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Der israelitische Lehrer · 1862-06-15 · 11/12 (15.6.1862) · p. Seite 86

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
11/12 (15.6.1862)
Date
1862-06-15
Page
Seite 86 (sequence 6)
Language
German
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86 B Aber fragen Sie uns, welckes sind hierzu die Mittel? Mit Zugrunde - Legring eines Referats unseres Ausschuß-Mitgliedes Herrn Lehmann hat Ihr Ausschuß vorläufig auf folgende Punkte hinzuweisen: a) Die israel. Lehrer müsien in ihrer jetzigen gesetzlich geregelten Stellung mit allem Nachdruck erhalten und jede größere Abhängigkeit derselhen,. sei eS von den Synagogen-Ausschüssen, sei eS von den Rabbinern, — muß vermieden werden. 'Nur Männer von Charakter Können wieder Charaktere erziehen, wie unsere Zeit sie ' mehr als jede frühere forocrt; der jpeicheüeckerijche Mensch aber, der sich nach, jeder Laune richten soll, wird nle zu einem solchen Erzieher taugen. . b) Dir» Gryalte der israel. Lehrer müssen, wo dies noch nicht der Fall, sein sollte, io aufgebesscrt wereen, daß sie das Auskommen des. Lehrers bei den in unsrer Zeit so sehr gesteigerten Preisen aller Artikel möglich machen, und demzufolge muß mit allen möglichen Mitteln dahin gestrebt werden, daß die politischen Gemeinde., resp. rer.llrcis helfend und unterstützend Mitwirken. c) Die gesetzliche Stellung der israel. Lehrer in der Pfalz ist eine in sehr anerkenncnswerth humaner Weise geordnete: sie sind ihren christlichen Collezen ganz gleich in Anstellung, Befugniß, Beaufsichtigung und Prüfung, sind Mitglieder der betreffenden Witt- . wen- und Sterbe-Kassen, der Pensions-Anstalt rc. rc., kurz ihre Stellung ist eine geregeltere und weit bessere als in den meisten übrigen Staaten Deutschland», als in unserer: Nachbarländern Baden, Hessen, und dem sog. „Staate der Intelligenz- Preußen. Es' könnte und sollt: daher die Ausgabe sein, an Lehrer, die als tüchtige und charakiervolle Männer bekannt sind, bei Erledigungen, dir durch pfälzische Kräfte nicht ausgefüllt werden können, Berufungen solcher Art vom Auslande «intrelen zu lasien, wassstr Gemeinden und Lehrer gleich sehr ersprießlich werden, und wotzinstellen, ob Lebrer mit'der Rcre „binlänglicb^ bei gutem Willen und gesunder Geisteskraft in der Lckule nick! eben so segensreich wirken können, als solckc mit der Ror« „sebr gut." Wir sckätze» nichts böher als wadres Wissen; alten» wir dürfen dabei »ickt vergessen, daß das Streben der meisten gegenwärtigen Scbulseminare einzig auf leeres Wortwissen, auf unnützen Gedäei'tnißkram binausläust. Kaiserslautern scheint, wie dieser Bericht zeigt, -auch, zu diesen zu zäblen. Wir werden nächsthin unsere Anstchten über, tüchtige Lebrerbitdung jn diesen Blättern aussprecken. Bis dabin gelte, was wir in unserem vorigen Leitartikel auch ausgesprochen haben: "Unsere Grundsätze find confessioneller. Volks» Lrbranitattca entgegen^ allein ier lange die Semtnarien und Volksschulen in dem gegenwärtig herrschende« Äeiste geleitet werden, bleibt es unsere Aufgabe, selbstständig«, dem freien Geiste des Judenrbums entsprechende Lehranstalten zu errichten. KI. bei der von Ihnen desinitiv zu wählende Ausschuß etwa vermittelnd eintretcn könnte. 6) ES soll aus israel. Gcmeintzcmitteln ein „Pfälzischisrael. LehrerbildungS-Fond^ gegründet und daraus israel. Schullehrlinge, Seminaristen und Adspiranten Unterstützung erhalten, die jedoch in erster Reie an . dem Nachweise der nöthigen Talente und Fertigkeiten und der Vorbildung bei einem tüchtigen Lehrer insbesondere auch im Hebräischen geknüpft werden müßte. Endlich v) Es wäre wo möglich mit der israel. Cultgemeinde Kaiserslautern ein Abkommen zu irrsten, daß dieselbe einen tüchtigen, musikalisch gebildeten Vorsänger anstelle , dem es zur Pflicht zu macken wäre, den israel. Lehrern in diesem Zweige ihres Wissens und zukünfti.zen Wirkens den nöthigen Unterricht zu crthcilcn. Nur einer dieser Punkte, der über den „LehrcrbildungSfonb* konnte bis jetzt durch Ihren Ausschuß in die Hand genommen werden. Im Bezirk Frankcnthal besteht nämlich schon etwas AehnlicheS, in' den Bezirken Landau und Pirmasens haben die versammelten Snnagogen - Vorstände die Summen von fl. 150 — resp. fl. 75 — in die Rabbinats-BüdgetS zu diesem Zwecke ausgenommen. Allein dem Jns-Leben-treten der Sache Hellen sich allerlei formelle Bedenklichkeiten in den Weg, wcßhalb der Ausschuß Ihnen eine Eingabe cur H. K. Regierung zur Genchmhaltung uijd Unterschrift vüblegt, welche geeignet sein dürfte, die entgegrnstehcnden Hindernisse aus dem-Wege zu räumen. DaS ist das Wesentliche über unsere bishcrige Wirksamkeit. Einzelnes wird sich noch durch die Verhanolungen, zu denen wir j yt schreiten, Herausstellen. 'Nur eine Bemerkung erlauben Sie mir noch zum Schlnstc: - 'Nach lebhaften Verhandlungen und Erörtenuigcn wurde im Ausschüsse beschlossen, alle eigentlich culluellcn Fragen, d. h. Alles was den Gottesdienst, so wie das Innere im Iudenthum der Pfalz betrifft, vorerst von feiner Thätigteit auszuschließen. Er hält den Angriff einer Reform nach dieser Seite hin weder für nothwenoig, noch für thunlich; nicht nothwendig, denn unsere Gemeinden sind völlig autonom, selbstständig, können ihren Gottesdienst so ordnen, um ihre individuellen Bedürfnisse und Anforderungen zu befriedigen; nicht thunlich, denn eS scheint bei der ungeheueren Verschiedenheit des Standpiinkts, den die pfälzischen Gemeinden nach Seelcnzahl, nach pekuniären M tteln, nach Intelligenz und religiösen Bcdürfniffcn cinnehmen, unmöglich, eine Form zu finden, die auch nur im Entferntesten nach allen Seiten hin genügen könnte. Es soll mich freuen, meine Herren, '* wenn Sie im Znkcreste des Friedens und der Eintracht — veren wir sosehr bedürfen—die Gründe würdigen und gutheißen, die ' Ihren Ausschuß in diesem Entschluß leiteten. Damit ab.r sind

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