Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 7 (15.4.1862)
- Date
- 1862-04-15
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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54 «ngchalten werde»; Nichts darf ihm ein lerer Schall blri- Lleibeiij. Der Lehrer muß stet» nach drm Lrrständuiste des Worts^ in feiner natürlichen wie bildüchcu Bedeutung, nach dem Sinne des Satzes, nach dem Zuhalte de» ganzeil Lesestückes in erschöpfendster Weise fragen. De» Schülers Aufmerksamkeit'werde auf di^ einzelnen Satzthcile und deren logische Folge gelenkt,- rr lerne das Wrfcnfliche vom Zufälligen unterfchrideu, den Satz in ferne D^ftaudtheile auflöseri. Zur Beförderung des Verständnisse» lasse man die Sätze in anderer Wortfolge, alt die im Lescbuchr (Versetzung) wiedergeben. Diese Uebung hat den höchst wichtigen Bbrtheil, daß sie zum .richtigen Ton fressen vcrhilft, also!den richtigen Lescton befördert. — Ei» und derselbe Satz werde als Frage- Erzähl- Heischefatz st. s. w. gesprochen. .Als Probe, ob der gelesene Satz auch gänzlich verstandest ist, hat der Schüler denselben zu'übertragen, in deS Schülers eigener Ausdrucksweise cinzuÜeidcn. Diese Uebung muß recht oft, namentlich bei längeren und schwer cvnstr»irten Sätzen gemacht werden, eine Urhuug, die zudem die schönsten Früchte für den. mündlichenwie schriftlichen Abdruck trägt. Thstclbe Verfahren, wie Lei dem Satze, muß nur in erweitertem Maßstabe mit dem ganzen Leseftücke vorgeuommen werden. Dies« müssen „ nachdem sie gelesen sind, »achcrzählt, der Eedankengang in denselben muß kurz, skizzevartig angegeben werden, also das Lrsestück ist mündlich zu disponiren. — Am besten lernt man Dispositionen entwerfen dadurch, «daß man die Disposition aus Meisterstücken heraussucht.! Aus diesem Grunde haben wir auch in unserer: „deutschen Sprachlehre als Grundlage zur Stilistik", einzelnen Meisterstücken die Disposition beigcgebe. - Ehe wir die Anwendung des Gesagten auf die Lesebücher anwcnden, folge eine'Probe, welche nn achtjähriger Knabe, der gut sollte lesen können, über dsts Verständniß des Gelesenen ablegte. Bei Anwesenheit eines auswärtigen Kollegen sagte der Lehrer zu seinen Schülern: „Nun zeigt auch, wieihrdeklamiren könnt!" Zuerst kommt rin achtjähriger, wackerer Kyabe an die'Reihe: „Was willst Tu'ausjstgen?" Kind: „Da» stied vom Kukuk." . . ' f er Knabe deNamirte ziemlich geläufig das Gedicht- Kukuk, Kukuk, ruft in de« Wald rc. Der fremde Lehrer wollte nun erfahren, in wie weit das Kind mit dyn Gehalte des.. GrdichtcheuS vertraut fei, und begann zu fragen:« „„Wen rujt?" was rufst er?" Aber das Kind, fchjvifg uuh machte große AuKeu. Daß in dyn Rufe des Kukuk die Glimme des FrühlivtzS vernommen wirb, davon hgt, <ss keim Ahnung. — Wi« das Kind noch einzelne andere Fragen beantwortet? . Fremder Lehrer: „WaS heißt: „trefflicher Held?" — Kind: „Weil wir im Walde den Kukuck antrefieu." F: L: „WaS ist ein Hesd?" K: „DaS sind fcböne Bäume, Blumen und Beeren." F. L: „Was denkst Du unter „räumt das Feld?" Kind: „der Kukuk träumt im Feld" — F. L. „ES heißt ja räumt und nicht träumt! — K. „A so! Mamma räumt auch auf, daun stellt sie 'alles zurecht, und fetzt.auch Manches weg." Nun brachte der f. L: das Kind auf die Bedeutung deS Ausdruckes „das Feld räumen." Die Kinder sahen alle mit Bewnndrruug auf den fremden Mann, der ihnen durch allerlei Fragen daS Verständniß deS Liedchens aus der Seele lockte Endlich mach e er noch folgendes Experiment. „Wir wollen einmal Kukuk spielen," sagte er, „Wenn ich mit dem Finger aufwärts schlage, sprichst Tu (zum Knaben) beim Senken des. Fingers spreche ich, und wenn ich mit mehreren Fingern aufzcigr, so sollen mehrere Schüler zusammen sprechen." Demnächst wurde auSgeführt: Knabe: „Kukuk, Kukuk!" F. L: „rufts aus dem Wald" Mehrere Schüler: „Lastet uns singen uud tanzen und springen, Frühling, Frühling wird es nun bald." So wurde daS Gedichtchen bis Ende deklamirt. Das war eine Freude für die Kinder! Sie fanden das Gedichtchen jetzt erst recht schön, weil — sie eS verstanden. (Fortsetzung folgt.) Correspondenz. A»s der Pfalz. Sicherem Vernehmen nach wird am 8. Mai uächsthin zu Neustadt a.d. H. eine Versammln n g i S r. N o t a b l e n zur Derathung wichtiger Angelegenheiten stattfinden. Unsere nächste Nummer wird die >Einladung und die Tagesordnung bringen. Gner oder zwei unserer Redakteure «erden der Versammlung beiwohnen und wir werden die gewiß interessareten Verhandlungen unseren Lesern s. Z. in möglichster Vollständigkeit mitzuthrilen i uns beeile». , AuS Weflphale». (Eincharakteristisches, jedoch leicht, erklärliches Euriosum). In derZtg. d. Z. regt Hr. Dr. Ludwig Philipps«» zu einer Adresse, die Schule betreffend^ an» warMf-in einer Beilage dem Hrn. Redakteur himmelhohe» Loh gespendet wird. Letzteres ist «imalltägliche Erscheinung, da hi« Debilität und die Schlkpprnträgrrn bis zur^- Vergötterung sich »ersteigen darf. Ei« biederer, religiöser, i seines guten Wirkeus sich bewußte« Mann «wird, ditjeni- , gen, so di«. Grenze des Unstande» durch Schmeichelei LbStriij bev, w»u» nicht vy-qchtyr, doch zum Wenigste» jedes ungo- ' bührliche Lob von sich abweisen. — Der Einsender ist indeß I