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Der israelitische Lehrer · 1862-02-01 · 3 (1.2.1862) · p. Seite 21

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
3 (1.2.1862)
Date
1862-02-01
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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— 21 — „Sind wir doch eines Herzens, eines Sinnes." Wir bemerken wiederholt, daß wir mw dies m Blatte gegenüber nur als Sachwalter verhalten, und natürlich jeder Entgegnung oder anderen Meinung willig neu, wenn sie dem Geiste 'und der Tendenz Blattes angemessen ist. Wir erlauben uns nun noch einige Bemerkungen über die angeregte Frage. Wir fasten sic so auf: Kann eö dem jüdischen Lehrer verboten werden, ein eigenes Urthcil sich zu bilden über den Unterricht in denjenigen bibl. Geschichten, die faktisch als Wunder dargestcllt werden? Wir sind der Ansicht, daß die bibl. Geschichte, sowie sie in der Bibel steht, unverkürzt mitgethcilt werden muß, und. das StaatSgesctz, die Schulbehörden, werden dies als Norm dem Lehrer überall zur Pflicht machen. Ist die Frage an und für sich jedoch eine unberechtigte, ketzerische, alles rin noli me tangere für den Lehrer, „was geschrieben steht"? Ich glaube, — und die Ueberzeugung, mit diesem meinem Glauben unter meilten College»! nicht alleitl zu stehen, hält mich aufrecht — daß wir mit dem Feuer der Inquisition nicht spielen sollen, daß wir daS Glauben und das Denken nirgends nnd in keiner Weise beschränken sollen.- Gegen das Ketzcrricchen habe ich eine fürchterliche Antipathie. ES weht leider Gottes schon ein solcher Dunst verfinsternd in einigen jüdischen Kreisen Deutschlands.' Gott bewahre, daß er nicht herrschend werde, daß er nicht eindringe in die jüdische Schule,, und dem Lehrer sein schwieriges Aalt dadurch vollends zu einem unerträglichen mache, daß man ihn eincngt in unjüdische Zwangsjacken des Geistes! „Weich von mir, Sauste!!" Wahrheit, Klarheit, Ostenhrit! Ich halte dcir"für erneu Thoren, der über die unleugbaren erhabenen Thaten Gottes, wie Schöpfung, Auszug aus Egypten u. A. m. Deutungen zuläßt, die am Ende noch weit wunderbarer wären als die geschichtliche Darstellungen voll göttlicher Erhabenheit fit der Bibel, und die doch nie zu einem befriedigenden Resultate führen können. Aber ich will, daß Jeder seine Meinung über Alles offen auch bei Lchrerdisputationcn aussprcchen dürfe, und über — das Einzelne z. B. aus der Geschichte GideonS denke, was er wolle und sage, was er denke, ohne gleich als reif für, den Chcrcm des „Mainzer Israeliten" zu gelten, und also in die traurige Lage versetzt zu werden, daß sein Name dort genannt werde. Wir verlangen — ich rccapitulire, — daß der Lehrer in der Schule diese Geschichten erzählt, wie sie in der Bibel stehn, weil wir daö pädagogisch rechtfertigen, aber —dann? daS Weitere ist nicht unsere Sache. Kommen wir zur zweiten Frage! Ist im Judenthumc der unverkürzte buchstäbliche Glaube an aste die Darstellungen und Geschichten, wie sie in der Bibel erzählt sind, Gesetz? Ist derjenige, welcher glaubt, daß die eine oder die andere dieser Erzählungen nur relative (innere) Wahrheit enthalte, die Darstellung eine bildliche sein kann, nicht mehr ein Jude? Können wir läugnen, daß aus tausend Gründen daS ganzer Verständnis der Bibel uns eine Unmöglichkeit geworden?! dürfen wir darum unsere Vernunft, unser fortgeschrittenes Bewußtsein, unsere erhabenen Vorstellungen vom Weltenschöpfer aufgcben, um untergeordnete Erzählungen nach ihrem Wortsinnc glauben zu können? Noch mehr! Ist dieser Glaube jüdisch traditionell? E» gibt Leutes welche diese Fragen, welche mit Macht auf un« cindringciij umgehen, und indem sie sie als unberechtigt erklären, glleS beendigt glauben. Aber wir sind gewohnt, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen. T Könistn solche Leute, die derartige Schwierigkeiten auch in sich nicht zumAuStrag bringen,Lehrersein? Wir müsten rö verneinen. ES ist ein großer Unterschied zwischen dem einen Lehrer, welcher sagt: alles hier niedergefchriebene ist in der Idee wahr; ob das Einzelne so buchstäblich geschehen ist, wie eS dargestellt worden, vermögen wir nicht zu ergründen; nnd dem Andern, welcher sagt und behauptet: wenn Du jetzt oder später ein Iota von all dem nicht glaubst, bist Du kein Jude mehr. — Wer ist wahrhaft gläubiger, und wer wirkt sicherer für diq Festigung dcS geläuterten GotteSglaubenS? Wer wird das PSort Gottes mehr vergeistigen, den Umgang mit ihin nichr zur Freude machen, cS veredeln? in den Gcmüthern feiner Schüler segensreicher wirken? Wir glauben nicht, daß das buchstäbliche Fürwahrhalten besten, was! Geschichtliches in der Bibel strht, den Juden macht. I rwyj Sollen wir einige der alten Zeugen nochmals aufrufen, die wir schon lm DolkSlehrcr (Nov. 1660) vorführten? ES fei denn. Jnoepl wir auf daü dort bereit» Gesagte Hinweisen, greifen wie nochmals zu MaimonidcS und Mendelssohn. Sagte nicht jener: die Augen sind vorn und nicht hinten?*) Nnd do^ war MaimonidcS selbst nicht frei von Ketzerriccherei'.Dreine Aussprüche gegen die Ungläubigen sind nach unserer Ansicht von verwerflicher Strenge! Wir erklären uns dies folgendermaßen. Der zweite und vcr dritte MofeS gingen von entgegengesetzten Principicn au», aber ihr Ziel war daS gleiche: die Erhaltung und Verherrlichung Israels und seiner heiligen Religion. Beide erkannten die Bedürfniste ihrer Zeit und ihre Lehre war mit eine Folge äußerer Eindrücke. MaimonidcS wollte die Werkheiligkeit bekämpfen. Die dumpfl: und übertreibende Ascctik feiner Zeit, der starre gedankenlose Formendicnst, besonders der franz! Schule, widerstrebte feinem erleuchteten, wissenschaftlich «^bildeten Geiste Er konnte nicht zugcbcn, daß man das Wesen der Religion ) «endsckreiden an die Marseiller. •I

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