Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 7 (15.4.1862)
- Date
- 1862-04-15
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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53 mitten einer auf j tf[arten und fortgeschrittenen Bevölkerung, die in den Juden! längst den Menschen und Mitbürger erkennt; er wird gefordert als ausgehend von einem Code, einer Gesetzgebung, die!va» große Wort : „gleiche Pflichten gleiche Rechte" zuerst zur Geltung brachte; er heißt ei» Eid mors judaico oder wie daS Gericht in Frankenthal sagt: ein Eid nach strengstem jüdischem Ritus und wird im Namen eirstr Religion gefordert, von deren biblischem oder talmudischen Bestimmungen er ganz und gar abweicht. Wie, fragen mich die Leser, konnte sich unter der Herrschaft Eurer Gesetze ein solche« Verfahren bilden, erhalten, wie kann e« fort und fort bestehen?" Auch daS ist ein interessantes Stückchen jüdischer Geschichte, jüdischer Martyrologie. Sehen wir uns das Herkommen, die AnSbildung, den Bestand dieses „JudeneideS" an der Hand der Geschichte etwas näher an. (Fortsetzung folgt.) Lese« und Lesebücher. r (T.) (Fortsetzung.) Der bei Weitem größte Theil der Schüler bringt aus dem elterlichen Hause theils unreife Laute, theils die Sprache verunzierende Lautverbindungen mit in die Schule. Vieles , derartige ist Nachwuchs verhätschelnder Redeweise worin ältere Personen sich vor Kindern gefallen; Anderes unausbleibliche Folge falscher Aussprache im häuslichen Kreise, Manches rührt von unauSgebildeten oder fehlerhaftm Sprachorganen der Kinder selbst her. Da hat nun die Uebung im Silben- und Wötterlesen ein reiches mühsames aber gewiß auch ein sehr lohnende» Feld das sicherlich zum großen, Nachtheile des guten, reinen und klangvollen Lesens meistentheils leider brachliegen bleibt. — Es ist eine unverantwortliche, gewissenlose Schwäche, wenn der Lehrer nur darauf hinarbeitet, daß das Kind ja recht bald den Eltern ein Stückchen, eine Erzählung vorlesen kann, gleichviel ob da» Lesen in einem Vorschnarren von Lauten, in Lispeln, Schnattern und Zischen bestehe. Da« Kind hat ja schnell lesen gelernt. Die richttge Aussprache ist da« Werk der Nachahmung. Vor Allem hat also der Lehrer richttg vorzusprechen, vorzulesen, wie überhaupt der Leselehrer e« an dem Vorzuthun' und Zuvorthun nicht fehlen lasten darf. Bei vorliegendem Fache ist auf allen Stufen ein gute« Vorbild unerläßlich und von der besten Wirkung. Biele Buchstaben haben — abgesehen von Dehnung und Schärfung verschiedene Laute. Diese« tritt am stärksteu bei den Selbstlauten hervor. Demnach sind Uebung«- stücke erforderlich, welche die Buchstaben in ihren verschiedenen Lautarten zur Anwendung und Uebung bringen, z. B. daS „S" am Anfänge und am Ende der Silbe, da» „O" wie in „Nordpol", das „E" in „Geben," „Teller" u. f. w, u. s. w. Der Lehrer muß auf diese Lautunterschiede aufwersam machen, durch vielseitige Hebungen der Art dem sinnnnd gefühllosen Geleier, da« man so viel»' fach noch in bcu Schulen antriftt, entgegenarbeiteu, von Vornherein demselben vorzubeugen suchen. Die Fibeln der Neuzeit haben dieser Grundbedingung zum guten Lesen durchzehends zu wenig Rechnung getragen. Es ist abermals eine Täuschung, wenn man glaubt das Versäumte'später an den Lesestücken nachholen zu können. Später treten andere Momente ein/ die wieder alle Kraft und Aufmerksamkeit, sowohl des Lehrenden, als de« Lernenden in Anspruch nehmen. Noch sind auch die Sprechorgane gefügig, haben sie fich an daS Fehlerhafte je länger gewöhnt, ist es desto schwerer und zeitraubender ab- und daS Richttge anzugewöhnen. An daS^Lefen der Lautere, schließt sich unmittelbar die Stufe, aus welcher der Schüler auf das Verständniß und die richtige Betonung der Silben geführt werden muß, Die Fibel oder daS erste Lesebuch hat dieser Stufe unbedingt eine besondere Abthttlung 'zu widmen, worin das euphonische Lesen um einen bedeutenden Schritt weiter gefördert werden muß. In der Betonung unterscheiden sich die Arten der Silben. Gleichzeitig ist des SchüterS Gefühl (Ohr) zur Unterscheidung de« Zeitmaßes der Silben zu schärfen, wobei natürlich von rithmischen Regeln für den Schüler keine Rede sein kann. Daß man das Kiyd nicht zn sehr mit nichtssagenden, bedeutungslosen, oder bizarren Silben abplage und ermüde, ist selbstredend; vielmehr, soll das lebendige Wort die rechte Uebung bieten. Bei fehlerhafter Aussprache, besonders bei falscher Betonung der Silben kann der Lehrer dem Schüler in der Frage: „Wie wird diese» Wort gesprochen?" den besten Maßstab Vorhalten. Diese Frage leitet zudem den Schüler auf die wahre Bedeutung und den eigentlichen Zweck de« Lesens; er ahnt in dem Lesebuch den bekehrenden und unterhaltenden Freund nud Lehrer; die schwarzen Zeichen erhalten Sprache und vergeistigen sich vor seinem Auge und Ohr. Aus der erlangten mechanischen Fertigkeit muß der Lehrer nunmehr den Geist sinnig und klangvoll spreche» lassen. Westn in dem Bisherigen nur über die Vorarbeiten zum Lesenlernen — der Aneigung der mechanischen Ferttgkeit — die Rede war, so tritt von nun an die logische Seite de« Lesen« in den Vordergrund. Der Schüler soll mit Verstand lesen, zum denkenden Lesen ununterbrochen i