Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 11/12 (15.6.1862)
- Date
- 1862-06-15
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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87 — wir in keiner Weise gemeint, Ihrer Anun^ Einsicht, meine Herren, irgendwie borgrccfen zu wollen. - Alles was das Judeuthum betrifft, Alle» was geeignet scheint, die Stellung dcsielben nach Innen und Außen zu festigen, zu heben, können und mögen, Sie nach Art. IV„ unserer heutigen Tagesordnung in des: Bereich Ihrer Berathungen und Le» schlösse ziehen. I So hätte ich nun meinerseits den Art. 1. nuferer Tagesordnung erschöpft, den Bericht über-die bisherige Thätigkeit der Ausschüsse Ihnen erstattet. Wünscht Jemand das Wort über diesen Artikel zu ergreifen? Herr Rabbiner Merz. Sie haben uns Ihren Dank dargcbracht, meine Herren, für das wa« dir Rabbinen in Beziehung auf diese Sacke geleistet haben; aber, meine Herccn, wenn wir die aufopfernde Weise betrachten, in welcher unsere Ausschüsse die ihnen anvertrauten Sachen behandelt haben und zu einem gedeihlichen Ende zu führen suchen, so finde ick cS geboten, daß die Versammlung denselben einen feierlichen Dank aussprecke. Di: Versammlung erhebt sich zum Zeichen ihrer Zustimmung. - RabdinatS-Candidat Selig mann. Einen besonderen Dank von mindestens 9/i# dieser Versammlung und aller Pfälzischen Israeliten hat sich der Ausschuß dadurch verdient, daß er alle den Cultus betreffende Fragen au» dem Bereiche seiner Berathungen ausgeschlossen hat. Und dies nicht bloS.im Interesse des Frieden«. Wohl Jft die Zeit vorüber, wo man mit Hülfe des PolizeidicnerS und GcnSdarmen irgend einen Pijut abshaffr. Allein eS ist auch Sacke der Gerechtigkeit; im heutigen Rechtsstaat soll und darf in religiösen Dingen R emanden Ge walt angcthan werden, und wie Sie auch eine Synagogen- Ordnnng abfassen möchten, Sie werden nicht Alle dafür gewinnen können. Lehmann erklärt sich gegen allen uns jesen Zwang in religiösen Dingen. Allein die starre, ächte, die polnische Orthodorie ist in der Pfalz nicht mehr vorhanden. Die Israeliten gller Parteien und aller religiösen Ansichten wünschen Ordnung, Anoackt beim Gottesdienst, uns für den Fall, daß die Versammlung sich einstimmig für eine Synaaogenordnnng erkläre, würde ihr Votnnl einen starken moralischen Eindruck üben und ein Zwang zur Einführung nicht nöthig sein. Stile sich durch die heutige Äbsttmmung da« Bedürfniß einer solchen Ordnung heran«, so wäre die Sache, natürlich in vollständigem Einvernehmen mit den Herren Rabbinen, eines Versuches -wohl werth. Carl David aus Speyer. Im Judenthum herrscht nun seit Jahrhunderten völlige Autonomie, Selbstrezirrung der Gemeinden; jede Gemeind« gibt sich die Ordnung, die 1 ihren Bedürfnissen und ihrem Standpunkte entspricht. Da» Judenthum duldet keine Schablone, nach der man cS modeln möchte. Wie schön ist eS, daß wir allenthalben mitbeten können: der Jude ist überall Jude, in China wie in .Amerika, in Italien wie in England. Eine Synagogen- Ordnung müßte die ganze Welt machen, nicht die kleine Pfalz. Lassen Sie uns dir alte Ordnung; der Einzelne macht davon mit/ was ibm beliebt, was feiner religiösen Ansicht uud seiner Bildungsstufe überhaupt angemessen ist. RabbinatS-Candidat Seksigmann. Lasten Sie alles Cultuelle ausgcschlosten. Wenn Sie sich auch »och so sehr auf's Allgemeine beschränken und ein ganz schlaffes Band ziehen, so wird dies später immer starrer werden, und mit der Freiheit und Selbstregierung ist es >dann vorbei. RabbinerSeligmann. Ich bin furHeranziehung rer cnltuellen Frage. Der Wunsch nach besserer Ordnung ist sehr verbreitet und wäre ganz wohl zu befriedigen, ohne irgendwie die Gewistcn zu beängstigen oder zu verletzm; der Beschluß würde sa auch nur einen moralischen. Druck und keinerlei Zwang auSübcn. Lehrer Salomon von Rülzbeim. Habe ich Herrn Lehmann so recht verstanden, so würde es sich gar nicht um irgend eine Abschaffung, sondern nur um eine Ordnung im Gottesdienst handeln; darin , ist allerdings in manchen Gemeinden noch AUerei zu tbun und könnte auch ohne Zwang etwas gcthan werden. Dr. Guthcrz. Hüten Sie sich, meine Herren, die cnltuellen Fragen in ihren Bereich zu ziehen: es ist der Ursel der EriS, den man i' unfern Kreis werfen will; wir würden nur Unfrieden äüSsäen und Zwietracht ärnten. Wir Alle wollen Or.nniig ■—- ei nun! wenn Unordnung in einer Familie ei »reißt, wird der Familienvater den Störenfried schon zur Ordiucng vecweisen können und dieselbe Pflicht und Befugniß bat de» Synagogen-Ausschuß. Wollen die Vorstände und die Rabbiner einen Fortschritt, gut,j so sii'd sie durch nichts gehindert ihn ein- und durchzuführen. EScales ans Zweibrücken. Ick bin dafür., daß der Ausschuß alle rituellen und cultüellen Fragen unbedingt ausschlicßt. Was bedeutet eine äußere Ordnung mehr, als daß wir die Polizeidirner.macken, festseyen könnten, etwa um wieviel Uhr man zur Synagoge gehen sollte? Wir haben Besseres zu thun. Sehen Sic die Gemeinde Homburg; noch vor Kurzem herrschte dort sehr wenig Ordnung; nun hat die Genreinde eine Synagoge gebaut und eine musterhafte Ordnung eingrführt. Ueberlaffen wir diese schlüpfrige Frage ganz de» einzelnen Gemeinden. Rabbiner Merz. Qui trop embrasse mal etreint, meine Herren, wer zuviel und zu vielerlei anfängt, kommt