Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 3 (1.2.1862)
- Date
- 1862-02-01
- Page
- Seite 23 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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23 dieses Paragraphen bewußt war, dürfte daraus zu entnehmen sein, daß sich Schreiber dieses zur Abwendung dieser Gefahr vom isracl. Schulwesen in einem Briefe — zu einer Eingabe an die Kammer war es zu spät — in welchem er diese Nachtheilc geschildert und um Einschaltung der Worte: „Wo einmal eine Schule besteht, darf sic, auch wenn die Kucherzahl unter dO ist, im ErlcdigungSfall nicht zn einen! Provisorat gemacht werden," vergebens an das hervorragendste Mitglied der bavr. Kammer gewendet hatte. Wir werden also in srateren Jahren gar keine bester dotirten vollständigen Schulen mit definitiv angestellten Lehrern bckonlmen. Doch wie cö in der Welt zn gehen pflegt: „Des Einen Leid ist dcS Andcnr Freud'!" Die Rcligionslchrcr, die dreimal unglücklichen Lehrer, welche zur Erthcilung deS vollständigen Unterrichts befähigt und geneigt sind, aber bisher, wo die Gcnicindcn 300 fl. fixen Gehalt nicht anfbringen konnten oder wollten, solchen nicht ertheilen durften, sondern ihre Schüler fort in die christlichen Schulen schicken mußten, die können sich | auch einmal zu deutschen Provisoren hinanfschwingen. Zu ihren 150 fl. für den Religionsunterricht schlägt man noch das bischen Lohn für Gcmeindcschreibcrci, für Vorsängcrci rc., thnt daS in der christlichen Schule zu ersparende Schulgeld dazu und die neue Stelle ist fertig. Ihr habt dann, Ihr glücklichen Herren, dreimal so viel Stunden täglich zn unterrichten, Euer bischen Privatunterricht wird entbehrlich und was Ihr an körperlichen und geistigen Kraftaufwand zusetzt, das gewinnet Ihr wieder an Ehre und Ansehen, Ihr seid auch so viel wie Eure iSr. Eollcgen, die oft schon in den Wahn verfallen waren, sic seien etwas Besseres denn Ihr. Wo solche neue Institution erblühen, da muß eS niit der Volksbildung vorwärts gehen. j „Nun, s>s wird sich eben Niemand dem Schulfach mehr widmen mögest!" fagen Viele Und meinen damit Alles gesagt zu haben. Sie haben aber gar nichts damit gesagt. Allerdings wird die Lust zum Lchrerberuf abnchmcn, wie dies bereits sich beweist und sind namentlich Lehrcrsöhne, weil sie daö Ulebcl an der Wurzel kennen-, am wenigsten dazu geneigt. Aber was ist damit gewonnen? Nichts, weniger als nichts. Das Schulwesen wird immer mehr verfallen. In Städten und großen Gemeinden wird man noch auf gute Lehrer sehen und sic gut bezahlen, aber auf dem Lande, also durchschnittlich, wird man mit dem einstigen. bavr. Minister v. Seinöheim, jetzigem Antipoden aller neuen Bestrebungen in der ersten Kammer, welchen die zu einer Soire geladene Landstände (wie sic damals noch hicßen)- anf die Nothw.ndigkcit den Gehalt der Schullehrer aufzubcsiern, aufmerksam machten, antworten: „Was wollen Sic, meine Herren! wir bekommen ja für dieses Geld Leute genug!" -4 Wieder Andere meinen, und wir "1heilen diese j Ansicht, bei der Abnahme der Auswanderung nach Amerika,! bei der Menge kleiner Gemeinden, namentlich in Unteri franken, hie in dem baldigen, nicht sehr kostspieligen Untcrbringrn ihrer Söhne ein Glück finden; und bei dem Nimbus, den der Lehrerstand noch in den Augen mancher Uneingeweihetcn und der vielen slnbcmittclten hat, und der sicherlich bald wieder nachlassenden Manie der Wohlhabenderen in große Städte überzusiedcln, wird cS in der nächsten Zeit nicht an Schulamtskandidatesi fehlen, und Würzburg mit seinen Convikten wird den kleineren und größeren Gemeinden fortwährend Individuen genug liefern, die auf ihren uuterfräukischen schlecht besoldeten Religionslehrcrstcllen die Argusaugen nach jeder erledigten Stelle in Miltelfranken richten und alsbald mit ihrcvr. Apparat von Frömmigkeit und modisch gestutzten Rebisbartchcn zur Stelle find und die ganze Gemeinde durch ihre Frömmigkeit in den Stand setzen, ihrerseits cs mit den Spei cgefetzcn , Sabbatfcier re. gar j nicht mehr genau zn nehmen, müssen, sie einen Lehrer Laben, der für sie „fromm" ist. DaS Losungswort dieser l cuen Lehrer ist sich mit der Gemeinde halten, was in ccmcinverständlichem Deutsch übertragen ungefähr so viel heigt: mit dxn Reichen cs um keinen Preis zu verderben und sich lieber moralische Ohrfeigen von dem Parnaß und den reichen Pjn geben zu lassen, wie sie v. Merode von dem Franzosen erhielt, als ein abgemindertcs Schnudergeld aufs Spiel zu sitzen. Sic halten auch gern die Hand auf, sic halten auch mehr Stunden Schule als vorgcschrieben, sie halten sich auch gar g^rne lange in der Synagoge auf. Nur mit einem Halten haperts, mit dem Schulhaltcn in rech-! tcr pädagogischer Weise. Da sind sie meist zerrissen! I Einen gründlichen, gekstbildcndeu Unterricht zn ertheilen, j damit halten sic'S aus guten Gründen nicht. So ist's be-! reitS an Manchen Orten und so wird's immer mehr komj mcit. Durum sind die auf dein Holzweg, welche strebsame | begabte Jünglinge vom Ergreifen dcS Lehrerberufs abznhalten suchen. Sie arbeiten dem Bösen in die Hände. Bewahren wir uns die Begeisterung für die Ideen, > für den guten Glauben an die Zukunft der Schule. Der jüdische Geist, zugleich so unendlich praktisch dabei," bricht , sich sicherlich Bahn und der befreiende, heidnischen vcrdum- , mcndcn Ansichten cntgcgcutretcnde Makkabäcrmnth — ich schreibe d es am ersten Tag Ehanuka — beseele uns zum j Widerstreben gegen Fiusterniß und Volksverdummung. Dar- - auf laßt ins sagen Amen und puu w p\ Ihr _ ' R C. Mark. *) L ») Mit Bedauern erfahren wir, das; unser lieber Freund und Mitj arbeitet leicenb sei! Möge QMt ihm bald den Engel der Genesung! senden. K. "*