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Der israelitische Lehrer · 1862-04-15 · 7 (15.4.1862) · p. Seite 50

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
7 (15.4.1862)
Date
1862-04-15
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 bet Synagogen-Vorständr auSeinandvrsetzt, und um Abhülfe gcketen. Drei Glieder' deS Ausschusses haben eS unternommen, die Bittschrift bei £<$1: Regier ang persönlich einzttreichen und umderen Befürwortung nachzusuchen. Es ist kaum zu zweifeln, -daß dieser Schütt auch die gewünschten Folgen haben wird. * Mit diesem Schritte allein war jedoch den meisten Apsschußgliedern nicht —gedient. Mit Recht behauptete mdn, daß es nach Abweisung einer eigentlichen Organisation außerordentlich wünschenswertst, ja nothwendig wäre, «sie gewisie Einigung zu haben, ein Zusammenwirken herzchftellen, damit die Bestrebungen Einzelner nicht wirkungSta8 im Sande verrinnen, damit den Bemühungen für die allgemeine Sache ein Mittelpunkt geschaffen würde. Man wtes auf die Lehrerfrage, auf .den Mangel an Lehrern und auf-die so lückenhafte Vorbildung unserer jüngern Lehrer in synagogaler und hebräischer. Beziehung, auf dir Frage über den Eid, auf die wo möglich zu bewirkende Entlastung der überbürdeten Cuttgemeinden, auf die Armenfrage u. A. m., als auf Gegenstände hin, worin bei uns noch viel zu wünschen, viel zu thun übrig blieb. —- Das moderne Judenthum hat einen großen Feind, der wie ein Wurm Kraft qnd Saft von Innen heraus zernagt: es ist der JndifferenttSmus, die Gleichgülttgkeit gegen Alles, was die Religion betrifft. Der Orthodoxe Kümmert jsich umdas Allgemeine fast me; er glaubt, mit seinem 'Gott 'und seiner Religion abgrthan zu. haben, wenn er die Mäste der täglich vorgeschriebenen Gebete herabgelziert und alle hergebrachten äußerlichen Gebräuche nach dem in seiner Gemeinde oder Umgebung. Geltung habenden Herkommen vollbracht hat. Der Reformjude öder der Neuere hat oft gar keine äußere Religion mehr,,'gehört gar keiner Confestion mehr an; ihm ist eS oft ganz gleichgültig, ob, wo und wie Gottesdienst gehalten wird, er betheiligt jfich ja doch nicht daran, ob in einer neuen hübschen oder alten und ungeeigneten Synagoge, üb mit oder ohne Orgel, mit oder ohne Predigt, mit viel oder wenig deutschen Gebeten und Gesängen. Allerdings herrscht diesep JndifferenttSmuS nicht bei uns Juden allem;. eS ist ein krankhaftes Symptom alles Confestionslebens — und ^wollen röir nicht ungerecht sein, so. müsten wir auch bekennen, daß diese Gesinnung in gewister Beziehung eine mindestens gesch-ichtlich berechtigte ist. Welch' unendliches Unheil haben die konfessionellen Streitigkeiten nicht schon-in die 2Helt gebracht! Während in den Grundprinzipien und in deren Einwirkung auf die Gestaltung des Lebens..und auf eisten moralischen Wandel die Religion aller civilisirten Menschen dieselbe ist, waren eS gerade die Streittgkeitm über (mehr oder minder) Aeußerlichkeitm, welche in altern Zeiten maßloses Elend über die Welt gebracht und in unfern neuern s. g. aufgeklärte» Zeiten noch Zwiespalt. Uneinigkeit, Unfrieden genug im Gefolge hatten. Die Gebildeten aller Confestionen sind des Haders müde über Dinge, die ihnen nicht wesenttich gmug scheinen, um den Frieden der Menschheit öder der Einzelnen dadurch in Frage zu stellen, darum nicht, weil sie auf wahrhast menschliches Leben und sittliches Verhalten nachweislich keine« wrhrm Einfluß üben. Oder macht etwa der Glaube an die unbefleckte Empfängniß der Jungfrau Marichden Katholiken zu einem bessern Menschen als den Protestaktion? Oder der Glaube an dir Transubstantatton den Lutheraner bester als den Reformirten? Oder ist der alle Tage seine Tefftlliu legende Jude dadurch ein sittlich besserer Mmsch als der Christ? — Wir können darum in die allgemeine Klage über JndifferenttSmuS nicht ganz mit den Gläubigen und „Frommen aller Nationen* einstimmen. Nein, wir wollen uns nicht mehr in diesen Streit und Hader hineinziehen laflm — und wünschen nichts sehnlicher, als daß man uns in Ruhe nach unserm Ansichten mit pnserem Gott, unserem Gewissen leben läßt, wir wollen gewiß Niemanden in seiner Ueberzeugung, in seinen religiösen Uebungen zu beirren suchen. „Fair play!" — Luht und Sonne für uns Alle gleichmäßig! duldet ja der liebe Gott so .viele Religionen und Confestionen und Serien und Parteien, warum sollte« wir es nicht? In konfessioneller Beziehung also mag sich Jeder nach seinem Verstand oder auch Unverstand, mit seinen Pflichten—wir machen hier zwischen Religion und Confestion einen großen Unterschied — abfinden, das hat er mit seinem Gott und seinem Gewissen abzumachen. Aber ein ganz Anderes ist es mit unserem Bewußtsein als Juden überhaupt und mit der Bethätigung unsrer Ueberzcugungen als solche. Wo dies geschwunden ist, wo jedes Interesse an Judenthum und jüdisches Leben, an die Grundideen und ewigen Wahrheitendie unsere Religion in die . Welt gebracht hat und zur Stunde noch am reinsten vertritt, aufgchört hat, du ist der Jndifferentismus bcklagenSwerth, beklagenswcrth nicht bloS für die Gesammtheit, beklagenSwerth auch für den Einzelnen selbst, dem mindestens eijne der wenigen Vergeistigungen „irdischer Eitelkeiten," ein hehreS Mittel zur Emporhebung über den |„vanity fair“, den täglichen Markt deS Lebens, das Treiben der Menge abgeht. Irren wir uns nicht, so ist jedoch dieser Standpunkt deS JndifferenttSmuS, der eben auch für den Einzelnen wie für die Gesammheit der denkenden Menschen ein nothwendiger Durchgangspunkt zu sein scheint, für das Judenthum überhaupt — wir lassen große und vielfache Aus- ~J nahmen zu — und für die Pfalz in'S Besondere, ein überwundner. Es ist doch Lebm, Bewegnng da, und das ist

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