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Der israelitische Lehrer · 1862-06-01 · 10 (1.6.1862) · p. Seite 76

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
10 (1.6.1862)
Date
1862-06-01
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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76 Herr Lehmann die Wahl erneS Vorsitzenden vorzunehmen oder Vorschläge machen zu wollen. Man bittet ihn darum. Lehmann. Da Herr Anwalt Frenkel, unser würdiger Präsident in Ludwig-Hafen, auf meine Anfrage eine Wahl ablchnt, so schlage ich Ihnen zum Vorsitzenden Herr« Simon Levi auS Landau, zum Schriftführer Herrn Dr. Guthprz aus Ludwig-Hafen vor. Allgemeine Zustimmung. Die Bczeichnctcn nehmen ihre Plätze rin. Der'Vorsitz ende dankt und wünscht als ganze Geschäftsordnung nur drei Punkte: Wer sprechen wolle, müsse sich um da-Wort melden, dürfe nichts ablesen und nicht länger als fünf Minuten das Wort behalten. Er schreitet darauf zu Art. I. der Tagesordnung und gibt folgenden Bericht über die bisherige Thätigkeit der Ausschüsse: Meine Herren'. Käst ein Jahr ist verflossen, seitdem in unserer Versammlung zu LudwigShasen zwei Ausschüsse für israelitische Angelegenheiten erwählt wurden. Heute mun ist rS mir, der ich in beiden den Vorsitz zu führen das Vergnügen hatte, eine angenehme Pflicht, Ihnen von unserer bisherigen Thätigkeit Rechenschaft abzulcgen, getreuen-Bericht zu erstatten. rwp nttnnn ä »Aller Anfang ist schwer," sagt ein eben so alte« als wahres Sprüchwort und Sie dürfen sich nicht wundern, meine Freunde, daß die« auch in Bezug auf Ihren ersten Ausschuß, der bekanntlich die Sache in Betreff deS Eides more judaicö ln die Hand nehmen sollte, der Fall war. Monate gingen darüber hin, ehe der erste Schritt in dieser Sache geschehen konnte Sie wissen, daß ürgerw ein Prozeß, der vor unseren Gerichten anhängig gemacht würde, benutzt «erden sollte) um^Letztere zu der Entscheidung zu veranlassen, ob der s. g. „jüdische* Eid in unserer Gesetzgebung liege nder nicht. Nun können Sie sich wohl denken, daß nicht der erste beste Prozeß sich hierzu eignete, und es verging schon'eine geraume Zeit, bis sich ein solcher darbot, der zur Erreichung unseres Zieles dienlich war. Er wurde endlich gefunden und einer der tüchtigsten Anwälte der Pfalz Herr I. Kuhn in Landau, zur Vrrfechttrng unserer Sache gewonnen. In welch' trefflicher, wahrhaft classischer Weise Herr Anwalt Kuhn.seine Aufgabe löste, ist durch dessen Schrift: „Gegen die Zulässigkeit des Judeneidc« vor den Gerichten der Pfalz* Ihnen Allen hinlänglich bekannt Und über alles Lob weit erhaben. Aber welche Arbeit end Mühe cS verursachte," das zu diesem glänzenden Plaidoyer Notlüge Material hcrbeizuschaffen, davon, meine Herren, können Sie sich wohl kaum einen Begriff machen.'. Da war das Gutachten der bedeutendsten Authoritäten unter den deutschen Rabbiner cinzuholen; da mußte man sich an die NechtSzelehrten fast aller deutschen t y . Staaten wenden, nm vom Stand der jetzigen Gesetzgebung, der namentlich in den neuesten Zeiten sich vielfach geändert hatte, in authenttscher Weise Kenntniß zu erlangen; es waren Werke und Ausarbeitungen über denselben Gegenstand beizuschaffen und zu vergleichen — Sie dürfen mir glauben, die Herbeischaffung, dann die Vergleichung und Sichtung all' dieses Materials war eine sehr schwierige, eine sehr zeitraubende Arbeit. Und diese Gelegenheit, meine Herren, erlauben Sie mir zu benutzen, um hier öffentlich nicht blos in meinem und der Ausschüsse Namen, sondern — ich bin eS überzeugt, — auch in Ihrem Namen, meine Freude, und in dem aller Pfälzer Israeliten den herzlichsten Dank all' den Männern auSzudrücken, an die wir unS in dieser Angelegenheit zu wenden hatten für die aufopfernde Bereitwilligkeit, mit der sie Alle unseren Wünschen entsprachen, mit welcher Israeliten wie NichtiSraeliten, Privatleute und Gelehrte, Geistliche und Rechtskundige, (darunter Männer, die, wie z. B. Dr. Berger in Wien, durch persönliche, durch Amts- und Staatsangelegenheiten so vielfach in Anspruch genommen sind) uns unterstützten. Die Sache des Recht», dir Sache der Wahrheit, die Sache des Fortschritts zum Bessern, sie ist eine gemeinsame "geworden durch das ganze deutsche Land: und wenn meine schwache Stimme auch nicht hindringt zu jenen wackeren Männern Allen — sie werden in ihrem Bewußtsein, da» Gute zu wollen und zu fördern, de« besten Lohn finden. — Ich komme zu meiner Berichterstattung zurück Es hatten sich inzwischen außer jener vor dem königl. Bezirksgerichte Landau anhängigen Prozeßfache noch andere in Kaiserslautern ringefunden, wo unser verehrtes Ausschußmitglied, Herr Advokat-Anwalt Frenke!, zu plaidiren berufen war und cs gereicht mir zu wahrem Vergnügen, Ihnen mitzuthcilen, daß das kgl. Bezirksgericht zu Kaiserslautern bereits in unserem Sinne entschieden hat. In Landau wird diese Frage heute plaidirt und ich hege dir Zuversicht, daß wir auch.dort siegen werden.*) Daß damit nun diese Sache nicht abgethan ist, liegt Ihnen natürlich klar vor Augen: so lange nicht daü endgültige, die Frage völlig entscheidende Urthril des Höchsten Gerichts — des CassationShofcS in München —- erholt ist, ist noch nichts entschieden und in diesem Sinne muß unsere Sache mit Energie, weiter betrieben werden. Allein Versen darf ich diesen Gegenstand nicht, ohne Ihnen und den Pfälzer Israeliten überhaupt Dank und Anerkennung auszusprechen, für die freudige Thcilnahme welche diese unsere gemeinsame Sache auf die erste, leiseste •) Das Bezirksgericht i'anbau bat, wie uns gemeldet wird, mittelst Urtheil vom 14. April den Pit mora juJaiao nach pfalzbanrischen Gesetzen für unstattbasl, und nach der jüdischen Religion für unothig erklärt. Abermals ein herrlicher Sieg des Lichts, derHumanität und des Fortschritts. T 'i

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