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Der israelitische Lehrer · 1862-06-01 · 10 (1.6.1862) · p. Seite 75

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
10 (1.6.1862)
Date
1862-06-01
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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76 — I Stadt seinen Wohnsitz hat, wird mir dir Ehre zu Th eil, diese achtbare Versammlung zu eröffnen und ich thue dies damit, indem ich .sie Alle in unserer Siadt herzlich „willkommen" heiße. Ja, von Herzen freuen wir uns, so viele wackere Männer unseres Glaubens um uns vereinigt zu sehen, so zahlreich vereinigt, wie wir eS kaum hoffen durften. Wahrlich! tief im Innern dieses altersgrauen JudenthumS muß doch ein achter, gesunder Kern wohnen, wenn aus leise Anregung hin so viele deutsche Männer sich um sein Banner schaaren, sich dafür begeistern können. Durch Jahrhunderte grauenvollen Drucks und Elends, da man seinen Bckennern jedwedes Bürger-, ja Menschenrecht versagte, hat cS sich in seinem Wesen wohl erhalten, hat eS sich stets verjüngt, wenn kurzsichtige MenschenweiShcit eS für todt und abgestorben erachtet. Und jetzt in unseren glücklicheren Tagen, wo man begonnen hat, nicht mehr zu fragen: „was g l a u b st d u? ", wo man den Mitmenschen nach! seinen Werken beurtheilt; in unseren^ glücklicheren Tagen, wo Licht und Sonne, dir der allmächtige Gott für alle seine Geschöpfe werden ließ, von den Herrschern und Hohen der Erde endlich Allen gleicherweise gegönnt zu werden beginnen; in unseren glücklicheren Tagen, wo endlich der große und doch so einfache Grundsatz: „gleiche Pflichten, gleiche Rechte!" eine Wahrheit zu werden, da man in dem Juden den Menschen, den Mitbruder anzucrkennen endlich bereit scheint — in diesen unseren Tagen sehen wir den Juden eifrigst und gewissenhaft bestrebt, die Schlacken, den Schmutz, mit dem er sich in dem trau rigen Ghetto des finstern Mittelalters nothwendig beflecken mußte, von sich abzuthun, wie einst unsere Voreltern nach der Sünde mit dem goldnen Kalb auf Mose Geheiß ihren Schmuck ablegten; in diesen Tagen sehen wir das Judenthum bemüht, sich zu der Bildung empor zu schwingenvon welcher man es lange gewaltsam zurückgehaltrn, und d e Fehler zu verbessern, welche die Roth und der unmenschliche Druck barbarischer Zeiten und Sitten ihm aufgedrungen hat. Und mit Stolz dürfen wir eS sagen, das Judenthum in unserer schönen Pfalz am Rhein bleibt nicht zurück. Hier auf diesem lieblichen Flecke deutscher Erde war es, wo in Deutschland zuerst den Juden Menschen- und Bürgerrecht zuerkannt ward, und wir suchen uns dcffen würdig zu erweisen. Wohl hat man uns damit keine Gnade erzeigt — uud wir wollen auch keine Gnade; unser Recht, unser volles, ganzes Recht als Menschen und als Staatsbürger wollen wir, und in der Pfalz haben wir es, mit geringer Ausnahme. Aber auch diese Ausnahme wird fallen und wir werden unser Recht völlig und unverkümmert haben, dafür bürgt der gesetzliche Sinnmnserer Staatsbehörden, dafür bürgt^drr gesunde Sinn des Pfälzischen Volkes. „Was wir wollen?" .— Ich habe es gesagt. Nicht zerstören wollen wir, wir möchten befestigen, ausbaum. Wir schätzen und achten daS Christrnthum; wir erkennen die unendliche Wichtigkeit des Christenthums für die Clvilistrung einer ganzen Well; wir nehmen dankbarst Antheil an den hohen Wohlthatcn, die das Christcnthum der Menschheit gespendet — allein wir halten uncrschüttnt fest, in Freud und Leid, im Leben uud Sterben an unserem alten, ehrwürdigen Judcnthum, an dieser einfach wahren Lehre, die unserem Geiste keine Fessel anlegt, unserer Vernunft keinerlei Schranke setzt, die uns im Wesen nichts gebietet al» den Glauben an den Einig-Einzigen, die Liebe zu Gott uud zu den Menschen. Das wolle Gott nicht, daß wir hie Religion Jsrael's schädigen, zu. festigen streben wir sie nach Innen und Außen. Rach Außen, indem wir fort und fort kämpfen für unser und unserer Glaubensgencsscn cwigeS, unvetäußerlichcö Recht, und^ in Nichts den Andersgläubigen nachstehcn wollen. Denn, waS auch der Mensch glauben mag, cS gibt ein angeborncS Recht, eine unverletzliche Freiheit, und will man sie ihm rauben, dann — wie bet deutschen Dichter Edelster, wie unser Schiller sagt — dann .. greift ct % Hinauf getrosten Mutho in den Himmel, Und holt herunter feine «w'gen Rechte, Die droben hangen unveräußerlich Und unzerbrechlich wie die Lrerne selbst. Und nach Innen, indem Wir streben, das Judenthum uno den Juden von den Schlacken eisier finsteren Zeit zu reinigen, in sich zu kräftigen und sie auf die Höhe heutiger Bildung zu erheben, wozu wir in der Erziehung der Jugend ein Hauptmittcl erkennen. Können wir auch nur ein winziges Stcinchen herbcitragen zu diesem hehren Bau, so ist auch dies des ernstesten StrcbcnS wcrth. Denn, meine Freunde, sorgen wir für eine tüchtig hrrangebildete Jugend, so sorgen wir zugleich für das, was mit der Religion uns das Höchste und Heiligste ist, für das Vaterland. Erziehen wir unsere Jugend im Geist und Sinn des, ächten, wahren JudenthumS, erziehen wir sie zu aufrichtigen, wahren Israeliten, so erziehen wir sie zugleich zu ächten deutschen Männern, zu wackeren Bürgern unseregeliebten deutschen Vaterlandes, das wie vor Jahren der alte Arndt mir schrieb, „muthige Herzen und starke Arme noch gewiß bedürfen wird." In diesem Sinne, meine Freunde, lasten Sie »nS zu unserem Werke schreiten, in diesem Geiste lasten Sie uns wirken und streben, so wird Gottes Segen ruhen auf unserem Wollen und unserem Thun. Gott segne Israel,.Gott segne daS deutsche Vaterland!" Nach diesen mit Beifall ausgcnommenen Worten bittet

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