Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 11/12 (15.6.1862)
- Date
- 1862-06-15
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Pankcine;a finrr ’.^c ncincn Unternchrölehre für die i?ra fische Tchnle. Der Geist in der ic-rael. schule. , Fortsetzung. 1) Der Geist in der israelitischen Sckulc sei vor Allein ein religiöser. Wir haben oben schon gesagt, und können es nicht genug wiederholen, daß Ke Bildung des Menschen eine einheitliche sein maß, Kenn sie eine wahre fein fdll; daß sie sich nickt begnügen, darf mit der Ausbildung einzelner Kräfte und Anlagen, dgß sie vielmehr den Renfchen in seiner T»talität erfaffxn, und dab-n streben muß, daß das ganze geistige Leben'und sein desselben zu einer Einheit sich gestalte. Diese Einheit bcr Gedanken, Gefühle und Handlingen stellt das eigentliche Ziel aller Entwicklung und Bildung des Menschen dar. Die vollständigste Harmonie de« MenschenaeisteS mit Gott, Natur und Menschheit, mit dem, was außer ihm ist, die harmonische Gestaltung des Menschenlebens ist — Religion (im weitesten Sinne). In der Religion findet der Mensch jene höhere Einheit und Harmonie seines Wesens und' Seins. . Soll also der Geist in der israelitischen Schule ein religiöser sein - und daß er dies sein muß, ergibt sich aus dem Pegriffe: Schule -»- so hat' sie (die Schule) eS nicht allein mit der Aneignung von Kenntnissen und Fertigkeiten zu thun, die auf dem Stundenplan verzeichnet sind, und im Rechenschaftsberichte nachgelese» werden können, sondern sie soll alle seelischen (psychischen) Kräfte des Menschen dergestalt fördern, daß er seinen socialen und göttlichen Beruf aus Erden zu erfüllen in Stande sei. Auf Erden! denn wir sind nicht gemeint, unsere irdischen realen Kräfte, unser Sinnen-;nd Er d e ul eben zu unterschätzen, und das ganze Werk der Erziehung auf die Heranbildung von sogenannten Himmelsbürgern zu beschränken, unsere Schüler zu blose:. Erden des Jenseits stempeln zu wollen. — Mil Nichten! Gott chat dem Menschen die Erde zum Wohnsitze gegeben, damit er sich au/ ihr fteue, seine geistigen Kräfte mit innen Sinnen entwickle und sich ihrer hier bediene; damit er vor Allem auf diesem Schauplatze seines Wirkens an seiner Einigung mit Gott und der Menschheit arbeite. Für die edelsten religiösen Handlungen *) hat Gott irdischen Lohn verheißen. Die Erde ist kein Jammcrthal, das ist des Juden Ueberzeuzung, ist ein Hauptstück unserer beiligen R ligions lehre. Sie istvielmehr der von Gott gegebene Schauplatz unseres Wirkens, der Entwicklung unserer gott- *'i Ehrt Datei unb Mutier; Tckonimz der Vozelmutter u. s. w.; »amit e» dir wobt gebe und du Ignze lebst, ist aewöbnlilte Verbeipunz al» Lob» eeler mentlbenwürdtger Handlungen.^ , gebenett Kräfte. Wer Gott, dienen und ihm angejören will, darf weder die Natur, noch die Menschheit uni sein Berhältniß zu ihr mißkcnnen und unterschätzen. Die höheren Kräfte.tarn, deren Ausbildung SacK der Schule ist, sind: die Vernunft (klZN rD'2) der Verstand, (die Intelligenz) das Geftihl, der 'Wille. Sie alle bilden zusammen den einheitlichen Menichengeist, und das höchste Ziel der Erziehung ist, wie bereits gesagt, das Bewußtsein diese Einheit zu fördern. Die Religion ist es nunj, die es mit der Erregung dieser Kräfte, mit dem ganzen istnerlichcn Menschen zu t.un hat. Die religiöse Bildung bezweckt die Richtung des ganzen inneren u>enschcn als erkennendes, fühlendes und begehrendes Wesen auf daSHihere, damit in feinem Denken, Fühlen und Wollen Einbettl und Harmonie entstehe. Die wahre (religiöse) Bildung eint demnach die eigentlich religiösen Vorstellungen und Begriffe, die sich aus. Gott beziehenden religiösen Handln» wn — das Wahre, mit dem sittlichen Momesid>^dcm ersten nahe verwandt, ja seine Wurzeln aus demselben ableitcnd, bas Lerhältniß des. Menschen zum Menschen regelnd — dem Gute», und mit dem ästhetischen Moment, der Liebe zum Sch inen, als Ausfluß des Göttlichen, überall, wo c< sich finde, — also da« Wahre, Gute und Schöne. — Das ist die Aufgabe der Schule und der religiösen Bildung überhaupt. Der Triieb des Menschen muß alio zu oberst immer auf das Wahre gelenkt werden; der Trieb nach der tollen reinen Wahrheit ist die Sehnsucht des religiösen Gemüths. DaS Wahre ist auch gut; denn n.chts ist gut, was nicht auch wahr ist; das Gute ist auch schön; denn nichts ist schön, was nicht auch gut ist. Alle Wahrheit, mag sie nun Wahrheit derNatuc, der Offenbarung oder der Geschichte (de 6 MenscheniedcuS> fein, ist göttlich« Wahrheit. So lehren auch unsere ReliaionSschriften nex’aw« Gott ift die Wahrheit, und .moft gilt als eine der heiligen Bezeichnungen für Gott. (.n'2"p'.-> "rnin nsx) Jede Wahrheit ist darum auch religiös, denn was igöttlich ist, ist selbstverständlich auch religiös. Jeoer wa»re Unterricht steht daher im Dienste der Religion, b^zw'ckt religöse Bildung. Jeder wahre Unterricht bezweckt die Bildung dcr Erkenntniß, des Gefühls und des Willen« zum Wahren, Gut enund Schönen —ist da "er Religionsunterricht; jeder wahre Lehrer ist immer und überall ReligionSlchrer. Lastet uns hier verweilen. Laßt uns stille stcben einen Moment, um die Erhabenheit unseres göttlichen ÄerufeS zu erkennen und zu begreifen, des Berufes, der in jdiefem Ausfprnche sein glorreiches Siegel empfängt. Lastet undte Sandalen von den Füßen ziehen, denn der Ork, auf