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Der israelitische Lehrer · 1862-06-01 · 10 (1.6.1862) · p. Seite 78

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
10 (1.6.1862)
Date
1862-06-01
Page
Seite 78 (sequence 6)
Language
German
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78 Theologen behaupten allerdings das Unnöthige, Widersin- > ntge, Unjüdische in dem Judrneid, der Lebildete JSraelite mag auch mit dieser Ansicht einverstanden sein; allein darauf käme c« nicht an, die Masse der Juden hatte einen solchen Eid fürheiliger und verbindlicher, und darum müsse er fortbcstchen. WaS. bezwecke« nun die Anträge unseres Herrn Vorsitzenden? Sie sprechen damit aus, meine Herren, daß sie den sogen. Judrneid für eine mißbräuchliche, dem Judenthume von Außen aufgcdrungene, unjüdische Förmlichkeit halten; Sie sprechen bamit aus, daß der einfache, durch unsere Gesetzgebung allein gewollte Eid vollkommen' gleiche Kraft und Heiligkeit habe;. Sie sprechen aus, daß es von nun an eine Schande für jeden Juden ist, seinen Glau-. bensgenosien einer , solchen chicanirrndcn^ der Religion zur Schmach gereichenden.Formalität-zu unterwerfen. Allerdings hoffe und wünscht ich auch, nein! ich weiß es: eine solche -Erklärung dieser achtbaren Versammlung wird einen moralischen Einfluß ausübcn, und ich kann deshalb die - Befürchtung meines .geschätzten Freundes Dr. David nicht theilrn: Wir bcstehlen, ja nicht, wir können und wollen nichts anordnen;'wer unseren Werren und Aussprüchen . keine Folgen leisten will, thut eS nicht; wer durch dieselben in großen Schäden kommen kann, ist ja nicht daran gebunden. Aber die Erklärung, den Ausspruch sind wir der Wahrheit, der Ehre, der Religion schuldig. Der Vorsitzende nimmt' seinen dritten Antrag zurück und ^ie Versammlung erklärt hieraus einstimmig: „Es ist ihr Wunsch, daß in Zukunft kein Pfälzischer „Jude dem Andern einen Eid „more judaico“ mehr „züschicbe,- und k^in Jude einen solchen Eid leiste, , „ohne vohcr * ein Urthcil des Gerichtsüber dessen! „rechtliche Zulässigkeit hrrvorgcrufcn zu haben." Diese Frage ist erledigt.: ' (Fortsetzung folgt.) . Cprrespo^rdenz A>s WcstchIcu."Laut Mittheilung des edlen Lehrerfrru^dcS, des Herrn Harkort ging man über unsere Petition! in der vor. zweiten Kammer zur „Tagesordnung" über, weil! dieselbe eine Ccllectivpctition im Namen eines Vereins war!, der keine CorporatiönSrcchte besitze, also wegen eines Formfehlers nicht weiter berücksichtigt werden konnte. Jndcß! versichert Herr Harkort, daß bei dem zu erlasienden neuen Schulgesetze die israelitische Schule ihre Berücksichtigung finden würde.' In dieser Beziehung wird die auch an >:aS Ministerium cingeroichte Denkschrift doch keine nutzlose und srucltllos: Arbeit.sein.' j Aber auch im Ucbrigen hätten wir die ausgesprochene Tagesordnung und den Formfehler nicht allzusehr zu beklagen, denn was sollte unsere Sache nun bei der schwungvollen neuesten Acra, welche beim Heimgänge unserer wackeren Abgeordneten als Alles aufwärmrnd« Sonne über uns aufgcgangen ist? von Bethmann-Hollweg und dann gar ein v. Mühler k Unser 'na np. wir doch endlich verklingen! Was wir aber bei einzelnen Negierungen zu erwarten haben, so lange das böse Provisorium noch von Oben beliebt und von einem durchgreifenden Gesetze nicht abgrschafst wird, geht aus folgendem Faktum hervor. Vor noch nicht langer Zeit stellte eine Gemeinde im Regierungsbezirke Minden ihren wackeren Lehrer K. definitiv an, und das Desinitivum wurde klar und nett im Cyntrakte ausgesprochen. DaS war recht brav und die Gemeinde wollte einmal der Regierung zeigen, daß sie auch den Wechsel dcS Lehrers, den ja die Regierung nicht wünscht, abzustcllcn den guten Willen habe. Der Lehrer freut sich des Contrakts. Der kommt aber von der Regierung ungcnchmigt zurück, 4weil die Gemeinde keinen Lehrer definitiv anstcllcn kön^ie; sie sei zu schwach. Wer freut sich da nicht der liebenden Sorgfalt dek Negierung und wer denkt dabei nicht! an die Geschichte Pharaos mit dem und Welche Mahnung legt das nicht an daS Herz der Lehrer? Und Ihr schlummert? Haltet nicht , fest und einmüthig zusammen? Oder glaubt Ihr im Angesicht alles dcsicn recht zu thun, wenn Ihr das Buch wegwerfct und die Elle nehmet? — Wohl^ wenn Ihr von vornherein in die Schule geflohen seid, um Hort reichlich und sicher Brod zu finden! Die Reihen der Lehrer lichten sich mit jedem Tage in den westlichen Provinzen. In neuester Zeit sind mehr denn ein'Dutzend Lehrer aus dem Amte getreten, und sehr viele Gemeinden sind Lchrerlos. In einer eigersthümlichcn Art scheinen sich die Wünsche der Lehrer und Gemeinden zu widersprechen. Während die Lehrer in letzter Z^cit daS junggcfellige Leben leid zu werden scheinen, da ist den letzten Jahren viele in den Ehestand cinzogcn uns» augenblicklich mindestens ein halbes Dutzend unserer besreundetcn College» glückliche und glücklich Verlobte sind, bi.tcn sich einzelne Gemeinden mit dem Zusätze, „daß sie Unverheirathetcn den Vorzug gewähren,*) öffentlich aus. DaS ist weder klug noch gut, denn solcher Titel vcrräih schon gleich, welchen zarten Gefühles und feinen Verstandes die Ausbieter sind. Es gehört indeß nicht in eine Correspondenz, sondern in ein eigenes Kapitel, zu *j Run, nur nicht bitter, m. l. Freund! Line sehr noble, sehr tedeuiende Gemeinde in einer reichen Residenz und Umstadt hies. Gegend hatte ja bekanntlich vor einig« Jahren eine Prikte, das Lölibat fordernd« Bekanntmachung in verschiedenen Zeitschriften bei Ankündigung ihrer vacanten Lehrerstelle ausgesprochei. Das nipU'n pn ID1?’ teb geltet diesen Gemeinden nicht als selr beherzizenswerther sittlicher Grundsatz! K. I

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