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Der israelitische Lehrer · 1862-01-22 · 2 (22.1.1862) · p. Seite 14

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
2 (22.1.1862)
Date
1862-01-22
Page
Seite 14 (sequence 6)
Language
German
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14 «Btr zweisachen Betrachtung unterliegt. ES ist vor Man «tu« verdienstvolle gelehrt« Uebersetzunz einer.Werk«» ans der altjüdischen spanische» Äteraturperiode. Bor sechs Jahrhunderte« von 4nem geistreichen Rabbi jener Schule au» dem Arabisch«« ins Hebräische übertragen, hat es sich schon in diesem Gewände viele Freunde unter den Verehrern dieser Literatur erworben^ Wollen wir unter den uns bekannten jüdisch- «Sertischen Werken einer suchen-, dem eS einigermaßen zu vergleichen wäre, so wäre eS, seiner Natur nach, pu:6n noin. ES ist die Humanität, die praktisch« Religiosität, dir das Ziel Beider bildet. Doch steht dies hier als deutsches Werk sei»er durch und durch poetischen Sprache und seines populäre» Inhaltes willen höher, während jene» mehr da» Wesen der jüdischen Lehre in ihrer Totalität erfaßt. Unsere Aufgabe kann es nicht sein und-ist eS nicht, das Buch als gelehrtes Werkzu betrachten. Es ward von einem gelehrten und gefeierten deutschen Rabbinen der Neuheit jnS Deutsch« übertragen, und wir haben es daher nur mit der Uebrrtragung zu thun, die', da sic in vollendeter poetischer Form erscheint, eine selbstständige Arbeit genannt zu werden verdient. ES war ein sonderbarer Gedanke, der mich beim Lesen dieses schönen Buches so zu sagen fast verfolgte. Wie Schade, dachte ich, daß die- Buch von einem Rabbinen und nicht von einem berühmten deutschen Professoren oder TageSfchriftsteller herrührt; cs würde in Prachtband prunken in alle» BfudoirS unserer schöngeistigen Damen. Herr Dr Meisel ist einer unserer gefeiertsten deutsch-jüdischen Kanzelredner; seine „Homilien zu den Sprüchen der Vaters gehören zu dem Gediegensten, was die jüdische Literat::« dieser Art aufzuweiscn hat. — -Aber ein Werk von einem Rabbi, die Uebersetzunz einer alt jüdischen Schrift aus unfern Boudoirstischen neben den goldschnittverziertcn Werken der französischen rc. Tagesliteratur, das wirde uns ja als Juden bloSstellcn! Unsere zartnervigcn Damen werden schon bei der dlosen Zumuthpng ein gelindes Nervenzucken verspüren. lind doch ist das vorliegende Buch so vorzüglich, cdcl^ anziehend und interessant, als je eines auf dem deutschjüdischen Büchermärkte erschienen? Wohl durchweht von fast asketischem Geiste, aber doch ohne eigentlich äußerlich jüdische Kennzeichen. Es ist zugleich lehrreich, moralisch und interessant, und daS find hohe Vorzüge. — Ein wohllüsti er, nur der Freude nachjagender König fürchtet für seinen Sohn, dieser möchte durch einen „schlimmen" Zufall in die Hände eimS tugendhaften, g«1tgläubigcn Menschen gelangen, der ihn den Götzen abwendig machte; und da ihm prophezeit wurde, daß nicht den Genüssen und! den Fvcuden daS Leben des - Prinzen geweiht sein würde, t sondern der Tugend, so verbaunt er ihn in ein einsames Schloß, um ihn hier „abgeschieden von jedem verderblichen ihn zum Göttlichen leitenden Umgang" nur für das gedankenlose Leben in steter Sinnenlust zu erziehen. Gerade dadurch aber wird d«S Priuzeu besserer Geist rege, und die gütige Vorsehung führt ihm einen frommen Derwisch zu, der ihm Lehren der erhabensten Art mi'theilt. Dies der Rahmen, in welchem reck herrlichsten Inhalts viel cingeschlossen ist. DaS Ganze scheint nur eine zusammenhängende Reihe der herrlichsten Gedailken zu sein, reich gewürzt durch Erzählungen, Parabel:: und Gleichnissen, so vor allem die bekannte Parabel vön den „drei Freunden," in unübertrefflich schöner Form, die allein mehr Inhalt hat als ein ganzes Buch voll geistreicher Tiraden. So vom „Gärtner und vom.Vögelein," die „Hundcmeute," „der Hahn" u. A. m. Der Herausgeber hat unstreitig sich ein Verdienst durch die sehr gelungene Urberträzung dieses Werkes erworben. Für "die Ausstattung wurde vom Verleger das Möglichste gethan; es ist ein Prachtwerk. Das israelitisch-deutsche Publikum sollte nun das Scinige thun; cs sollte das Buch kaufen. Dafür haben wir das Wort ergriffen. X. dtachrichten. Aus Westfalen. Am 11. Dez. v. I. traute d«r Rabbiner Sutro zu Münster in der dortigen Synagoge rin Paar, davoi: die Braut, eine Chrislin, gleichzeitig zum Judcnthum übertrat. Diese Bckenutnißwandlung sei weniger als Triumpf notirt — denn daS Judcnthum hat nicht die Aufgabe der Proselytcnmahcrci, — sondern nur als Curiosuin aus einer Gegend mitgcthcilt, wo der Ultramontanismus fanatisch gegen andere Confcssioncn agirt, wo die Presse eifrigst bernüht ist, Gift und Galle in gehässlgster Weise gegen die Juden auszufprützcn. — Am 17. Dezember feierte der Fabrikbesitzer Noa Wolf zu Neheim an der Ruhr seine silberne Hochzeit. Da derselbe auch Schul- und Gemeinde-Vorstand ist, so versäumte die Schuljugend nicht auf einfache, aber herzlichste Weise zu gratuliren. — Neheim bietet die seltene Erscheinung, daß äußerst strenger KatholiciömuS die Duldung nicht auSschließt; denn hier leben die vrrschicdencn Konfessionen , (der Ort rst größtentheilS katholisch) in schönster Harmonie neben und miteinander. Im GejcÜschaftslokale de» OrteS suchen Katholiken und Juden ohne Unterschied des Alters und Geschlechts Erholung, Freude und Hcherz in den traulichen langen Winterabenden.! — Der Jahreswechsel brachte der iSrael. Gemeinde zu

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