Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 3 (1.2.1862)
- Date
- 1862-02-01
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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20 von Antipa« (einem Sohne deS HerodeS, von Kaiser AngnstuS zum Fürsten von Galiläa ernannt) am See Kinrrcth erbauten, dem Kaiser TiberiuS zu Ehren also benannten Stadt. Hier war eS, «o R. Jehuda hakodesch (der Heilige) oder hauasi (der Fürst), als Vorsteher, die Mischna (237 n. Ehr.) verfaßte, wo R. Gamliel vone Kaiser TheodosiuS als ,LZräftct" über sämmtlichr Juden Palästina'S gefetzt wurde (390) und wo (um 500) die Vocale und Tonzeichen cingcführt wurden. — In dem Kriege, welchen' Belisar, der tapfere Feldherr des Kaisers Justinian, der die, Juden hart bedrückte, mit den Persen führte, (535), nehmen die Juden für die Letzteren Partei.' Darum werden ihre Synagogen in Kirchen und Klöstern umgrwandelt; sehr viele Israeliten wandertcn aus — und jetzt erst $ört jede Spur einer, geistlichen ^Gcsammt-Behörde unter ihnen auf. Auch die Juden, die' in Persien, Babylon, Asttzicn wohnten, gaben sich, sobald sie an ihren neuen Wohnorten aogesiedclt waren, eine Organisation Zu Pumbeditha am Euphrat und zu Sura entstanden zwce Hochschulen; ihre Vorsteher „Gaon" (Erccl^nz, Hoheit)' genannt, bilden die gesetzgebende Macht; und ein Anfangs gewählter, später (wie die Stelle.eines Nasi und Gaon) etblich gewordener „Ncsch Glutha,' Oberhaupt der Verbannung, hatte die überwachende GrwÄt. Naf Asche und sein Freund R. Abina (Rabina genannt), die den jetzt in unseren Händen.befindlichen Talmtrd verfasicn oder Zusammentragen (450), waren Vorsteher der Schule zu Sura. R. Scherira, Gaon zu Pumbeditha, gelaugte durch seine Gelehrsamkeit zu solchem Ansehen, daß er allein das Oberhaupt der morgenländischen Juden wurde, aber, fast 100. Jahre alt und erblindet auf Befehl des Chalifen Ahmed-Kader von Bagdad hingerichtet wurde (um's Jahr 1000). — Ein gleiches Schicksal traf 3jL HiSkia, der ebenfalls Rcsch-Glutha und Gaon zugleich war, .36 Jahre später. Nun hörten die Schulen und Würden auf; und die Söhne des letzten Ncsch-Glutba suchten mit vielen ihrer unglücklichen Glaubensgenosten eine Zuflucht bei ihren Brüdern in Spanien — wo eben auch harte Verfolgung und. schmählicher Tod ihrer harre .... Ich habe mich gegen meinen Willen und meine Absicht, zu einer längeren Abschweifung in die jüdische Geschichte, (die freilich neuerdings ein mich sehr'anziehendes Studium geworden ist), wcrlciten lasten. Allein cs galt mir, zweierlei überzeugend nachzuw-isenEinmal, daß wir nichts Neues wollen, wenn wir eine.Organisation dcö Judenthums wünschen, sondern daß damit 'eine früh und lang' bestandene Einrichtung wieder in's Lehen gerufen würde, : welche nur dem Drange und der Noth unglücklicher Zeiten gewichen ist. Man ^arf unS also ferner nicht cinwenden:! „Ihr wollt-christliche Einrichtungen auf jüdische Zustände s zu übertragen suchen; das Judenthum kennt keine Synoden, kennt kein Eonsistorium." Umgekehrt: Synode und Consiftorium waren im Judenthum zuerst vorhanden, und sind von da, wie so vieles Andere, in's Christenthum übergangen... Und nun nehmen wir den abgeristenen Faden unserer Darstellung^ wieder auf. Obgleich wir oben sagten, daß Eonsistorium und l Synedrium ursprünglich zwei gleich bedeutende Wörter sind, so verbindet man heut zu Tage doch einen sehr verschiedenen Begriff mit jedem derselben. Nach der Consistckrialverfassung, sagten wir, kommt alle Anordnung und Verwaltung von Außen, von Oben, und Aller oder da» Meiste hängt von der oder den leitenden Persönlichkeiten ab. Anders ist es in der Syyodalverfafsung. Hier liegt der Schwerpunkt ganz i«ch durchaus in den Gemeinden, namentlich bei den Israeliten, wo cS eigentlich kein Priestcrthum, keinen besonderen geistlichen Stand mehr gibt^ und die vier Bezirksrabbiner, welche dem Pfälzer Judenthum vorstehcn, doch wohl ernstlich keine Besorgniß vor geistlicher Beherrschung einflößcn können. Eine Synode wird von und aus den Gemeinden gewählt, versammelt sich nur in längeren Zwischenräumen, sendet nach beendigten Sitzungen oder abzelaufencr Wahlzeit ihre Mitglieder wieder als einfache Gemeinde-Angehörige in die Maste zurück — da kann wohl keine Hierarchie aufkommen. Für welche der beiden Berfastungen sich nun der Pfälzer Referent entscheiden würde, war nach vcm Gesagten unzweifelhaft. Nachdem Dr. Grünebaum in der oben angeführten Schrift die Zustände in Gemeinde, Synagoge und Schule nach ihrem Werden und nach' ihrem jetzigen Stan>" in blühender Sprache geschildert, auch die Mängel aufl,edcckt und das WünschenSwerthe angedeutet, kommt er zuletzt auf Vorschläge für eine Organisation, die er in der Synodal- Verfassung sucht. (Fortsetzung folgt.) Nachtrag zu d:m Coufereuzrefcrat über „Biblische Geschichte." (Bor. Iabrgang Nr. 10, 1l, 13, 15.) Die letzte These, die wir hier mit ihrer Ausarbeitung in ursprünglicher Fastimg gaben "), ist von einem tüchtigen und geschätzten College», unserem lieben Freunde und Mitarbeiter, Herrn Westheim auö Abterode seiner Zeit im Volkslehrer (Oktober 1860) stark beanstandet worden. Wir wollen hoffen, daß unsere volle. Darstellung unserer . Ansichten ihn mehr befriedigte. ') Wir setz«, diese These für unser« neuen Leser hierher: Sie lautet: „Alle biblischen Geschichten, au-b die sogenannten Wundergeslbichten, wenn sie ein« sittliche, wabrscheinliche, mögliche od«r historisch-religiöse Grundlage haben, müsien s» gegeben werden, wie sie in der Bibel stehen."