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Der israelitische Lehrer · 1862-03-15 · 6 (15.3.1862) · p. Seite 45

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
6 (15.3.1862)
Date
1862-03-15
Page
Seite 45 (sequence 5)
Language
German
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45 solch fettige praktische „Elementargcister" hinweg; nach Jahren erst oder nie fühlen sie die Erstarrung ihres Geiste- und ihrer Gefühle, erkennen sie, daß nicht allein die ganze Welt fortgeschritten, während sie stille gestanden, daß sie auch die Fähigkeit fortzubildcn und fortgebildet zu werden verloren haben. Danlm freuen wir uns der Lehrervereine, auch der israelitischen. Möchten ihrer noch recht viele erstehen. — Möchten recht viele Lehrer mit uns sagen: Seid mir gegrüßt, Ihr warmen freundlichen Sonnentage, die ihr Gleichstrcbende, Gleichdenkende vereinigt, um neue Kräfte zu sammeln füif die getreue Erfüllung und Bewältigung schwieriger BerufspflichtenJ um aus den Gedanken und Worten der Freunde Nahrung zu schöpfen für unausgesetzte geistige Lichtjaatrn. Wir gestehen, daß dort, wo es wirklich freie allgemeine Lehrerversammlungen gibt, die öfteren Versammlungen iSrael. Lehrer nicht gerade unbedingt nöthig sind. Wir sagen: wirklich freie! Aber wer sagt uns, wo diese sind? Und auch da dürfte der besondere Charakter der jüdischen Schule wenn nicht öfter doch zuweilen solche Versammlungen nothwendig und förderlich machen. Es bestehen jetzt unseres Wissenjüdische Lehrervereine, die regelmäßige Zusammenkünfte halten, in Rheinland- Westfalen (Preußen), in der bayr. Pfalz und in Rhein- Hessen. Von den früher öfter« genannten Lehrerconfrrenzeü in Eschwege (Kurhessen), Oberschlesien, und Büdingen (Ober- Hessen) ist in neuerer Zeit nicht» in die Ocffentlichkeit gedrungen. Wir werden nicht so anmaßend sein über die Aufgabe dieser einzelnen Bereine hier uns ausfprechcn 'zu wollen. Wo immer das Bedürfniß, mit gleichstrebenden Freunden zusammen zukommrn, zu Tage tritt, da sind auch die. rechten Männer vorhanden, die wisien, was sie zu thun haben. Wir wollen selbst nicht zur Bildung solcher Vereine geradezu aufsordcrn. Wo immer die rechten Männer in hinreichender Anzahl sich zusammen finden, da werden die sich auch cine Organisation zu schaffen vermögen, wann ihre Zdit kömmt. Wir wollen nur immer wiederholen / immer wsrder aufmerksam machen, wie wir unter uns, unter sämmtlichcn jüdisch-deutschen Lehrern daS Gefühl geistiger Genossenschaft, ich tnöchte sagen der Lebensgemeinschaft nicht erkalten lassen dürfen. In Preußen, wie in Hessen ist — die verschwindend kleine Anzahl der öffentlichen jüdischen Volksschulen etwa ausgenommen — die Organisation der jüdisch:» Schule noch im ersten Stadium. Sie — die jüdische Schule — stehet äußerlich, da ihr alle öffentlichen Rechte mangeln, «eit zurück gegen die jüdische Schule in'Bayern, Baden Württemberg und anderwärts, wo die jüdischen Schulen und Lehrer denjenigen anderer Confeffionen fast vollkomnten gleichgestellt sind. ES ist also leicht ersichtlich, welche» die Ausgabe der jüdischen Lehrervereine, sowohl der befteheudeu als auch der sich etwa bildenden in erster Zeit sein wird. Sie werden durch ihre Organisation, durch ihr Wirken erweisen müffen, daß die Zeis, auch ohne Einwirkung der Regierungen an der jüdischen Lchrerwrlt das ihrige gethan, daß sie selbst sich emporgearbeitet haben, daß ste ihren christlichen Collcgen der großen Mehrzahl nach ebenbürtig sind an Wissen, Verständniß der Zeit und an Thatkraf t; dgß sie sich selbst sittlich und geistig «maneipirten, wie ja ciuch so recht eigentlich nicht die Mitwelt das Judenthum und dir Judenheit, sondern diese sich selbst emancipirtxn. Wir Hallen wohl -da», was man so oft sagt, für unbegründet, daß nämlich die alten jüdischen Schulen und Lehrer — vor fünfzig und hundert Jahren denjenigen anderer Confeffionen! weit nachstanden. Die jüdische Schule von damals war eben ihrer Zeit entsprechend: und wahrlich, die christlichen Elementar-Schulmeister der damaligen Periode standen, wenn wir die Bildung als ein Ganze«, als ein Produkt der gesammten geistigen und sittlichen-Gestaltung des flkenjschenlebeilS betrachten, nicht höher, als die jüdischen Bachuriin. ES war eben ein anderes Leben, eine andere Ideenwelt, in der sie sich bewegten. Wo wohl mehr Intelligenz, mehr geistiges und sittliches Verständniß der gesellschaftlichen Lebens-Grundlagen waif, möchte schwer zu entscheiden sein. Allein, abgesehen davon, und wenn auch leider in denjenigen Gegenden, in welchen das jüdische Schulwesen der Unterstützung' des Staateentbehrte, viel Uebcrrefte der Bachurimzeit mitten in! die Jetztzeit hereinragen, so sind doch die Fortschritte,, die die Lehrer der Judenheit im großen Ganzen machten, bewundernSwerch und verdienen der gesellschaftlichen Anerkennung durch gesellschaftliche Gleichstellung. | Eö ist die Aufgabe der jüdischen sichrer in ihren Versammlungen und Conferenzen zu zeigen, waS sie sind und leisten können in ihrer Gesammtbcit; denn, wenn man wohl auch dcsi Eiiszellcistungen in der Schule natürlich eine größere Bedeutung ^«sprechen muß, so fehlen doch die Organe, die diese Einzclleistungen zu einem wohlgeordneten Ganzen verbinden^ uni! auf der rechten. Stätte energisch vertrete«. Man idird vielmehr nicht unschwer cinsehen, daß die Organe, deren PflichtdieS wäre, — die jüdischen Schulbehörde», —einer freien und gedeihlichen Entwicklung des jüdischen LehrerweseNSl einer den Anforderungen derselben entsprechenden Selbstständigkeit, definitiven Lebensstellung und entsprechenden Gegenleistung, zumeist leider au» vielfach egoistischen Gründen, abhold sind.

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