Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 5 (1.3.1862)
- Date
- 1862-03-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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36 gar eine ^tt polinschcr uns religiöser Rcaction mit hinzu — auch schon dagewesen! — wie Sann? Einer solchen Zeit verdankt die pfälzisch unirtc, protestantische Kirche die schweren -Wirren, die in den widerlichen Gesangbuchsstreit ihren Gipfelpunkt erreichten, in Gemeinden und Faqiilien, in Kirchen- und Kinderzucht sehr unheilvoll eingrissen und wohl geeignet und, un« auf mögliche Gefahren solcher Orgänisationen aufmerksam zu machen. Wie, wenn eine orthüücr gesinnte Synode unsin Gemeinde, Synagoge, Echiile^und Haue- 'herübergreifen, die Ausforscherin und Denunciantin macken, uns alte Scharteken, aus denen wir weder Erbauung no'ch Belehrung schöpsen könnten, für die Jugend unserer Schulen aufdrirrgen wollte? Die Autonomie, das diyll Government, ick Meine, das Recht, das jetzt jede i«rail. Gemeinde hat, sich in den gesetzlichen Schranken selbst zu regieren, ohne das Recht zu haben, 'dem Einzelnen inquisitarisck irg nd etwas arrfznnöthigen — das ist ein köstliches-.'lechr, und hat un? bi« jetzt hinlänglich den Fortschritt gesickert, wo dieser ein innerer, wahrer gewesen ist. Die 'Rackbargemeinde Erenkvben B., aus wackern Männern und guten Israeliten benehend, bat sich einen GetteStuuU einzcrecktct, der den Ansprüchen^der Zeit, den Bedün tissen dieser Gemeinde sehr angemessen, wahrlich erbaulich und von abgestorbenen Formen gereinigt ist, hat den dreijährigen Cvelus 'der Thora-Vorlesnnz eiuzcführt und will, wie 'mau hört, die twcilen Lage der Feste abschasseu. "slüer hat isie gebindert? Doer, wtm wirs es auf der andern Leise entfallen, Rülzheim oder Albersweiler zu gleichem anbiücn zu wollen? Rach beiden Seiten bin also könnte eine! Svnodal-Derfasiung, trotz aller Verclausclirungen, Eingriffe maelun. alw Gewissenszwang üben oder den Fort fchritt bemn-en. . (Fortsetzung folgt.» Lesen, und Lesebücher. -- ' ii-) Fortsetzung (aus Rr. 1.»! Aus den allgemeinen Erörterungen nun, in so weit sie!eaS Lesen an- und für sich zum Gegenstände haben, gSbt hervor, daß alle speziell' zu stellenden Forderungen sich unter zwei Gesichtspunkte stellen lassen: Geist und Form. Bride bedingen einandcr-und sind in der praktischen Anöfüdhunz der durch unseren Gegenstand gestellten Aufgabe ■ unzertrennlich. .. ' Diese beiden Faktoren bilden, wie hier, so im menschlichen Leben, in den socialen Verhältnissen, in der Politik, in der Religion, der Kunst :c,?re. nun einmal ein Prod akt, dad immer ea ein mangelhaftes wird, wo man so leicht sich über den einen Faktoren glaubt hinweg setzen zu dürfe». In unserem sublunarischcn Loben muß nun alles in den Anschauungskreis Fallende Gestalt und Form annrhmen, und deshalb brauchen wir auch die Berechtigung der Form — der Manifestation des Geistigen hieniedeu — demjenigen gegenüber nicht zu vertheidigcn, der da noch fühlt und weiß, daß er znm Stehen des BodeuS unter den Füßen bedarf. DaS Geistige,, der Inhalt ist in dem Lesestoffe gegeben. (Wenn der Geist dennoch in sehr vielen Lesebüchern fehlt, so bescheiden wir unS gern unfähig genug zu sein, um aus ihnen den Gegenbeweis gegen unsere Behauptung nicht rtnsehcn zu können.) Dieses Geistige in dem Lesestoffe hat der Leser mit seinem Geiste zu erfasse«, wenigstens annähernd so, wie es sich in dem Geiste des BcrfasierS bildete. Ganz und gar wird dieses nur Wenigen und selten gelingen. Der Leser hat ferner die Aufgabe, da» Geistige in dem Lesestoffe durch Schall oder Ton-Gebilden anschaulich hörbar darzustellen. Durch Letzteres entsteht demgemäß die, Aufgabe, dem Geiste, den Gedanken und Gefühlen das paffende Gewand zu leihen. - ' Die Kunst des Lesens ist somit eine zweifache, die de« Auffassens und die der Darstellung. In Betreff der «rsterru erfordern zwei Momente die Aufmerksamkeit des Lesers: er hat den Geist des Bersasscrs zu erforschen und zugleich die Einkleidung in sichtbare Zeichen, (Laute, Worte, Sätze, der Verbindung uno logische Folge) zu beachten. Der Leser hat cS also mit geistigen Produkten, deren sichtbarer Darstellung zu. thun, wobei Wesen und Form so eng mit einander verbunden sind, Eines dem Anderen sd angepaßt wc.oen muß, daß das LLejcn kn der Form erkannt, die Form mit dem Wesen gegeben wird.- Das sin» die Gesichtspunkte, unter welche die Pädagogik die .Regeln für den Leseunterricht ordnet: 1) DaS logische Lesen, '.') das euphonische Lesen: das heißt, sie gibt Anleitung zur Auffassung des Geistigen, der Gedanken in dem Lesestoffe, und zweitens zur Aneignung der Kunst zur richtigen uns schönen Darstellung durch den Voktrag. Die sichtbare Darstellung ist die Aufgabe deS VcrsafferS uiid Gegenstand-der Stillchre, welche auf Logik und Sprachkenntniß bafircn muß. Im wcitereit Sinne des Wertes kann auch der Leser die Kenntiß der Sprach- und Sprechsormen nicht entbehren. Die Anleitung zum logischen Lesen soll 1) daö Verständniß des Wortes in seiner wirtlichen und figürlichen Bedeulitng, 2) daS Verständniß des Satzes — Wortverbindung — in allen seinen sprachlichen Formen, j 3) das Verständniß zusammenhängender Darstellung i«.