Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 3 (1.2.1862)
- Date
- 1862-02-01
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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22 „ur in äußerlichen Thaten fand. Er wollte das Juden- Ihum mit der aristotelischen Philosophie versöhnen nnd stellte darum die bekannten Glaubenslehren auf, die er als Basis des religiösen Lebens betrachtete, ohne welche die religiöse That zu einer bsos äußerlichen geistlosen Uebung herabstnkenwürdc. Er erklärte die cnpy als die unumstößlichen Grundsäulen des JuvcnthnmS. Seiner Ansicht huldigten die spanischen Gelehrten (Bcchai, Alto) 'obwohl Letzterer die Glaubenssätze, sie gleichsam concentrirend, verdichtend, auf drei beschränkte. Mendelssohn lebte in einer anderer Zeit und in einer Umgebung^ rn welcher das Muekerthum, der MysticiSmuS mit dem erwachenden Rationalismus und Sceptirismus erbittert kämpfte; hatten ja zwei Vertreter dieser entgegengesetzten Richtungen, Lcsting und Lavater, gleichermasien freundliche Aufnahme in seinem Hause gesunden; er sah diese Richtungen auch innerhalb des Judcuthums Boden gewinnen, oder e» mochte doch seinem erhabenen Geiste ahnen, daß diese Kämpfe bald auch dies ergreifen würde.' Er faßte die religiöse That.als erhabene Gedanken äußerlich darstellend auf^ er wähnte die religiöse Idee durch die Philosophie bereits gefestigt, er suchte die Lehren der Religion —- Gott, Freiheit, Unsterblichkeit aus dieser zu erweisen. Für die religiöse That aber bedurfte cs nach feiner jetzt überwundenen Ansicht der äußern Zwangmittcl, und er stellt« den Satz auf: „Frei das Denken und Glauben,-doch gebunden die religiöse Thät." Jener kämpfte gegen die Wcrkhciligkcit für den Glauben; hicsfr gegen MysticiSmuS und für die Erhallung der rclipiösrn Form. ( i i Wir wollen diesen über unstr bescheidenes Gebiet hinüber streifenden ParallelismNS nicht weiter führe», nur wolse man ur.S das bcizufügen erlauben, waS selbst der glaubensftrcnge Maimonidcs in Beziehung auf unsere Frage auSpricht. Er erklärt gleichwohl: „Sämmtliche Erzählungen, welche die heilige Schrift von dem Thuir-und .den Erfahrungen der Propheten mitthcilt, sind nicht Thatsachtn, sondern.nv. nx-M, „innere Seelcnvorgängc, Gcstcht und Schauen der Phantasie. Er erklärt, daß „Wunder" nicht die Mittel fein können, die Aussagen der Bibel zu bestätigen. Er erklärt den Tempelcultus nur als temporär, gleichsam in der Absicht erstanden, um wieder verdrängt zu werden, und würde.diejenigen der Blasphemie bezichtigt haben/die, wie rtbr einigen Jahren angcstrcbt wurpe, die Wibcrrrstehnng des Opferaltarsbekanntlich beabsichtigten und Frankl aus Wien als Ketzer^ erklärten, weil er st! weder für möglich noch erwünscht hielt. Tie Opfer sind nach MaimonideS nur ein Zugeständniß an die Menschlich t Schwäche, und er beruft sich dakci auf die Propheten, die wenig, Gewicht darauf legen u. s. f. ' Mit diesen und anderen Männern der alten und hcu- | tigen Zeit, welchen Niemand ihr Wirken für die Weihe im Judenthum absprechen wird, halten wir fest an der lieber, zengung, daß der Glaube an die Wahrhaftigkeit des BibelgeiftcS nicht zusammenfällt mit dem Buchstabenglauben, der unS Unbegreifliches, Unmögliches zu verkünden scheint, daß wir als Menschen und Israeliten nur fest halten müsien an ihrem erhabenen sittlich-religiösen Geist, der ewig bleibt. Ganz dieser unserer Ansicht entsprechend achten wir aber auch die Uebcrzcugung, die in frommer Pietät den Kern der Schale glcichwcrth schätzt; nur darf sich Niemand anmaßcn, die, welche anderen Sinnes sind als Apikorsim zu bezeichnen. ~ (Fortsetzung folgt.) Briefe über bayr. isr. Sehulverhältniffe. 4. Brief. *) V. R. Ehe ich an die Fortsetzung der Antworten auf die gestellten Fragen gehe, will ich Ihnen erst Mitthcildng über die neuesten Vorgänge bezüglich unserer Schulvcrhältnisie machen, und werden Sie diesem Brief die Priorität vor den Angaben über 'ältere Verhältnisse ciuräumcn. ix’-rn tcHii ’jra ]trm Ocffentlschc Blätter werden' den Lesern dieses Blattes Kunde gegeben haben von dem in Bayern zu Stande gekommenen „Schulgesetz," dar so wenig den berechtigten Anforderungen der Schullehrer entspricht, aber gleichwohl einige materielle Vortheilü durch das Fcstsetzcu eines Minimalgehaltcs von 330 fl. re. gewährt. Daran partizipiren natürlich auch die isr. deutschen Schulen, nur die bloscn ReligionSschnlcn gehen unnatürlich dabei leer aus, Nun werde ich mich wohl hüten, die Mängel jenes Schulgesetzes öffcnt-, »sich bloß zu legen, masten ich mir schon auf dem Wege der Bitte, freilich hoch hinauf, das Maul verbrennt und die Wahrheit des Sprüchworts:-„Wie cs sich jüdclt, so christelt es sich!" und des göttlichen Wortes wes' •ps -p-noi "pomu nur zu sehr erfahren mußte. DaS gehört nicht hierher, aber das gehört hiehcr, daß sich im besagten Gesetz ein Paragraph befindet, welcher Schulen unter der Schülerzahl von 30. zu Provisoraten erklärt, denen nur ein Gehalt von 230 fl. zukommt. Nun hat keine sämmtlicher iSr. deutscher Schulen Mittclfrankcns — es wird auch in anderen Regierungsbezirken der Fall nicht oft sein — so viele Schüler. Folglich werden sie im Erlcdigungöfall zu Provisoraten. .Denn, öfter neue, junge, unverehelichte Lehrer zu bekommen, (wobei am Gehalt noch 100 fl. erspart werden kann), diese Chance werden sich unsere Gemeinden schwerlich entgehen lastcll.- Herz! was begehrst du noch mehr? — Daß man sich in den machthabcnden Kreisen der Tragweite *) siehe vor. Jahrgang. r