst Reparation durch die vier Rabbinats-BudgctS genehmigen zu wollen > Der Vorsitzende. Wir sind hier bei einer sehr speciellen Frage 'angekommen, und cs kann der Versamm lung und dem zukünftigen Ausschüsse nur' sehr angenehm snn, die Ansichten und Vorschläge von Fachmännern zu hören; allein ich bitte die Herren Lehrer, nicht allzusehr in'» Detail einzugehen, sich bei der Sache zu halten und versichert zu sein, daß , wenn es sich später von der eigentlichen Anwendung der Gelder handeln ° würde, man ihre Vorschläge stets hören und berücksichtigen werde. Rabbiner Seligmann. Ich bin seit 19 Jahren Religionslehrer am k. Seminare; ich bestreite nicht, daß cs an iSrael. Lehrern fehlt, daß wiele im Religiösen nicht so gebildet sind, als sie se:n sollten, allein ich bin doch mit der Motivirung nicht einverstanden. Diese ungenügende Ausbildung bestand auch-früher schon. Lehmann. Herr Rabbiner Selignann darf sich beruhigen. ES wurde jederzeit anerkannt, daß dze Schuld einer mangelhaften Bildung nicht an ihm liegt; es hat 'sich im Gegcntheile'gezeigt, daß der Herr Rabbmer noch mehr thut, als seine Schuldigkeit und den israel. Zöglingen, außer den eigentlichen I ReligionSsmnden im Seminare, noch Privatunterricht in feinem Hause und zwar ganz unentgeltlich erihcilt. , / - Lehrer Sulzhcichev aus Kirchheimbolanden. Ich fühle mich im Herzen gedrungen, die jüngeren Lehrer in Schutz zu nehmen.-En ist oft nur Schüchternheit, wenn sie im Vorsängerdienst n cht gleich das leisten, was wünfchenSwerth ist. Man ver' angt auch oft zu. viel: rin Lehrer, mit ein paar chunb'ert Gulden angesteöt, soll weltliche und geistliche Bildung in sich vereinigen, soll ein Virtuos und. Sänger sein.. Seit zwei tagen auf der Reise hierher habe ich mehrere israel. Gerne ndeu besucht, und viele Kinder gesunden, die gar keinen Religionsunterricht genießen; das hat meinem Herzen sehr wehe gethan und hierin muß Abhülfe getroffen werden. Lehrer Schloß von Speyer. Der Hauptfehler liegt darin, daß die israel. Schullehrlinge nicht gehörig vorgebildet werden. Diejenigen Lehrer, welche ihre Pflicht in der Schule gehörig thun wollen, können sich nicht genug mit den Schullehrlingen befassen. Ich mache den Vorschlag, daß man einen tüchtigen Präparandenlehrer anstelle, bei welchem die Lehrlinge" in allen allgemeinen Unterrichtsgegeuständen, so wie im Hebräischen und Vorsängerdienft eine gründliche Vorbildung empfangen können. Lehrer Bärmann aus Mutterstadt. VorAllem, meine Herren, erlauben Sie die Bemerkung, daß während der Leitung des Seminars unter dem Herrn Jnspector Zorn im Allgemeinen geringe Roten gegeben wurden und manche« „hinlänglich" sich dadurch erklären lasse; ich weiß das durch eigne Anschauung und will nur en pnrentbe«« hinzufügen, daß ich nicht unter denen war, die mit dieser Note entlassen wurden. 'Sic werden sich auch leicht durch das Resultat der Prüfungen in den Schulen der jüngeren Lehrer überzeugen können, daß auch von ihnen, gleich ihren älteren Collegen, Tüchtige« geleistet wurde. Wenn eS an Lehrern immer mehr zu mangeln beginnt , so nehmen Sie auf zweierlei Rücksicht: Für'« Erste behandeln sehr viele Gemeinden ober Vorstände ihre Lehrer durchaus nicht, wie Männer es verdienen, die sich mit Treue und Eifer dem so schweren Lehrerberufe hingeben. Und dann ist, selbst nach den jetzigen Anfbcfferungen, der Gehalt eines Lehrers noch immer nicht so, daß eine Familie davon leben kann. Erst wenn diese Umstände sich ändern, werden Sie eine hinreichende Anzahl tüchtiger Lehrer bekommen. Lehmann. Als wir die Sache in die Hand nahmen, fragten wir um im ganzen Kreise, bei Privaten, Vorständen, Lehrern und Rabbinen, und überall tönte uns dieselbe Klage entgegen: zu wenig Lehrer und ungenügende Bildung der aus denr Semiizar Tretenden. Letztere Klage, meine Herren, vernehmen Sie seit längerer Zeit auch in christlichen Kreisen; die Lehrer klagen, das Seminar sei nicht mehr, was es zu unserer Lehrzeit unter Balbier gewesen sei; die beste und meiste Zeit werde auf Bibel, Katechismus, Gesangbuch, Sprüche verwendet. Wiffen wir ja Alle, daß noch vor Kurzem unsere oberste KrriSbehörde einschreiten und sich gegen das Allzuviel in dieser Beziehung, worunter der allgemeine Unterricht in den deutschen Schulen Noth leide, aussprechen mußte. Wir haben jetzt die beste Aussicht/ daß dies sich ändere; und dann wird rS auch mit der allgemeinen Bildung der Lehrer, über die man Nagen hört, wieder bester werdetz. — Durch den beantragten Fond