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Der israelitische Lehrer · 1862-03-01 · 5 (1.3.1862) · p. Seite 35

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
5 (1.3.1862)
Date
1862-03-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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35 j - i Bacher (so hieß man hier früher die Lehrer), der allenfalls noch rin Schneider oder Schuhmacher nebenbei war n. st w., u. s. w. — diese Zeiten sind doch vorbei und die rechte, ächte — etwa polnische — Orthodoxie, ist bei n»S zu Grabe getragen. Die Juden der Pfalz sind eigeütlich Alle Reformer, sie sehen Alle rin, daß gar Manches veraltet und abgelebt ist und einer Erneuerung bedarf — nur über Maß und Ziel dieser Resoruien oder Neuerungen gehen wir so weit auseinander, daß man, wenn auch außerordentlich in einander fchattirt, doch jene zwei Partcinamen — Orthodoxe und Reformer —.auch für die Pfalz bcibrhalten kann. Welcher Partei nun wcxdcn die Synoden augchLren? Im' Bezirk Frankenthal hat, fo weit wir zu beurtheilen vermögen, die Refvrmpartei das Uebergcwicht. Da gibt cS eine Anzahl fehr wackerer JSraefiten, die das Zudenthum nicht blo» in Eerrmouienwefen, in TaUiS, Tcfiilin undSprifevcrordi ungen sehen, und doch ihre Religion Hochhalten, mit warmen Eif r für dieselbe erfüllt, und große Opfer da für zu bringen fähig sind. Auch im Bezirk Landau findet sich eine fehl ansehnliche Minorität solcher Mänuer, während dagegen von den beiden anderen Bezirken, dem sog. Westrich, traurizc Berichte eingehcn. Viele, sehr ehrcn- «erthe Ausnahmen abgerechnet, soll dort sich fast Alles im althergebrachten Geleise bewegen, die Religion für nichts als ein Schwall von Ceremonirn angesebrn, die rein mechanisch abgefertigt werden, ohne irgend welchen heilsamen Einftnß auf Herz nnd Geist zu üben. Wahrer Eifer, freudige Opscrsähigleit. für die Religion soll dort wenig zu finden und ein Bedürfniß zur Versöhnung des Iudenthums mit dem Jetztlebcn 'fast gar nicht vorhanden sein. Wir trauen, aufrichtig gesagt, diesen Schilderungen nicht ganz; wir kennen persönlich so viele wackere, für Jndenthnni und jüdischer Leben begeisterte Israeliten und selbst so viele tüchtige Lehrer und gute Schulen in diesem Theilc unseres schönen Ländchens, daß wir der festen Urbcrzcugung leben, «* steht auch dorten bester, als man sich einbildet. Allein Eins ist sicher: Dir verschiedenen Bezirks-Synoden würden 1 einen sehr verschiedenen Anblick jdarbicten und wohl nichtweniger als die Einigkeit fördern. — Rechnen wir dazu noch ein anderes Moment: Unsere jetzigen vier Herren BrzirkSrabbincr sind sich fämmtlich einander darin gleich, -daß sie Alle das Gute wollen, Alle einem gemäßigten Fortschritt — unseres Wissens — nicht abgeneigt sind. .Wird dies immer so sein? Wo ist Garantie, daß wir nicht früher oder später einen jener RückschrittSmänner in unseren Kreis bekommen, der die unbedeutendste Verletzung der geringsten Eeremonch für eine Gotteslästerung und ReligionSschändung erklärt? Noch mehr! die Synoden sollen vom Bezirksrabbiner berufen, geleitet werden. Jeder der einzelnen Herren Rabbiner wird natürlich Einfluß auf Haltung und Gebahrung feiner Synode gewinnen; eine ungetrübte Einigkeit scheint — nach dem Angriff de« Herrn Seligmann und der Erwiderung des Herrn Dr. Grünebaum im „Pfalz. Kurier" zu urtheilcn — eben auch unter den Herren nicht zu bestehen; — wie wenig werden dann die Synoden in ihren Beschlüssen harmonircn nnd wie leickt' sind wir der Gefahr ausgcfctzt, statt der gewünschten Einigung nnd des beabsichtigten Zusammenwirkens in vier getrennte La gef auseinander zu fallen?! lind welchen Weg wird die Gcneral-Swwdr einfchlagrn? Den Orthodoxen kann sie nie orthadex, ecu Reformern nie resonuistisch genug sein — das if; klar. Gehört sie in ihrer Mehrzahl der letzten Paatei au und macht Reformen, so wird sie in die Gefahr kommen „! manches Gewisten zu verlctzeu — und, wiederum aufrichtig gestand^ ich würde einen solchen Fall unbedingt mindestens eben fö sehr scheuen, als den entgegengesetzten. Es gab auch für mich eine Lei', wo ich für diese sog. Reformen schn^irnitc: ich hatte dem. Esc luekompn, baute mudlikin, af harachiuini un^s. w. und so ipanchem Pijut Haß geschworen ans Lebenszeit, inancker abergläubischen oder lächerlichen Eeremonic, den Krieg anzekündigt; ich hätte mich sehr glücklich geschätzt, beim Gebet in der Synagoge daS gute deutsche Wort zu hören. Ich wünsche heute noch einen würdigen Gottesdienst, kürzere, einfachere Gebete, Auflösung vieler äußerlicher Gebräuche, die für unser jetziges Vaterland, nufere jetzige Zeit keinen Sinn mehr haben. Allein, wohlverstanden! Ich möchte das um keinen Preis der Welt durch Gewalt oder Verfolgung, durch Verletzung der Gewissen erreicht haben. Da rö nun offenbar Viele unter uns gibt, welche die geringste Aushebung linb Acudcrung solcher Nebendinge für eine Verl-tzung der Religion halten würden, so würde ein:- resormistische Synode gar nicht in unserem Sinne sein. Reformen haben nur dauu «neu wahren Werth, wenn sic von Innen ausgrhen, nicht von Oben herab octroyirt werden — Reformen sollen und könnnen uns nur kommen durch das Lehren und Wirken unfircr Rabbinen, indem sie geläutern RcligionSansichten verbreiten, durch Lehre und Wirken unsere: Lehrer — nicht direct, denn der Lehrer wirkt in der Regel am meisten nnd besten, wenn er sich vom Getriebe der Parteien "fern, an seinen schönen Beruf hält, — also indem sie tüchtiges Wissen und religiös-sittliche Wahrheit ihren Schülern einpflanzrn — dir Reformen einer Synode würden noch keinen rechten Boden in einem großen Theile der Pfalz, mithin auch kerne wahre, gesegnete Wirksamkeit finden. Und fetzen wir nun den andern Fall, der auch möglich wäre, daß die Finsterlinge und RückschrittSmänner die Majorität in den Synoden hätten, und denken wir uns

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