Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 3 (1.2.1862)
- Date
- 1862-02-01
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
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i 18 Her^ Stadtrabbincr Präger von Mannheim, der als Gast zugegen war und den knrz nach der Versammlung ein allzufrüher Tod seiner segensreichen Wirksamkeit, seiner ihn verehrenden Gemeinde und der Sacht des Judenthums überhaupt entreiffen sollte, regte die Lehrersrage an; BezirkSrabhincr Dr. Grünebaum endlich, der immer eifrige und fertige Redner, gab der Sache den Ausschlag, indem er die Wahl eiNeL Ausschusses beantrag, der Schritte für eine innere- und äußere Organisation der iSrael. Verhältnisse in der ^Pfalz thun und einer später cinzubcrufcnden Versammlung hierüber Vorschläge machen sollte." Mit Eifer ging die Ber ammlung auf den Vorschlag ein, cs wurde ein Ausschuß von neun Mitgliedern aus allen Theilen der Pfalz*) gewällt, und Dr. Grünebaum übernahm es, ein Referat über die angeregte Organisation zu bearbeiten. , Nach einer durch äußere Umstände vcraulaßtcn längercii Zögerung ließ Dr. Grünebanm seine Arbeit erscheinen — itrf Anfänge des Dezembers v. I. und sie sollte den Berathungcn des Comite's als Grundlage dienen. War man schon in der Pfalz auf die Stimme einer so gewichtigen Autorität, als Dr. G. cs ist, gespannt, so war man :S eben so sehr auf die Beschlüsse deS Ausschusses, der in unseren politischen Blätfcrn mehrfach an die vorzunchntrnde Bcrathung und Beschlußfassung gemahnt wurde.! WaS konnte, was sollte man erwarten? Gab man dem Znlxnthnm in der Pfalz eine Organisation, so konnte dies eine. zweifache "sein, entweder eine Eonsistorial- oder eine Syüodalvcrfassung. ~ In der Consistorialversasfung liegt die Gewalt auß eri *J Ihre Pfälzer Leser werden die Namen imetrssiren: R. David, Diillvr der Meticin in Grünstadt, langjäbrizer Vorstand, seiner Heimathsgestieinde Kindenbriin, für die cr mit eigener Aufopferung und seltenem Erfolg viel Gutes gestiftet, eia acht jüdisches Hepz in Hingebnng an die Familie und in Wvbllhätigkcit gegen alle Menschen; C. David, Lederbistler in Spener, ein alter, wackerer Kämpfer, der überall seine Lanze cinlegt für seinen Glauben und seine Ucberzeugung; S. LScales, Pyüfckfabrikant in Zweibrücken, ein aufgeklärter, vorurtheilöfreier Jsratlit; vr.'Grünebituin; unbestrittew an gründliches und schönem Rsdnertalent einer der ^ausgezeichnetsten Rabbiner Deutschlands; S. L fvi aus Landau, Mitglied des Pfälzer Handeisratbes, einer der intelligentesten Israeliten der Pfalz, für allgemeines Wohl unermüdlich, voll praktischen Willens und Linnens; Ignaz Lebmann, Vorsteher einer Erziehungsanstalt, den ich, da er Ihr Freund unv Mitarbeiter ist, nicht zu schildern brauche; D. Mayer, Weinbändler in Dürkheim, der sein Interesse für das Zudenrhum schon durch seine Mitwirkung bei den Bestrebungen seiner Gemeinde gegen den Gib more jtuUico wovon fjwfcft — beurkundet hat; l>r. Frenkel von Kaiserslautern, der einzige Israelite in der Pfalz, dem eine Advokatur verliehen wurde, ein Mann,; von Christen. Und Juden sehr verehrt; endlich A. Rods von Jugenheim, eich sehr' reiche» und sehr orrbodoyer Jude, dabei ein sehr braver uchv redlicher Mann,—. der mit Eifer, - aberohne Schroffheit und Dersysgunzssucht feine Meinung vertritt. halb der Gemeinden; da« Consistorium, eine geistliche Obrrhörde mit mehr oder weniger weltlichen Mitgliedern, ordnet Alles an und überwacht Alles. Diese Vcrfasiung haben die Israeliten in Frankreich, in Württemberg, in Baden. Es ist nicht zu leugnen, daß in einer solchen Ordnung, Kraft, Sicherheit in der Ausführung, fester Zusammenhalt und Einheit ganz besonders garantirt erscheinen. Allein — Alles hängt auch von den Persönlichkeiten ^-ab, in deren Hand die Leitung der allgemeinen Angelegenheit liegt. In Württemberg besteht die Consistorial-Vclsassung zum Segen; eS herrscht dort, soviel wir zu bcurthcilen vermögen, gute Ordnung in Gemeinde, Schule und Synagoge und die Israeliten sind — und in diesem Punkte crj blicken wir ein sehr wesentliches Attribut jeder guten Organisation — nach Außen hin würdig und kräftig vcrtrej tcn. Dies liegt in der Vortrcfflichkeit der tonangebenden ■ Persönlichkeit, Kirchcurath Dr. Mayer, der das ganz be- - sondere Meisterstück versteht, allen Parteien gerecht und! von Orthodoxen und Reformern gleich sehr geschätzt zn werden. Ander« steht die Sache, so viel nnS bekannt, im! Nachbarlande Baden. Im dortigen Obcrrathe hat sich die orthodoxe Partei zur Herrscherin gemacht und jeder Fortschritt ist gchcmnit, zum Thcil unmöglich gemacht. Und nun gar die französischen Zustände! Sic werden, in ihrer übertriebenen Ccntralisation, nie für dcntschc maßgebend oder wünschcnswerth fein. Eine mit fester Hand waltende und anordncndr Behörde liegt ganz und gar im-Geiste des alten Judenthums. Wir denken dabei nicht an den Hohepriester, der lange Zeit auch weltliches Oberhaupt war, in seiner fast ganz unbeschränkten geistlichen Gewalt; nein! selbst später, selbst im Exil hatte das Judcnthuul lange feind geistliche Oberbchörde. Der Leser erlaube uns hier eine kleine geschichtliche Ercnrsion — cS dürfte sich dies als keine Abschweifung von unserem Gegenstände erweisen und manchen principicllcn Gegner einer Organisation im Judenthnme bekehren. Leider! kennt ja der Israelit, auch der gebildete, die Geschichte seines Volkes so wenig; Orthodoxe und Reformer begegnen sich in derselben Unschuld hierin; während wir in den Schulen Griechen und Römer kennen lernen, fiel cs selten oder glar nicht einem unsrer Lehrer ein, auch einmal ein paar Worte über jüdische — d. h. also nach-biblische.— Geschichte zu verlieren. „Ohne Vaterlandsgeschichte keine Va!terlandö- Itcbc," sagte vor einiger Zeit König Marz ohne jüdische Geschichte dürfte es auch kaiim eine ächte'.Lirbc zum Judcnthum geben. Freilich ist dieses Feld auch erst in der neueren Zeit würdig bearbeitet worden und meines Wissens fehlt es uns noch all einer kurzen, warm und volköthüm- K . l