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Der israelitische Lehrer · 1862-06-15 · 11/12 (15.6.1862) · p. Seite 83

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
11/12 (15.6.1862)
Date
1862-06-15
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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83 dem wir stehen, ist heiliger Boden. Wir haben die heiligsten Räume der Pädagogik, der Erziehung und des Unterrichts betreten, ihretl erhabensten Gedanken ausgesprochen. Was hat nach dem Gesagten der Lehrer zu thun, irm der Forderung: „der Geist in der israel. Schule sei vor Allem ein religiöser" gerecht zu werden? Rach den obigen Voraussetzungen dürfte die Beantwortung dieser Frage nicht schwer fein. Nach unserem Dafürhalten nichts Anderes und isichtS mehr, als darauf zu fchcn, daß der ganz.' Unterricht nur Wahres, Gutes und Schöne« enthalte, (obj tüvcs Princip) und daß der ganze Unterricht dcS Menschen von der Bestimmung des einheitlichen Mrnschengeistes zur Selbstthätigkeit und Gottähnlichkeit (subjektives Prinrip) Zeugniß gebe, zum Wahren, Guten und Schönen leite.. Aber die Ansichten über religiöse Dinge sind verschieden. Biele wollen nur Kirchliche« als wirklich religiös gelten lassen. La lesen wir zu diesem Thema Bezügliches in einem Buche: in der Mathematik lasie der Lehrer dir biblische Zeittafel, die Lebensjahre der Patriarchen rc. berechnen, um der Forderung „aller Unterricht in der Bolksfchnlc sei religiös" gerecht zu werden; ein Anderer fordert darum zu diesem Zwecke in der Geographie vor allem Palästina und diverse heilige Orte, — die heilige göttliche Geographie!! — (als wenn die Geographie ohne jede Zuthat mcht schon göttlich wirke), in der Naturkunde wird mit Bibclvcrscn und Nützlichkeitsphrasen angefangen lind geschlossen, um den göttlichen NaturhauShalt in das Prokrustesbett des Schulmeisters zu bringen. Ist das der religiöse Geist, der in der israelitischen Schule herrschen soll? Wir sagen: Nein! Wo das Objekt nicht an und für sich religiös wirken kann, wo des Lehrers Kraft nicht ausreicht, den religiösen Geist seinem ganzen Wirken, allem und jedem Unterrichte einzuhguchen, ohne viel absichtliches Gerede, ohne immer und überall den Namen Gottes und die Religion und die Bibel im Munde zu führen; da hilft alles äußere Hinzuthun nichts. Thal fachen müssen sprechen! AuS der Sache selbst muß der zündende Funke religiöser Gedanken und Gefühle kommen, er muß bereits in ihr eingesck losten liegen, und nur der Erlösung durch die Meisterhand des Lehrers harren. —' Der Unterrichtende wird nicht den Gegenständen Gewalt anthun wollen; er wird sich nur auf dem Boden der dem Gegenstände immanenten Wahrheiten bewegen, und wo nicht dieser selbst es mit sich bringt, jene Religion zu fördern sich genügen, die in aller Menschen Herzen lebt, wenn wir uns bei der Tendenzsucht kirchlicher Fanatiker ein solches Wort erlauben dürfen; er wird gerade dadurch Bausteine tragen zum künftigen Gotteöreiche. Fragt uns nun der Lehrer, wie er, um dieser Forderung gerecht ji, nx-itut, die einzelnen Unter - richtSgcgenstände behandeln auf den Unterricht) mit der Wie das zu machen? Und mit den Worten der soll, so sagen wir (mit Beziehung Worten t'rü deutschen Dichters: Keiner fei gleich dem Indern, nur_ gleich sei jeder dem t Höchsten! 5« sei Jeder vollendet in sich. Bibel;njp ejgip Wolle nichts dem Objekte Fre ndartiges hinzuthuu, auch nichts davon nehmen; reine und volle Wahrheit, rc ^orcn- — Wir sind noch nicht zu Ende. Ein frommer Geist fob i« der Schule herrschen, kein frömmelnder. — Meint m< n unter dem religiösen Geiste, wie er in der Schule hcrrichcn soll, den, den wir oben darstcllten, das Streben n ich Wahrheit, rrach Harmonie mit Gott, Natur und A^cnfchhcit, oder meint man vielleicht nur den separatistischen, heuchelnden,, frömmelnde», der gern die ganze Wissenschaft, mit All-m,-waS sie'Edles und Menschenwürdiges zu Tage gefördert, sür Tand erklärte, der unter Schutt und Moder, unter Abscheituna und tooteni Formendienst sich behaglich fühlt, der die Menschheit gern immer mehr und immer weiter trennte, der immer und vor Allem das Besondere — ConfcstioncUe — hegt - und pflegt, und an dessen Eiterbildung arbeitet? Ist dies der Geist, der der Schule tnangeln soll? Die israelitische Schule — wir sagen es mit Stolz —^ bat fast durchweg das Panier des freien wissenschaftliches .Fortschritts, der >Geistesfreiheil,hochgehalten. Wohl gebend zu, bas das Heil, wie cS heut zu Tage wieder so vieler- Orten gelehrt, ges predigt und eingetrichtrrt « rd, sich nicht mit einem freien, | wahrhaftigen Unterrichte vern lügen läßt; auch im Judenthume s baden vereinzelt solche cinscit.ge Bcstrcbullgen Platz gegriffen, s aber ist darum der wahrhrstige Unterricht, wie wir sihn! meinen und darstellen, uni' wie er sich aus unseren An-! sichten entwickelt — irrelig öS? Ist diejenige Schule, die i den Geist und das Herz bildet, und darnach trachtet, daß! in dem einzelnen Mensche» vor Allem die Menschheit! sich fortpflanze — ist diese Schule eine verwerfliche? —! Meint man unter den religiösen Geist, der in der j Schule wirken und aus dieser heraus ins Lcbeli getragen; werden soll, die Anbetung des Höchsten in Wahrheit mit ganzem Herzen unv aller Kraft, die ein geläutertes Bewutzt- I fein gibt, die echte Kindes- und Menschenliebe, die Feier j de» Sabdaths als den Tag des Lichts und der Ruhe, zur! Stärkung und Erhebung des Geistes, zur Förderung der Arbeit, — meint man, daß die Schule immer und überall ■ wieder aus das Eine, was Roth thut, zurückweisen, in allen j ihren T iSciplinen die wahre Demuth mit dem wahren Selbst-

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