Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 11/12 (15.6.1862)
- Date
- 1862-06-15
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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85 Handlung über die Organisation, die Ihren Ausschuß ernst beschäftigten: die Frage über die Wahl der Synagogen- AuSschüfse und die über die iSrael. Lehrer. Wir können unserer StaatSregicrung nicht dankbar genug sein für die Allerhöchste Verordnuyg vom 27. Jim. 1854., welche Einheit und Ordnung in unserem äußeren Haushalt schuf und allenthalben von'humanen und weisen Grundsätzen auSgeht. Aber eine Bestimmung findet sich darin, welche jeder Analogie in unserer älteren und neueren Gesetzgebung widerspricht, den Israeliten (nach dem Ausdrucke eine» hochgeachteten Staatsmannes selbst) eine „Zwangsjacke" anle:t, die des Bürgers eines constitutionellen Landes, desten weiser und güfiger Regent „Friede mit seinem Volke" haben will, nicht würdig ist. Sie wissen, ich spreche von der Wahl der Synagogen-Ausschüsie. Einmal, im Jahre 1854, in völlig indirekter Weise gewählt oder vielmehr ernannt, bildet der Ausschuß nun eine ewig permanente' Behörde, unter allem Wandel und Wechsel der Zeitm und Verhältnisse allein fest und unwandelbar, sich stets selbst ergänzend sobald eilt Glied verloren geht, und so der lebendigen Wechselwirkung entbehrend, die zwischen den Vertretern und den zu Vertretenden nothwendig ist. Mündlich und schriftlich, im Privatverkehr und in der Oefsentlichkeit beklagt man sich unter den Pfälzer Israeliten über eine solch« Einrichtung und die Mißständc, die sie bereits jetzt im Gefolge hat und'im Laufe der Zeit immer noch mehr haben muß. Wir sind überzeugt, in Ihrem Sinne nnd in dem der ganzen israelitischen Bevölkerung gehandelt zu haben, als wir gleich in einer unserer ersten Sitzungen eine Eingabe an S. Majestät beschlossen, worin um Zurückgabe einer periodischen Wahl unserer Synagogen-AnSschüffe gchorsamst gebeten wiro. Zwei aus unserer Mitte überbracbten diese Bittschrift dem Herrn Präsidenten der KreiSregierung mit dem Ersuchen, dieselbe an Höchster Stelle gütigst zu befürworten. Ohne der Discretion irgendwie zu nahe zu treten, darf ich Ihnen saqen, meine Herren, daß wir gegründete Hoffnung haben dürfen, uns in diesen so wie in anderen Bestrebungen znr Verbesserung und zum Fortschritt unter den Israeliten der Pfalz von Hoher Kreisbehörde unterstützt und gefördert zu sehen. Der Herr Präsident hörte alle unsere Auseinandersetzungen in dieser und der Lehrerfrage freundlichst an und gab uns Winke und Rathschläge, die geeignet sein dürften, uns dem gewünschten Ziele nahe zu führen. Von Kgl. KreiSregierung wurde unsere Bittschrift den Kgl. Landcommisiariaten,.fo wie den Bezirks-Rabbinaten mitgetheilt, und im Vertrauen auf die Einfachheit und Gerechtigkeit, dieser Sache dürfen wir eines guten Erfvl'S f. Z. gewiß fein. Eine noch wichtigere Frage für Ihren Ausschuß, meine Herren, war die Lebrerfrage, oder wie sie in ihrem jetzigen Stadium genannt werden muß, die Lehrerbildungsfrage. Brauche ich es Ihnen zu sagen, meine Herren? Tüchsige Lehrer, gute Schulen sind eine der wichtigsten Fragen der Zeit, von deren glücklicher Lösung die Zukunft de« Volkes abhängt, die ganz besonders das Bestehen und die Fortbildung des Judenthum« bedingt. Und die Israeliten, besonders die Israeliten der Pfal,, haben dies auch wohl erkannt. Mit einigem Stolz dürfen wir es sagen, daß selbst der gemeinste Mann im Jndenthum die bedeutendsten Opfer für die Erziehung seiner Kinder bringt, sie gerne bringt, wenn er nur seinen Zweck damit erreicht. Eine Bereitwilligkeit, di« un« zuweilen in Erstaunen setzte, eine Opferfreudigkeit an Ortm und Männern, wo man sie kaum erwartet hatte, kam uns allenthalben entgegen, wo wir in. dieser Frage anklopften. Es handelt sich im jetzigen Stadium der Frage vor Allem um zweierlei Umstände. Trotzdem nämlich die Gemeinden ihre Lehrerstellen in neuerer Zeit mitunter sehr aufgebessert haben, so nimmt doch der Mangel an iSrael. Lehrern imm->r mehr zu; die kleineren Gemeinden strengen sich oft über ihre Kräfte an und können doch keine Lehrer bekommen. Wenn die« so fortdauert oder in bisheriger D)eifc noch zunimmt, welche Folgen müßte es haben? Und ebenso traurig ist der zweite Umstand, den wir eben so unverholen aussprechen muffen. Während wir unter den älteren Lehrern in der Pfalz so viele weltlich und religiös durchgebildcte, in Nähe und Ferne wohlberufene, zum Segen ihrer Gemeinden wirkende Männer erblicken , sind die jüngeren Leute, die sich dem Schulfache widmeten, in ihrer Mehrzahl im Allgemeinen nur dürftig gebildet, nur „hinlänglich" befähigt, im Religiösen und Hebräischen oft nickt im Stande, auch nur den bescheidensteu Ansprüchen zu genügen. Sie zweifeln vielleicht, meine Herren? Zählen beweisen. Unserem Ausschüsse lag ein statistischer'Rachwcis. den unser verehrtes Mitglied, Herr Frenkel, den Seminiarlehreru in Kaiserslautern verdankt, vor, wonachWon 1850 bis 186l — 18 israelitische Schul- 1 adspirayten im Seminare gebildet wurden. Von diesen 18 hat 1 die Note „sehr gut" (die übrigens sehr selten gegeben wird), 7 die Note „gut," und alle 10 übrigen die Note „hinlänglich." Was helfen un« unsere Opfer, wenn wir nicht dahin trachten, tücktige Lehrer zu^ erhalten, die im Stande sind, unsere Kinder-zu charaktervollen, gesittete«, religiösen und kenntnißreichen Menschen heran-! zubilden? *) •) Wir erlauben uns die Bcmer'ung, daß die Seminarnote keine» zutreffend« Maßftad für die Befäbigung und Tüchtigkeit de« Lehrers in der Präzis sejn dürfte. Ick' wollte durchaus es noch nicht als ausgem^ch^ I