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Der israelitische Lehrer · 1862-02-15 · 4 (15.2.1862) · p. Seite 30

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
4 (15.2.1862)
Date
1862-02-15
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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30 — Wie» Durch einen Tagesbefehl des Herrn F.Z.M. Benrdek (mitgetbeilt kn brr Neuzeit)^ wird die würdige Bestattung der in den Militärspitälern verstorbenen iSracl. Soldaten in humaner Weife befohlen. Die SpitalScvmmaudanten haben sich hierüber mit dem OrtSrabbinen und dessen Assistenten zu benebmen; insbesondere aber, wenn diese zum Besuch ihrer Glaubensgenossen in den Militärspitälern erscheinen, mit aller schuldigen Rücksicht zu begegnen. — In Ungarn entfloh ein siebzehnjähriges gristeS krankes jüdisches Mädchen ihrem Eltcrnbause, kam in daS- Haus eines Geistlichen, und wurde auch von diesem trotz der ReNamaiionen des hiervon unterrichteten BatnS — getauft. Der Geistliche ist übrigens jetzt beim Comitatsgerichte angeklagt. (N. F. Z.) Prag, 21. Jan. Das Professoren-Kollegium der Prager Universität hat den ordentlichen Professoren desStrafrecht» Dr. Wessely, als Promoter proclannrt. Ein Protest, den das erzbischöfliche Eonsistorium dagegen erhoben, weil Wessely ein Israelit ist, ist vom StaatSminister mir aller Entschiedenheit abgewiesen worden^ (F. I.) 'In Prag ist am 22. Jan. wieder einmal eine Juden - dehe gewesen. Gin Müllergeselle ging mit seinen weißge- - puderten Kleidern durch die Judengasse und streifte absichtlich an die dort ausgehängten dunklen Kleider an. Als! ihm das von einem der iSracl. Kleiderhändler verwehrt , wurde, fiel das nur hierauf wartende Volk über die Juden! her, und rief; „Nieder mit den Juden!" Ein panischer j Schrecken ergriss diese, sie schlossen ihre Läden, und der j Auflauf konnte nach längerer Zeit erst durch die Sicherheitswachen «wieder beruhigt werden^, Plan bringt diese J Ercesse mit den Bestrebungen des erzbischöflichen Confistoj nums zusammen, welche» das Eoncordat inhalten will. Preßburg. Wie das „Ft. Journal" berichtet, haben sich mehrere der äygesebensten jüdischen Kaufleute zusammengethan, um eine Reformgemeknde zu bilden Und auch etwas j für die bisher sehr vernachlässigte Volksbildung unter ihren; Glaubensgenossen;n thun. '' Königsberg. Trotz Majoritätsbeschlusses der Fakulität i hat der Herr Minister v. B et hm ann beschlossen, Juden i von Lehrämtern an-hiesiger Universität anSzuschließen. Zürich. Laut der N. Z. Z. hat die Regierung beschlossen, dem großen Rath einen Gesetzesvorschlag in Bezug auf die Verhältnisse'der Juden vorzulegen, gemäß welchen bie bisherigen Beschränkungen in Bezug auf die Niederlassung und den Verkehr derselbey aufgehoben und sie in dieser Beziehung die gleichen Rechte wie ,ie Christen genießen sollen. f Posen, 7. Jan. Dir jüdische Gemeinde in Bentschen hat sich genöthigt gesehen, weil keine jüdische Bewerber auftraten, die an ihrer Schule oacante Lehrerfielle durch einen christlichen Lehrer zu besetzen. Dies ist seit einigen Mo j naten auch in Banst der Fall. Den RcliglonS- und! hebräischen Unterricht ertheilt der 74 jährige Rabbiner P ul- } vermann daselbst. I Krakau, 2. Jan. Am 30. Dez. kam cs bei Gelegen- * heit der Beerdigung eines israel. Studenten, Sohne» wohlhabender Eltern zu einem Streit zwischen den Israeliten,! deren strenggläubigen Theil der unlängst angeschasste neue - Leichenwagen und die in der letzten Zeit in Aufnahme ge- ’ kommene Art und Weise der Beerdigung rin Dorn im - Auge ist. Einer dieser Gegenpartei zeigte seine Mißachtung u. A. dadurch, daß er während t es. Leichencondukts am geöffneten Fenster aus einer langen Pftife rauchte. In 1 Folge des hierbei entstandenen stürmenden Auftrittes wur- , den dem Eiferer die Fenster eingcschlagen. (Also Fanatis-! muü auf jeder Seite.) Wie wir im CzaS lesen, soll Tags dm auf die Sache beigclcgt, und die Beleidigung durch Erlegung einer beträchtlichen Opfergabr zu Gunsten des isr. Spitcls gesühnt worden sein. (Presse.) Ungarn, 12: Jan. Am 4. Dezember erlilt die Liptc St. Mikloser Gemeinde einen herben Verlust durch den Tod ihres greisen Rabbinen Herrn Brr Simandcl, dem Schnedes in vielen Kreisen bekannten R. Sinai Landen und Enkel1 des bekannten Verfassers npn — Ein Auge hat im Tode sich geschlossen, das der klare Spiegel eines hohen Geistes war. Ein Blick ist auf immer erloschen, aus welchem Wahrheit und Weisheit, Wohlwollen und Liebt leuchteten. Sic transit gloria mundi. Dbwohl der,alten Schule augehörig, verdankt die genannte Gemeinde doch dem Verewigten so manches wohlthätige Institut. Dis an die Schwelle des Je«scit< bat dieser, in weiten Kreisen mit Recht berühmte und betrauerte große GettcSgrlchrtr in seiner stillen Größe und Erhabenheit gelebt und gewirkt. Die ihm unlcrstehende Gemeinde hat ihm aber auch als Vater und Leiter stets die ihm geziemende Liebe und Ehrfurcht im höchsten Grade gezollt. Tie Beerdigung fand am 1>. desselben in höchst feierlicher Weise statt; aus Nah und Fern strömten seine Verehrer und Jünger, die ihm Vieles verdanken, herbei, um ihm als letzte Ehre ibr Geleite zu geben; unter diesen vier Rabbinen aus Namesdorf, Untzdorf, Sk. Marlon und Kubin, welche höchst erregende Leichenreden hielten, die der anwesenden Gemeinde die Größe ihres Verlustes vor Augen stellten. Im Leichenzuge waren nicht nur alle Gewcindemitglicder, sondern auch ^die Bkamten und alle christlichen

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