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Der israelitische Lehrer · 1862-05-15 · 9 (15.5.1862) · p. Seite 70

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
9 (15.5.1862)
Date
1862-05-15
Page
Seite 70 (sequence 8)
Language
German
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70 . \- ■Rttgtnrg zu f cf den Dmurtheilen, diese immer auch gegen sich selbst einräumen muß. In der Emancipation der Juden liegt zugleich eine Emancipation der Christen. Dieselbe barbarische Tyrannei, die sie in früheren Jahrhunderten gegen die Juden übten, fiel zurück auf ihr eigenes Haupt. Mit ber vollkommenen Gleichstellung, der Durchführung des PrincipS allgemeiner Rechtsgleichheit, stellt sich zugleich die Gefammtbevölkerung sicher gegen jede willkürliche Unterdrückung einzelner Klaffen. — Hoffmeister stimmt im Wesentlichen dem Entwürfe bet. — Kusel spricht nicht als Jude, sondern als Dertreter des Landes; er freut sich der endlichen Erfüllung einer unabweisbaren Rechtepflicht, eiueS Begehrens, gegründet auf dcS unzweifelhafteste Recht, flicht auf ein Gnadengesuch. Die meisten europäischen Staaten sind mit der Erfüllung schon vorangegangen; die badische Kammer, die sonst auf dem Wege des Rechtes vcranzugehcn pflegte, wird heute freudig und nahezu einmüthig folgen; das Glaubensbetenntniß wird künftig keine Einwirkung mehr üben auf die Politischen und materiellen Rechtendes Bürgerthums- — Hsiusscr sreut sich der siegreichen Macht der Dahrhc t; in der Frage, für die sich 1831 nur zwei Stimmen erhoben, werden sich deute vielleicht nur zwei dagegen erbeben^ cS kann'kem eklatanteres > Beispiel geben dafür, daß der Fortschritt keine blcße Tbcorie ist.' Hausser bekämpft die Einwände vrn!Fcdcrcr, inS- Opfer bringen können, wenn auch.nur zunächst des DorurtheilS und ber eigenen vorgefaßten Meinung. Diesen Akt des Freisinns wird heute die badische Kammer bethätigen. Es folgt mm die Specialdebatte ohne weitgreifende Bedeutung. Die Annahme des Gesetzes folgte sodann einstimmig. Das' »Frankfurter Journal" zweite Beilage vom 27. April sagt sodann! noch: „Die Specialdebatte über das Gleich st ellungsgesetz bewegte sich großentheilS um Fragen der Redaktion und der, Erläuterung einzelner Bestimmungen; obwohl von mehrstündiger Dauer, war sie doch ohne große Tragweite. In allen wesentlichen Punkten siegte die Ansicht 'der Commissionsviehrheit. Die Hahptmodification: Verlängerung der ZulassungSfrist zu Bürgernutzen und Armenunterstützung von 5 auf 10 Jahre, ohne daß ein Gegenantrag auf Wiederherstellung des RcgierungSentwurfes gestellt worden wäre, wurde angenommen. Wch der Präsident des Ministeriums des Innern, obgleich er princisicll lieber Alles sofort gewährt hätte, fügte sich den Grünoen der Schonung materieller Interessen. Auch Kusel legte eine kurze Verwahrung zu Gunsten dieses principicllen Standpunkte» ein. Die einstimmige Annahme wurde dadurch erzielt, daß sich der Abg. Fcderer vor der AbstimmizngH entfernte. Die Kammer selbst war wohl durch dieses glänzende Schlußcrgebniß ein wenig überrascht." — Schließlich besondere den Vorwurf mangelnden Dürgersinnes. Durch! ftimtncn wit ganj mit dem in Nr. 118 (vom 29. April) seinen religiösen Mittelpunkt, durch bäuSlide Zucbt nnd j tcrdbm Zcitschriit Ausgesprochenen überein: ' Sitte bietet das Judmihum Latz einzige Schruspicl, durch Jahrtauscnee ernc 'Nation^zu bllrbcn, ohne d:d ein Staat zu sein. Das sind keine scklimmen Bürgich iston für cin ’ gute« Bürger thum. 'Das Jahr 1813 hat gezeigt, wie der Jude dankt für die Gesetzgebung, eie ihm in Va.erland gibt. Redner achtes Uno .eher das Volk; aber Masten- und i Sturmventicncn imponircn ihm nickt; auch nicht die bc-! kannten litbozravhirtcn Petilioncn. Wohl könnte' eine j Volksabstimmung ein dem Entwirrfe feindliches Ergcbniß! liefern; das aber ist gerade dcr Vorzug der konstitutionellen ' Nknarchie Ver dis Tcmokralee, oaß nickt die'Masten, sonocrn die iErwählten des Volkes entscheiden. Die Geschichte lehrt, wie schlecht der'Freiheit gedient ist, wenn Leidenschaft, , Dorurthchl und trockenes Interesse-über sie entscheiden. Insbesondere gegen den Vorwurf deS Wuchers ich wendend, i zieht Häustcr eine Parallele zwischen dem tlci icn Schaderjuden-i ustd. ocm großen Börscnspielcr; über . cnen alterirt; sich der christliche Staat m sittlicher Entrüstung; diesen. schmückt er wohl gar. mit dem Erlöscrordcn. Freisinn auf > Major MapnuS und vr. Bcrthold Auerbach hat nun auch Kosten alter historischer Vorrechte ist leicht zu. üben; man j an verschiedene Vorstände israelitischer Gemeinden Aufsteckt da zu dem materiellen Profit auch noch die leicht ver-! forderuugen ergehen lasten. Das in diesem Betreff ergangene diente Prämie des Freisinns; der ächte Freisinn muß auch! Schreiben enthält folgend^ Stelle: »In Berlin soll neben Frarkfvrt, 28. April. Tie Entscheidung der hohe« aadischeu Kammer über die Emancipation der. Israeliten hat in den Herzen derselben im ganzen oentschcn Paterlande die freudigsten Gefühle wach gerufen. Dankbar schlagen sie dem badischen Ministerium und dem wackcrn Deputieren Häustcr entgegen, dem Verfasser dt» CommifsionSderichts in dieser wichtigen Angelegenheit, der mit einer Klarheit und Geistesschärfe das starke Material von der alten talmudischen Zeit bis auf den heutigen Tag verarbeitete, die groß und unübertrefflich dastehen. Die Geschichte wird einst ihr chrendcS llrtheil darüber fällen. Die badische Kammer hat aber auch durch ihre Abstimmung bewiesen, daß sie edel und großherzig ist. — TaS jüdische Eomile zur Errichtung eines ehernen Standbildes unstpeö großen Lcsting neben den Statuen Schillcr's und Göthe'S in Preußens Hauptstadt, bestehend aus Professor vr. LazaruS, Commerzienrath, Stadtrath

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